Aachen trauert um Sympathieträger Manfred Birmans

Trauer um Dr. Manfred Birmans : Er war ein großer Sohn „va os Heämetstadt“

Die Nachricht kam so plötzlich, wie sie traurig ist: Dr. Manfred Birmans ist völlig unerwartet am Dienstagabend gestorben. Nicht nur die Mundart-Szene und die Schullandschaft trauern um den Präsidenten des Vereins Öcher Platt und früheren Leiter des Aachener Geschwister-Scholl-Gymnasiums.

Manfred Birmans war gewiss einer der ganz großen Sympathieträger dieser Stadt. Noch vor kurzem hatte er einen Auftritt mit zwei Wegbegleitern im Rahmen der Feier zu 40 Jahre Unesco-Weltkulturerbe Aachener Dom. Gemeinsam mit dem Kabarettisten Wendelin Haverkamp und dem Historiker Professor Max Kerner stand Manfred Birmans bei einem kabarettistischen Abend auf der Bühne. Wenn der Dom rief, war er selbstverständlich da. Weil der Dom genau wie das Rathaus für ihn Marksteine seiner Heimatstadt Aachen waren. Manfred Birmans war Öcher aus tiefstem Herzen.

Im Alter von 68 Jahren ist er am Dienstagabend ganz plötzlich zu Hause gestorben. Die Stadt trauert mit seiner Frau, den drei Kindern und den Enkeln. Denn alle gemeinsam verlieren einen großen Aachener, der sich gerne zu Wort meldete, aber nie ein Freund lauter Töne war.

Der Germanist und Sozialwissenschaftler hatte sein berufliches Standbein im Schulwesen. Vor allem im Aachener Geschwister-Scholl-Gymnasium (GSG), wo er bis 2014 als kommissarischer Schulleiter arbeitete. Er verstand das GSG stets ganz bewusst als Gymnasium im Ostviertel, dem er auch durch Kooperationen im Kulturbereich neue Impulse vermittelte.

Motor des Platt-Lebens

Vom Ende seines aktiven Schuldienstes profitierten gleich mehrere Einrichtungen, die das Herzblut unserer Stadt verkörpern. Zum Beispiel der Verein Öcher Platt, zu dessen Präsident Birmans in der Nachfolge von Richard Wollgarten 2016 gewählt wurde. Oder der Verein „Thouet-Mundartpreis der Stadt Aachen“, dessen stellvertretender Vorsitzender er war. 1998 hatte er selbst den Preis für seine Verdienste um die Mundart erhalten.

Womit ganz sicher eine der ganz großen Leidenschaften des feingeistigen Sprachanalytikers angesprochen ist. Manfred Birmans holte das Platt aus den eingefahrenen Wegen. Er wollte - so hat er das einmal wörtlich formuliert - „dem Platt mehr Raum im Stadtbild geben“ und zum Beispiel die jungen Leute altersadäquat an diese ganz besondere Sprache heranführen. Dazu ließ er sich immer wieder neue Ansätze einfallen.

Freude über erfolgreiche Ideen

Manfred Birmans war ein echter Sympathieträger. Jemand, der sich offen freute, wenn eine seiner Ideen in der Öffentlichkeit ankam - dies aber stets völlig uneitel. Er agierte genauso gerne im kleinen Kreis, wenn er auf unverwechselbare Art und Weise von seinen Jugenderlebnissen auf dem Tivoli bei seiner Alemannia berichtete, wie auf der großen Bühne, wenn er im Krönungssaal des Aachener Rathauses Gedichte von „Platt-Goethe“ Hein Engelhardt rezitierte. Seine Interpretation von „Vöörniehm eiße“ trieb einem das Wasser in die Augen, halb aus Rührung, halb vor Lachen.

Diese sensiblen Zwischentöne, die feinen - nur fühlbaren - Nuancen des Platt waren ein unveränderbares Kennzeichen des Manfred Birmans. Er hat dies alles beherrscht wie nur ganz wenige in unserer Stadt. Man wird es vermissen. Und nicht nur das.

(hpl)
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