Aachen: Theater Tacheles zeigt „The Man from Earth“

Ewiges Leben : Theater Tacheles wird philosophisch

Ewiges Leben – wer hat nicht schon einmal davon geträumt? Doch wie wäre es, wenn man die letzten 14.500 Jahre gelebt und erlebt hätte? Was für ein Mensch wäre man nach all der Zeit? Wäre man noch der Cro-Magnon-Mensch von damals oder hätte man sich weiterentwickelt?

Diesen und vielen weiteren philosophisch wichtigen Fragen stellt sich Jerome Bixbys „The Man from Earth“, das in einer deutschsprachigen Version, übersetzt und gespielt vom Theater Tacheles, am Freitag, 2. November, in der Klangbrücke Premiere feiert.

Bei einer gemeinsamen Abschiedsparty für ihren Freund John Oldman (Frank Hagedorn) stellen sich sechs Wissenschaftler diesem spannenden Gedankenspiel. Doch was als lustiger Partyspaß beginnt, hat einen ernsten Hintergrund, denn John behauptet, er sei tatsächlich 14.500 Jahre alt. Ab einem bestimmten Zeitpunkt sei er einfach nicht mehr gealtert. Einige seiner Freunde, allen voran die Biologin Harry (Britta Nowak) und die Anthropologin Dan (Elisabeth Booi), spielen das Spiel dem Anschein nach mit: „Was würde ihn am Leben halten?“, fragt sich Harry und schlussfolgert naturwissenschaftlich: „Perfekte Zellregeneration.“

Die Möglichkeit bestehe demnach. Und nachdem John ein wenig ausgeführt hat, wie es war als Babylonier, Phönizier oder Sumerer zu leben, träumt Dan von diesem Leben, an das sie aber nicht glauben kann: „Das ist so faszinierend, wäre es doch wahr.“ So bleibt er stets erhalten: der Zweifel an Johns Geschichte. John selbst scheint auch völlig klar zu sein, dass seine Freunde ihm ohne Beweise das Gesagte nicht glauben können.

Raum für Skeptiker

„The Man from Earth“ zieht den Zuschauer schnell in den Bann und lässt sowohl Raum für die Skeptiker als auch diejenigen, die John glauben wollen. Alle zehn Jahre, erzählt er, müsse er umziehen, damit die Leute nicht misstrauisch werden, dass er sich kaum verändere. Dieses dauerhafte Wandern, das Fehlen familiärer Bindungen und das Aufgeben von Freundschaften fällt John nicht immer leicht. Schlussendlich hat Archäologe Arthur (Philipp Ebbecke) genug von Johns Bericht, den er nicht glaubt, und ruft die Psychologin Wilhelmine Gruber (Neomi Havinga) hinzu. Was niemand weiß: Sie hat eine Verbindung zu John, die sich als fatal erweist…
Mit „The Man from Earth“ von Jerome Bixby hat sich das Theater Tacheles unter Leitung von Sarah Bingham einen schweren, dialogreichen Stoff vorgenommen. Eine besonders herausragende Leistung muss schon im Vorfeld gewürdigt werden, da sie für Laienschauspielgruppen nicht selbstverständlich ist: In Ermangelung einer deutschsprachigen Theaterübersetzung übersetzte die Gruppe die Theaterfassung zum 2007 erschienenen Film selbst. Eine schwierige, aber auch sehr gut gelungene Arbeit.

Erst im Frühjahr wurde mit den eigentlichen Proben begonnen, bis dahin wurde viel am Text gefeilt, auf Satzbau und vor allem den Klang geachtet, aber natürlich auch darauf, den philosophisch anspruchsvollen Inhalt richtig zu übersetzen. Für Regisseurin Sarah Bingham ist es die vierte Inszenierung mit dem Theater Tacheles und sicherlich eine der anspruchsvollsten. Denn nicht nur der komplexe philosophische Stoff muss verständlich bleiben, auch liegt die Aufgabe, das Publikum gefangen zu halten, allein bei den Worten der Schauspieler.

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