Aachen: Stadt wünscht sich mehr Drehtermine von Filmteams

Drogen, Dealer und Dramen : Stadt wünscht sich wieder mehr Filmteams in Aachen

Das Interesse vom Filmteams an Drehorten in Aachen war in der Vergangenheit größer. Aktuell läuft im ZDF die Krimiserie „Undercover“ an. Es geht um Dealer, Drogen und dunkle Machenschaften. Beste Werbung für Aachen.

Hat die Filmstadt den Dreh raus? Urplötzlich rasen schwarze Limousinen auf den Bahnhofsvorplatz. Ein Spezialeinsatzkommenado, natürlich maskiert und schwer bewaffnet, springt aus den Fahrzeugen, überwältigt einige Drogendealer auf dem Aachener Bahnhofsvorplatz – und rast mit quietschenden Reifen davon. Beste Werbung für Aachen.

Denn die Kulisse Kaiserstadt soll bestenfalls einem Millionenpublikum schmackhaft gemacht werden. Die delikate Drogendealer-Jagd füllt ein paar TV-Minuten der zehnteiligen belgischen Krimiserie „Undercover“. Die wurde vor allem in Limburg, aber eben auch kurz in Aachen gedreht. Im Herbst 2017 war das.

Später beschwerten sich unbeteiligte Zeugen der Jagdszenen über die beängstigende Szenerie. Nicht jeder war rechtzeitig über die Dreharbeiten informiert worden. Jetzt läuft die spannende Verbrecher-Story im ZDF – und ist natürlich über die Mediathek jederzeit abrufbar.

Fast vergessen: Jan Josef Liefers drehte 2011 in Kornelimünster. Foto: ZVA/Harald Krömer

Trotzdem wünscht sich die Stadt Aachen durchaus mehr Anfragen von Drehteams und Filmproduktionsfirmen, wie Harald Beckers vom Presseamt einräumt. Das Interesse scheint etwas erlahmt. Das erklärt auch, warum der offizielle Locationguide der Stadt im Internet auswärtigen TV-Teams noch immer das Spielcasino im Neuen Kurhaus mit Französischem Roulette, American Roulette, Baccara, Black Jack und Poker als herausragenden Drehort andient. „Restaurants bieten eine exzellente Küche und stilvolle Bars in einer ansprechenden Atmosphäre“, heißt es da. Allerdings ist das Casino bereits 2015 in den Tivoli umgezogen. Danach wurde das Kurhaus als Flüchtlingsunterkunft vorgehalten.

Nichtsdestotrotz: Es gebe hier jede Menge „unverbrauchte Motive“, werben Aachens Marketingstrategen. „Cobra 11 – Die Autobahnpolizei“ dreht regelmäßig in Brand und Kornelimünster, Schauspieler Jan Josef Liefers drehte 2011 ebenfalls mitten in Kornelimünster „Der Mann auf dem Baum“, die Filme „Rubinrot“, „Saphierblau“ (2013) und „Smaragdgrün“ rückten Domhof und Marschiertor ins Bild. Die Vorabendserien „Zwischen den Zeilen“ und „Bettys Diagnose“ entstanden teils auf der Jakobstraße und auf dem Katschhof. „Louise Boni“ wurde auf der Viktoriastraße gedreht. Götz George stand als Schimanski für „Der Golem“ 2003 in der Pontstraße vor der Kamera. Der Kölner Tatort-Kommissar Dietmar Bär spielte im Jahr 2000 einige Szenen vor der Dom-Kulisse und im alten Gefängnis auf dem Adalbertsteinweg. Im Jahr 2007 bevölkerte ein Drehteam mit Bettina Zimmermann für „Die Jagd nach dem Schatz der Nibelungen“ zwei Nächte lang den Krönungssaal.

Götz George mimte 2003 Schimanski in der Pontstraße. Foto: ZVA/Michael Jaspers

2008 war St. Jakob Kulisse für „Die Diamanthochzeit“. 2010 entstand „Der Bastard“ mit Martina Gedeck im Frankenberger Viertel. Die Zahl der großen Kinoprojekte ist eher rückläufig. Insgesamt erreichen Beckers pro Jahr 30 bis 40 Anfragen. „Bei den meisten Anfragen handelt sich um eher kleine Projekte, die in wenigen Stunden abgedreht sind. Häufig sind es auch journalistische Arbeiten“, sagt er. Gefragt seien vor allem Dom, Rathaus, Elisenbrunnen, Kornelimünster, Elisabethhalle und der Westwall.

Doch normalerweise drehen Filmemacher lieber in Köln, München, Hamburg oder Berlin. „Aber hier in Aachen läuft die Zusammenarbeit unbürokratischer und schneller“, ist Beckers überzeugt. Jedenfalls, solange „Cobra 11“ für RTL nicht den kompletten Adalbertsteinweg sonntags für Filmaufnahmen sperren will.

Tatort-Kommissar Dietmar Bär spielte 2000 vor der Dom-Kulisse. Foto: ZVA/Wolfgang Plitzner

Auch solche Anfragen für Drehgenehmigungen, die natürlich abgewiesen werden, habe es schon gegeben. Normalerweise aber klappt es prima, „wenn nicht zu viele Parkplätze einem Filmdreh zum Opfer fallen“, wie Beckers erläutert. Ansonsten erhält das Filmteam meist grünes Licht. Informiert werden dann Ordnungsamt, Immobilienmanagement, Verkehrsbehörde und die Polizei.

Es gibt auch einen Aufwärtstrend – buchstäblich: „Der Einsatz von Kameradrohnen hat deutlich zugenommen. Immer wieder melden sich Studierende, die Examensfilme drehen“, sagt Beckers. Das hat natürlich weniger werbende Effekte vor einem Millionenpublikum als andere Drehs. Zumal viele Filme zwar in Aachen gedreht werden – Aachen als Stadt aber nicht transportiert wird, weil die Geschichte etwa in London oder Antwerpen spielt.

Jetzt läuft „Undercover“ an. Foto: ZDF und Jo Voets/Jo Voets/ZDF

Effektiver ist da beispielsweise ein niederländisches Format: „Die Protagonisten der extrem beliebten niederländischen Doku ,Hier zijn de Van Rossems’ waren in der Elisabethhalle. Das ist wie kostenlose Werbung im niederländischen Fernsehen“, freut sich Beckers. Die kamen 2017 zwar auch aus Limburg, aber ganz ohne Drogen, Waffen und quietschende Reifen aus. Alles lief rund. Beschwerden gab es keine.

Mehr von Aachener Nachrichten