Aachen: Über 1400 Besucher beim "besten Fest" im Ludwig Forum

Rauschender Abschied von Andreas Beitin : Loblied aufs Ludwig Forum in vielen Tonarten

Preise, Provokationen, pralle Performance: Ein schillernder Festreigen ist am Sonntag zum Abschied von Andreas Beitin im Ludwig Forum über die Bühne gegangen. Über 1400 Besucher erlebten eine bunte Mischung aus Tanz und Talks, Musik und Theater, Lesungen und vielem mehr.

Zwei Auszeichnungen, die das Haus im vergangenen Jahr erhalten hat, wurden feierlich überreicht.

Wie zündet man ein vierstündiges Feuerwerk der Fantasie, von dem Tausende wohl noch lange sprechen werden – und das am helllichten Tag? Im Ludwig Forum konnte man es am Sonnntag erleben: beim wahrhaft kunterbunten Mix aus der riesigen Palette der Möglichkeiten, mit denen sich ungezählte Initiativen aus der Region immer wieder neu erfinden.

Doppelte Ehrung: Danièle Perrier vom Kritikerverband AICA überreicht gleich zwei Preise, mit denen das Forum 2018 ausgezeichnet wurde, an den scheidenden Museumsdirektor Andreas Beitin, seine Stellvertreterin Annette Lagler und die Kuratoren Holger Otten und Esther Boehle – auch zur Freude der Moderatoren Ina-Marie Orawiec und Alexander Markschies (v.l.). Foto: Andreas Herrmann

Vorweg: Die Organisatoren haben viel gewagt und noch mehr gewonnen, als sie die Party in der alten Schirmfabrik an der Jülicher Straße in aller Bescheidenheit als „bestes Fest“ annonciert haben. Mehr als 1400 Gäste bedienten sich jedenfalls reichlich aus der prallen Wundertüte der Angebote, die die „Freunde des Ludwig Forums“ mit der Initiative Aachen, dem Verein „aachen_fenster“ und den Musik- und Theaterfreunden servierten.

Man nehme: Ein bisschen Glamour – mit gleich drei Preisverleihungen. Viel Tiefgang – in Gestalt profunder Rückblicke auf die „Ära Andreas Beitin“, die mit dem überraschenden Abschied des Museumsdirektors just gestern zu Ende ging, und gescheiter Reflexionen über das Abenteuer Kunst in unseren Tagen. Ferner: eine herbe Prise Provokation, versteht sich. Schon am Portal des Kunsthortes etwa durfte man über einen roten Teppich flanieren, den das Team der Design-Metropole augenzwinkernd ausgerollt hatte – ohne Feuerwerk, aber mit massenhaft „Schnee“ aus der Kanone.

„Das beste Fest“: Feierlichkeiten im Ludwig Forum

Cool halt. Denn nicht nur Insider kapierten meist flott, dass diese Kanone auch auf manche heiß diskutierte Entscheidung der Kulturverwaltung zielte. Die Aktion nahm (um im Bild zu bleiben) vor allem einen Kommentar auf die Schippe, mit dem der Leiter des Kulturbetriebs für allerhand Kritik gesorgt hatte, nachdem die Stadt die Preisgelder für Kuratoren, unter ihnen auch Beitin, kurzerhand einkassiert hatte. Deren Leistung sei nichts anderes gewesen, „als wenn ein Mitarbeiter des Stadtbetriebs in harten Wintern stundenlang Schnee schaufelt“, hatte Olaf Müller gegenüber unserer Zeitung erklärt.

Konfliktscheu kam denn auch der Festakt in der Mulde, moderiert von Ina-Marie Orawiec vom „aachen_fenster“-Vorstand und Kunsthistoriker und RWTH-Professor Alexander Markschies, keinesfalls daher. Zwei süße Früchte ihrer Arbeit ernteten Beitin und seine Mitstreiter nämlich nicht ganz ohne eine Spur von bitterem Beigeschmack: „Da die Preise nicht mit Geld verbunden sind, wird sich auch keine Gelegenheit ergeben, dieses von Ihnen zurückzufordern“, sagte Danièle Perrier, Präsidentin des Kritikerverbandes AICA in Deutschland, bei der Überreichung der Auszeichnungen als „bestes Museum“ sowie für „Flashes of the Future“ als Schau des Jahres 2018.

Lufo-Schau „Lust der Täuschung“

Das Publikum – darunter natürlich ungezählte Kunstschaffende und -förderer – applaudierte frenetisch. Nicht weniger dankbar wurden die Ausführungen der Laudatoren Bernhard Schulz (Berliner Tagesspiegel) und Ludwig Seyfarth (AICA) aufgenommen. Tenor: Die Museen dürften sich eben nicht als Komfortzonen für die Kunst verstehen, sondern sie müssten den politischen und gesellschaftlichen Diskurs couragiert vorantreiben. In diesem Sinne wurde auch die Schau der Berliner Julia Stoschek Collection über den US-Videokünstler Arthur Jafa als „Besondere Ausstellung 2018“ von AICA-Vorstand Seyfarth exklusiv im Forum gewürdigt.

Apropos: Natürlich erfreute sich auch die aktuelle – und ebenfalls äußerst erfolgreiche – Lufo-Schau „Lust der Täuschung“ einmal mehr größter Beliebtheit. Zumal die Beiträge der zahlreichen, meist „freien“ Bühnen- und Musikensembles dem Motto der Ausstellung ihre Reverenz erwiesen – mit einem Auszug aus dem neuen Musical „Jeckyll & Hyde“ etwa, mit dem die Studententruppe Floodlight Musicals Ende Juni Premiere feiern will, mit Chor- und Orchestermusik, Live-Talks am laufenden Band, Aufzeichnungen aus jüngsten Theaterproduktionen, einem täuschend echten, aber doch erfundenen Video über die (durchaus real existierende) Punkband The Lost Tapes, mit Lesungen, Tanz, Performance und etlichem mehr.

Fazit? „Ich glaube, wir konnten zeigen, welch unglaubliches Potenzial die Aachener Kulturszene besitzt“, resümierte Ina-Marie Orawiec. „Und wir haben klar gemacht, worum es eigentlich geht – nicht um Bespaßung, sondern um Teilhabe und Reflexion, die durch Kunst oft erst ermöglicht werden.“

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