Aachen: "Urlaub ohne Koffer" im Seniorenzentrum

Projekttage im Franziskuskloster-Lindenplatz : Große Reise ohne Gepäck und ohne Hotel

„Urlaub ohne Koffer“ hat das Seniorenzentrum Franziskuskloster-Lindenplatz seinen Bewohnern aus dem Pflegebereich und dem Betreuten Wohnen angeboten. Und obwohl die meisten kaum einen Kilometer zurückgelegt haben, verbrachten sie spannende Urlaubstage.

Wenn man alt wird, dann wird manches beschwerlich. Zu beschwerlich. Auch Urlaubsreisen sind für viele Senioren nicht mehr drin. Das Seniorenzentrum Franziskuskloster-Lindenplatz aber hat jüngst rund 150 Bewohnerinnen und Bewohner in den Urlaub geschickt. Sie brauchten dafür keinen Koffer, keine Hotelbuchung und nicht einmal viel Geld in der Urlaubskasse. Denn „Urlaub ohne Koffer“, das bedeutet am Lindenplatz: Projekttage mit vielen Angeboten im Haus und dazu den einen oder anderen schönen Ausflug in die nähere Umgebung.

Bereits zum dritten Mal ist „Urlaub ohne Koffer“ mit großem Erfolg über die Bühne gegangen. „Wenn wir eine Reise an die See unternehmen, kann ein halbes Dutzend Leute mitfahren, der Aufwand ist hoch, und der Rest schaut in die Röhre“, erklärt Christoph Grub, Leiter des Sozialkulturellen Dienstes im Seniorenzentrum. „Wir wollten ein Projekt, an dem alle im Haus, die Interesse haben, teilnehmen können.“ Und das hat geklappt: Von den 175 Frauen und Männern aus dem Pflegebereich und dem Betreuten Wohnen haben immerhin rund 150 das Angebot gerne angenommen.

Sie haben Sitztanz zu Sommerhits gemacht, haben im Sommerkino über den unvergesslichen Heinz Erhardt gelacht oder sich mit einer Maniküre verwöhnen lassen. Eine Wand mit Erinnerungsfotos erzählt von Ausflügen an den Blausteinsee und zum Hangeweiher, vom Bücherflohmarkt, der Lesung mit Reise-Impressionen oder dem großen Gartenfest. „Das war wirklich Aktivurlaub“, bilanziert Christoph Grub. „Wir wollten verschiedene Sinne und Interessen ansprechen.“ Für jene Senioren im Franziskuskloster, die so gebrechlich sind, dass sie ihr Zimmer nicht verlassen können, gab es ebenfalls Programm: „Besuch am Bett“, immer mit einer schönen Überraschung. Die Kosten des Projekts übernahm das Seniorenzentrum, unterstützt durch den Förderverein.

Ergotherapeutin Melanie Koll hat als Projektleiterin das gesamte Projekt zusammen mit Sozialarbeiterin Barbara Arns entwickelt und mit vielen Unterstützern im Haus umgesetzt. „Die Mischung macht’s“, sagt Koll, „jeden Tag war für jeden etwas dabei.“ Und die Macher bekommen viel Lob für ihre Mühe. Bewohnerin Erika Janssen, auch Mitglied des Heimbeirats, hatte nicht nur Spaß bei den Aktivitäten, sie freut sich auch, dass die sommerliche Dekoration noch vorhanden ist. „So erhalten wir uns das Urlaubsgefühl noch etwas“, sagt sie. „Das Projekt ist voll gelungen!“

Auch Gerd Bertram lobt die besonderen Tage und vor allem die liebevolle Betreuung durch das ganze Team. „Das war ein Quasi-Urlaub für uns“, sagt er. „Aber unsere Betreuer sind jetzt bestimmt selbst urlaubsreif.“ Und für Martha Gorreßen wurden schöne Erinnerungen wach. Früher, als Urlaubsreisen noch nicht unbedingt üblich oder erschwinglich waren, sei sie oft mit der Familie in den Wald gewandert, erzählt sie. „Urlaub ohne Koffer, das ist mir sehr gut bekannt.“

Die Planungen fürs nächste Jahr laufen auch schon, wie Christoph Grub verrät. Für September 2020 plant die „Franziska Schervier" Altenhilfe gGmbH, Trägergesellschaft der Seniorenzentren Franziskuskloster-Lindenplatz und Lourdesheim in Aachen, eine Ausstellung zum Thema „Demenz und Kirche“ in beiden Häusern. „Dazu soll es ein Programm geben, das an ‚Urlaub ohne Koffer‘ anschließt.“

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