Aachen: Suche nach Lösungen für den Wohnungsmarkt

Bürgerforum mit der SPD : Auf der Suche nach neuem Wohnraum in Aachen

Eine gut durchdachte Zukunftsstrategie und eine bessere Abstimmung der städtischen Dezernate untereinander sind mit Blick auf den Wohnungsmarkt in Aachen zwei ganz wichtige Komponenten. Zu diesem Ergebnis kam ein SPD-Bürgerforum, in dessen Rahmen Experten und Bürger über die aktuelle Situation in Aachen sprachen.

Wohnraum für junge Familien gibt es demnach kaum, und auch ältere Leute finden keine Wohnungen, die für sie und ihre besonderen Bedürfnisse geeignet wären. Bezahlbarer Wohnraum ist Mangelware. Da waren sich alle einig. Und dass sich viele junge Familien deshalb in den benachbarten Kommunen niederlassen, wurde auch im Forum mehr als deutlich.

Die Gründe für den Mangel an neuen Wohnungen sind offensichtlich vielfältig. Zum einen fehlt es in Aachen laut Experten an geeigneten Grundstücken, zum anderen macht die geltende Bauordnung das „Schließen von Baulücken“ oder den Ausbau von Dachgeschossen extrem schwer. Und große Bauvorhaben wie Richtericher Dell oder Branderhofer Weg blieben irgendwie auf halbem Wege stecken, ohne das genau zu sagen wäre, warum eigentlich, so der Tenor im Forum.

Weiterentwicklung der Stadt

Am Anfang aller weiteren Planungen müsste nach Meinung der Experten die Frage nach der Weiterentwicklung der Stadt stehen. Soll Aachen weiter wachsen und die Bebauung entsprechend weiter verdichtet werden? Und das dann möglicherweise auf Kosten der Umweltverträglichkeit? Dass ein Wachstum durchaus wünschenswert ist, hielten alle gleichermaßen für sinnvoll. „Denn vor allem auch ein Teil der Hochschulabsolventen sollte doch zumindest in Aachen bleiben können“, meinte Norbert Hermanns, Vorstandsvorsitzender der Landmarken AG. Er lieferte auch gleich ein positives Beispiel für ein Projekt mit öffentlicher Förderung: Das Viertel „Guter Freund“ der Landmarken AG am Eisenbahnweg sei ein gelungener Mix an unterschiedlichen Nationalitäten, die hier harmonisch zusammenlebten, sagte er.

Und auch Thomas Hübner, Vorstand der Wohnbaugesellschaft Gewoge, sieht in einer hundertprozentigen Förderung im Wohnungsbau kein Problem. „Es kommt letztendlich auf die Mischung der Bewohner an“, meinte er. Und schließlich seien theoretisch fast 50 Prozent der Bürger anspruchsberechtigt.

Vorgehensweise überdenken

Wenn aber großangelegte Projekte wie Büchel, Bushof, Richtericher Dell oder die Volleyballhalle der Ladies in Black feststeckten, so lohnt es laut Mathias Dopatka, Vorsitzender SPD Aachen-Stadt, in jedem Fall, über die weitere Vorgehensweise im Städtebau nachzudenken.

Und neben all der geäußerten Kritik vor allem auch an der Verwaltung und am Oberbürgermeister gibt es offensichtlich auch positive Beispiele für die Verwirklichung von Projekten: So haben sich engagierte Bürgerinnen und Bürger zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen und ihr eigenes Wohnprojekt in der Mataréstraße realisiert. Und das hat offensichtlich so gut funktioniert, dass es laut Dagmar Erwert, LebensWeGe, inzwischen bereits zwei Folgeprojekte gibt.

Und laut Dana Duikers, Abteilungsleiterin Planung, Fachbereich Wohnen, Soziales und Integration der Stadt Aachen, ist gerade ihre Abteilung neu eingerichtet worden, um solchen Initiativen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Sie warb um ein wenig Geduld, um die neuen Maßnahmen, die bereits in Angriff genommen wurden, reifen zu lassen. Und so habe sich auch in Sachen Grundstücksvergabe einiges verändert, so Norbert Plum, SPD-Ratsherr und Fachmann für den Bereich Wohnen. „Wir verkaufen unser Silber nicht mehr“, sagte er. Städtische Grundstücke sollen demnach nicht mehr veräußert, sondern in Erbpacht vergeben werden. Zum einen soll so der Spekulation ein Riegel vorgeschoben werden, zum anderen habe die Kommune die Möglichkeit der Mietpreisbindung. Die Vergabe der Grundstücke erfolge entsprechend nicht mehr an den Meistbietenden, sondern an den, der das interessanteste Konzept vorlegt. Nach Meinung von Plum ist das eine ganz wesentliche Neuerung bei der Vergabe von Grundstücken.

Inhalte zusammenfassen

Laut Dopatka sollen in den folgenden Wochen alle Anregungen und Ideen auch aus der Bürgerschaft in einem Papier zusammenfasst werden. Ende Mai ist dann ein zweites Bürgerforum geplant, bei dem dieses Thesenpapier dann vorgestellt und noch einmal diskutiert werden soll.

Die SPD Aachen-Stadt hat die Kampagne „Wohnraum schaffen. Mietpreise stabilisieren“ bereits im Oktober des vergangenen Jahres gestartet. Dazu sind noch eine Reihe weiterer Aktionen geplant.

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