Aachen: Theaterdinner des Das Da Theaters

Zu witzigem Schauspiel fein speisen: Schreigesang zum Zitronen-Sorbet?

Daniel ist mal wieder auf Gut Hebscheid. Er feiert dort seinen 37. Geburtstag. Mit einem Fünf-Gänge-Menü und einer Multikulti-Gästeschar. Zum vierten Aufschlag des Theaterdinners mit Geschichten von Moritz Netenjakob hat der Kölner Autor dieses Mal extra ein Stück für das Das-Da-Theater geschrieben: „Der Partyprofi“.

Tobias Steffen überzeugt als nachsichtiger Gastgeber, brillanter Geschichtenerzähler, hervorragender Sänger und begnadeter Imitator. Eigentlich wollte Daniel seinen Geburtstag mit einem romantischen Candle-Light-Dinner zu zweit mit seiner schwangeren Frau Aylin begehen. Doch er ist mit einer Türkin verheiratet. Das bedeutet: „Ständig mischt sich einer in mein Leben ein“, erklärt Daniel mit einem mildem Lächeln. Und so sind dann nicht nur Baba und Anne, seine Schwiegereltern und ein Großteil der türkischen Verwandtschaft dabei, sondern auch seine amüsant anstrengenden Alt-68er-Eltern Erika und Rigobert, sowie einige andere spießige Revoluzzer-Verwandte.

Zeit für Daniel, reichlich Geschichten aus der älteren und jüngeren Vergangenheit zu erzählen. Denn der Überraschungsgast, den Cousin Kenan in „zwei Minuten – wallah, isch schwör“ präsentieren will, lässt doch auf sich warten. Zwischen Maronen-Süßkartoffelsuppe, Zitronensorbet und Wildschweinschnitzel hält er Tante Ingeborg davon ab, einen musikalischen Beitrag in finnischem Schreigesang darzubieten, demonstriert das Begrüßungsritual als Udo-Lindenberg-Imitatoren seines Freundes Marc und ihm, berichtet von halbtraumatisierenden Schlaflied-Vorträgen seines Vaters in Wolf-Biermann-Manier, von Kenans Verkaufstalent für wahlweise Kleidung, Kühlschränke, Reisen oder Führerscheine, Aylins Bemühungen, ihren Daniel in die türkische Kultur einzuführen und dem Aufeinandertreffen des schwulen Kochs Christos mit dem Kölner Brauereibesitzer Jupp Süffels. Spätestens beim Bericht über das gemeinsame Schauen des EM-Viertelfinales zwischen Deutschland und Italien 2016 – Daniel und Aylin beherbergen sowohl seine als auch ihre Eltern und zudem die 98-jährige, leicht demente Oma Berta auf ihrem Sofa – kann sich die Gästeschar auf Gut Hebscheid nicht mehr halten vor Lachen. Steffen wechselt in rasender Geschwindigkeit zwischen den verschiedenen Protagonisten hin und her und verpasst jedem Charakter einen bittersüßen Touch von kauziger Verrücktheit.

Und gesungen wird natürlich auch wieder: Steffen und Christoph Eisenburger (Klavier) sind ein eingespieltes Team und überzeugen musikalisch in sehr unterschiedlichen Genres vom Karnevalslied bis zum Hardrock. Netenjakob spielt in seiner halb biografischen Textvorlage mit den Stereotypen, die alle im Kopf haben. Die Regie von Maren Dupont stellt die Figuren dabei ebenso wenig bloß wie die Zuschauer. Man kann einfach lachen.

Ach ja, der Überraschungsgast… Wer er ist und ob er tatsächlich kommt, davon sollte sich jeder selbst überzeugen.

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