Aachen: Theatervorplatz wird von Autos befreit, Krach um Parkplätze

Innenstadtentwicklung : Zoff um Königsweg für die Theaterstraße

Rund ums Theater hebt sich der Vorhang für das nächste große Projekt in Sachen Innenstadtentwicklung – langsam, aber sicher, jedoch in Teilen auch mit vernehmlichem Knirschen im politischen Gebälk.

Nach langer, teils höchst kontroverser Debatte hat der Planungsausschuss des Rates am Donnerstag grünes Licht zur Neugestaltung des Vorplatzes inklusive des Kapuzinergrabens im Bereich zwischen Elisenbrunnen und altem Posthof gegeben. Spätestens bei der Beschlussfassung sorgte die CDU indes für eine waschechte Überraschung. Mit großer Mehrheit stimmten die Christdemokraten am Ende mit den Grünen und der Linken dafür, ab sofort auch Außengastronomie in der Theaterstraße zuzulassen – während der Koalitionspartner sich mit Vehemenz gegen einen „Schnellschuss“ bei der Konzessionsvergabe aussprach.

Dabei war dem seit langem geplanten Vorhaben – und auch der aktuellen Vorlage der Verwaltung zum weiteren Vorgehen – der Applaus sämtlicher Politiker im Ausschuss zunächst sicher; zumindest mit Blick auf den unmittelbaren Bereich rund um den Kunsthort, der bekanntlich nach wie vor von Verkehr umtost ist. Allein die Frage, inwieweit auch an der Theaterstraße die ersten Pflöcke (im Wortsinn) zur Entlastung vom Pkw-Blech eingeschlagen werden könnten, erhitzte die Gemüter mächtig.

Bereits vor Jahr und Tag, argumentierten die Grünen, habe die Verwaltung selbst vergeblich bei der Politik darum nachgesucht, entsprechende Lizenzen für die Außenbewirtschaftung erteilen zu können, seinerzeit insbesondere für das Restaurant Bona‘me, das bekanntlich seit 2015 im ehemaligen Roncalli-Café an der Theaterstraße 17 residiert.

Dies, hielt  SPD-Ratsherr Norbert Plum dagegen, sei keinesfalls ohne weitere Prüfung im Hinblick auf die Vorgaben der Straßensatzung machbar. Schließlich müsse unter anderem sichergestellt sein, dass auch für die Passanten auf den Bürgersteigen genügend Platz bleibe. Was neben dem Grünen Michael Rau vor allem den Vertreter der Linken, Marc Beus, nachhaltig auf die sprichwörtliche Palme brachte.

Krach ums Blech: Auf der Theaterstraße soll nun Platz für Außengastronomie geschaffen werden, Parkplätze sollen dort wegfallen. Foto: dmp Press/Ralf Roeger

Mit „ein paar Gartenstühlen und ein paar Pollern“ könne man schon jetzt dafür sorgen, dass parkende Pkw von den Bordsteinen am ehemaligen Pracht-Boulevard Richtung City endlich verschwänden – ein Ansinnen, dem auch die übrigen Fraktionen im Prinzip beipflichteten. Mit der Freigabe der Außenbereiche für Restaurants und Cafés in der Theaterstraße sei dies zumindest in Teilen jetzt schon möglich, befanden die Grünen. Schließlich gebe es im Umfeld ausreichend Parkhäuser, in denen das Blech problemlos unterkommen könne.

Sie schlossen sich darüber hinaus allerdings auch dem Antrag der Linken an, das Parken auf den Gehwegen zunächst zwischen den Einmündungen Borngasse und Bahnhof- beziehungsweise Harscampstraße „möglichst ab sofort“ grundsätzlich zu unterbinden. Ab 2020 möge dies denn auch in der oberen Etappe bis zur Wilhelmstraße hin erfolgen. Lediglich einzelne Parkplätze, etwa für Behinderte oder Lieferfahrzeuge, könnten weiterhin vorgehalten werden. Dieser Vorstoß freilich wurde mit großer Mehrheit abgeschmettert.

Doch während es zunächst schien, dass die CDU der Argumentation der SPD gegen die generelle Freigabe von Außengastronomie ebenso folgen würde, votierten die Christdemokraten mit Ausnahme von zwei Mandatsträgern in diesem Punkt schließlich mit den Grünen. Was Plum im Nachgang gegenüber unserer Zeitung prompt als „unfreundlichen Akt des Koalitionspartners“ bezeichnete – noch während der Sitzung kündigte er überdies sichtlich verärgert an, dass er die Entscheidung als „rechtlich nicht zulässig“ beanstanden werde.

Pkw-Verkehr nur auf einer Seite

Völlig einmütig fiel – siehe oben – unterdessen die Beschlussfassung in Bezug auf den Theatervorplatz aus. Die Stadt soll nun die Planung zur barrierefreien Neugestaltung des Areals zwischen dem Kunsthort und dem derzeit noch im Bau befindlichen „Motel One“ auf der gegenüberliegenden Seite des Grabens schnellstmöglich auf den Weg bringen und entsprechende Förderanträge vorbereiten. Im Ganzen ist allein dieses Projekt, in das auch der Bereich hinter dem Theater bis zur Borngasse hin einbezogen werden soll, mit 5,63 Millionen Euro veranschlagt. Vorgesehen ist dabei, den Verkehr künftig in beide Richtungen ausschließlich über die zum Kapuziner-Karree hin gelegene Flanke des Theaters zu führen.

Im Sommer kommenden Jahres soll die Planung fertiggestellt und der Politik präsentiert werden. Testweise wird die auf der anderen Seite des Musenhorts gelegene Fahrbahn indes bereits anlässlich der „Mobilitätswoche“ im September vom Blech befreit. Und: Im kommenden Advent soll die „Aufenthaltsqualität“ für körperlich besonders mobile Aachener ebendort zumindest ein paar Wochen lang schon einmal buchstäblich von Grund auf verbessert werden. Im Rahmen des Weihnachtsmarkts nämlich soll eine Eisbahn direkt neben dem Theater eingerichtet werden. Bereits 2016 hatte die Stadt das „Experiment“ auch in Sachen Verkehrsberuhigung wagen wollen. Seinerzeit scheiterte das Vorhaben nur daran, dass der Investor den Planern kurzfristig von der Fahne ging.

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