Aachen: Stadt will das Parken am Straßenrand unattraktiver machen

Auch keine „Brötchentaste“ mehr : Fast alle Parkscheinautomaten sind jetzt umgerüstet

Wer in der Innenstadt parken will, soll ins Parkhaus fahren: Bereits im September 2018 hat der Aachener Stadtrat höhere Gebühren für das Parken am Straßenrand beschlossen. Nun sind fast alle Parkscheinautomaten entsprechend umgerüstet, und immer mehr Autofahrer müssen mehr Münzen einwerfen.

Die Brötchentaste gibt’s nicht mehr. An Parkscheinautomaten in Burtscheid, zum Beispiel an der Viehhofstraße und der Kleverstraße, ist die Funktion abgeschaltet worden – zur Enttäuschung vieler bisheriger Nutzer. Mit der Brötchentaste konnte man ein Gratis-Ticket ziehen und 20 Minuten lang kostenlos parken – Zeit genug, um mal eben in einen Laden zu gehen oder beim Bäcker ein paar Brötchen zu holen. Die Brötchentaste war 2006 an ausgesuchten Automaten in Burtscheid eingeführt worden, eine Art Probelauf für ganz Aachen. Ausgeweitet wurde das Experiment aber nie, auch wenn es durchaus Interessensbekundungen gab, zum Beispiel aus dem Frankenberger Viertel. Und nun ist ganz Schluss.

Den Wegfall der Brötchentaste beschloss die Politik zusammen mit der Einführung der neuen Bewohnerparkzone BU2 in Burtscheid. Denn die Erwartungen – weniger Parker ohne Parkschein und mehr Fluktuation auf den Parkplätzen – hatten sich nicht erfüllt, wie Harald Beckers vom städtischen Presseamt erläutert.

20 Cent für fünf Minuten

Sehr viel einschneidender als der Wegfall der Brötchentaste in Burtscheid aber sind die Folgen einer anderen politischen Weichenstellung – und zwar für Autofahrer in ganz Aachen. Im September 2018 beschloss der Stadtrat die „Anpassung der Parkgebühren im öffentlichen Raum“. In Tarifzone 1 sollten künftig 20 Cent pro fünf Minuten anfallen; Mindesteinwurf ein Euro, Höchstparkdauer eine Stunde. Macht 2,40 Euro für eine Stunde Parken in einem Gebiet, das sich im Wesentlichen auf den Bereich innerhalb des und auf dem Alleenring erstreckt.

Das Parken am Straßenrand wird damit zeitlich begrenzt und deutlich verteuert. Auf diese Weise will die Stadt den Parksuchverkehr in der City eindämmen. Die „Reduzierung des Parksuchverkehrs“ gehört zu den sogenannten Schlüsselmaßnahmen im überarbeiteten Luftreinhalteplan, den der Rat im November 2018 verabschiedet hat, um Dieselfahrverbote in der Innenstadt doch noch zu verhindern. Autofahrer sollen gezielt ein Parkhaus ansteuern, anstatt auf der Suche nach einem (bis dato) günstigeren Parkplatz am Straßenrand durchs Viertel zu rollen.

Fast alle Automaten umgerüstet

„Die Maßnahme greift unmittelbar, sobald die Umstellung der Parkscheinautomaten erfolgt ist“, heißt es im überarbeiteten Luftreinhalteplan. Und: „Diese Maßnahme ist im Frühjahr 2019 umgesetzt.“ An diesem Punkt sind die Aachener nun (fast) angekommen. Im Stadtgebiet gibt es derzeit 462 Automaten unterschiedlicher Hersteller. Deren Umrüstung läuft nach Angaben des Presseamts seit Anfang April und soll bis Ende Mai/Anfang Juni abgeschlossen sein. Und vielen Autofahrern wird jetzt klar, dass sie am Parkscheinautomaten ab sofort deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen.

In Tarifzone 2, außerhalb des ­Alleenrings bis zur Stadtgrenze, wird das Parken in den Bewohnerparkzonen ebenfalls teurer, wenngleich die Anhebung der Preise dort moderater ausfällt. In Zone 2 zahlt man nach der Umrüstung 50 Cent je 30 Minuten bei einem Mindesteinwurf von 50 Cent und einer Höchstparkdauer von zwei Stunden. In einigen Bewohnerparkzonen ist auch weiterhin ein Tagesticket vorgesehen.

„Sensibles Thema“

Auf Verständnis stößt die Verteuerung der Parkgebühren längst nicht überall. Und die Fans der „Brötchentaste“ bedauern deren Aus angesichts der Preiserhöhung umso mehr. „Wir haben das immer als Errungenschaft betrachtet für Fälle, wenn wir kurz was einkaufen wollten“, sagt zum Beispiel Henning Katz aus Burtscheid. Er will Konsequenzen ziehen. Kurze Einkäufe werde er künftig nach Möglichkeit anderswo erledigen, sagt er.

Das wiederum ist genau die Reaktion, die viele Einzelhändler in der City befürchten. „Parken ist ein sensibles Thema und ein Standortfaktor“, sagt auch Manfred Piana, Geschäftsführer des Märkte und Aktionskreises City. „Aachen ist nun einmal von seinem Umfeld abhängig.“ Bei allen Maßnahmen sei Augenmaß gefragt. Andererseits weiß auch Piana: „Dieselfahrverbote wären noch viel schlimmer für Aachen.“

Mehr von Aachener Nachrichten