Aachen: Unendliche Geschichte um Skateranlage

Bezirksvertretung Aachen-Mitte : Halfpipe mausert sich zum Pumptrack

Was vor viereinhalb Jahren als Kinderwunsch nach einer simplen Halfpipe startete, mausert sich zum „Asphaltierten Pumptrack“.

Andreas Mauritz, Pfarrer von St. Jakob, nahm im priesterlichen Schwarz in der Bezirksvertretung Aachen-Mitte Platz. Sein Erscheinen fügte sich ins Geschehen wie ein himmlisches Zeichen. Unter geistlichem Beistand wurde ein Wunder verkündet. Ein Mirakel, an das in Aachen niemand mehr glauben wollte: Die „Halfpipe Hangeweiher“ wird gebaut. In sechs Wochen, so das Wetter mitspielt, ist sie fertig.

Ende des Jahres soll stehen, was viereinhalb Jahre die Nerven vieler Beteiligten kostete. „Wir landen mit der Halfpipe noch im Fernsehen. Die werden fragen, was habt Ihr da gemacht“, fürchte der CDU-Bezirksvertreter Ralf Otten. Das ließ nach eigenem Bekunden seinen Blutdruck steigen und seine Proteste lautstärker werden. Hohn und Spott werde eine Stadt ernten, die es nicht schaffe, ein „im Gegensatz zum Berliner Großflughafen bautechnisch doch eher überschaubares Projekt in einem zeitlich angemessenen Rahmen zu meistern“.

Ein Hauch à la Berliner Schlamassel überzieht die Aachener Halfpipe aber doch. Wenn sie steht, ist sie keine Halfpipe mehr. Das ist das zweite Wunder – und vielleicht schaffen es beide doch noch ins TV.

„Wer unterstützt eine Halfpipe am Hangeweiher?“ hatten zehnjährige Knirpse im Sommer 2015 gefragt. Alle! Die Politiker im Bürgerforum, der Kinder- und Jugendausschuss, die Bezirksvertreter Mitte. Der OB. Alle. Begeisterung allerorten für eine in der Länge halbierte Röhre aus Beton, Holz oder Metall, eine Halbröhre, durch die die Jugend auf Skatebords in waghalsigen Sprüngen hindurchfegt.

So ein Ding kann nicht so teuer sein. Wurde es doch. Die Administration kam in bürokratischen Gang: Kein Aufstellplatz, Lärm- und Bodengutachten, die Kosten galoppierten davon bis sie bei Schnappatmung auslösenden 150 000 Euro landeten, Personalnot, die „verwaltungsinterne Produktverantwortung“ wechselte hin und her und wieder zurück.

So gingen die Jahre ins Land. Erst als die beiden SPD-Landtagsabgeordneten Karl Schultheis und Daniela Jansen vor der Landtagswahl Mai 2017 frohlockend einen 120 000 Euro-Scheck der damaligen rot-grünen Landesregierung für die sich inzwischen Skater-/BMX-Anlage nennende Halfpipe schwenkten, kam neue Hoffnung auf.

Christel Schäfer, Leiterin des Kinder- und Jugendzentrums der Pfarre St. Hubertus in der Händelstraße auf Hanbruch, meldete sich. Das Zentrum habe in Eigenregie eine kleine Skate-Anlage gebaut, wie es denn wäre, wenn die Stadt die ausbaue und ihre Halfpipe integriere. „Okay“ jubelte die Stadt, „okay“ sagte der Kirchenvorstand St. Jakob, in der „Gemeinschaft der Gemeinden“ zuständig auch für St. Hubertus.

Kirchen arbeiten nicht anders als Kommunen. Das bürokratische Gedöns begann Mai 2017 von vorn: Grundstücksfragen, Lärmschutzgutachten, Vorentwürfe, Gespräche mit den „Hangeweiher-Kindern“, kirchliche Gremien und vor allem: Der 120.000-Euro-Scheck des Landes für die Hangeweiher-Röhre musste gerettet und auf den neuen Träger St. Jakob „umgewidmet“ werden. Im Dezember 2017 war‘s geschafft. Bis kommenden März muss das Geld ausgegeben sein.

„Frau Schäfer hat sehr viel Zeit investiert. Jetzt haben wir den Punkt erreicht, wo wir das Projekt gut umsetzen können“, rühmte Pfarrer Andreas Mauritz das Engagement der Mitarbeiterin. Christel Schäfer demonstrierte per Power-Point, wie hervorragend die von Kindern und Jugendlichen stark frequentierte alte Anlage funktioniert und was aus ihr werden soll.

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