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Aachen: Spielplatz Am Kirschbäumchen in finanzieller Bedrängnis

Kinderschutzbund braucht Hilfe : Am Kirschbäumchen versiegen die Geldquellen

Aufgeregt stürmt ein Dutzend Kinder das Piratenschiff. „An Bord!“, ruft ein Junge und klettert die Leiter zum Schiffsmast hinauf. Mit viel Freude tauchen die Kinder auf dem Abenteuerspielplatz „Zum Kirschbäumchen“ in andere Welten, vergessen Schulstress und spielen mit ihrer Fantasie.

Seit über 30 Jahren betreibt der Ortsverband Aachen des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) die großräumige Anlage am Prager Ring. Doch das Piratenschiff – und mit ihm der gesamte Spielplatz – droht zu sinken.

„Wir haben ein riesiges Finanzloch“, erklärt Andrea Weyer, Geschäftsführerin des DKSB Aachen. Zwar finanziere die Stadt den Abenteuerspielplatz jährlich mit einem hohen fünfstelligen Betrag, jedoch reiche das nicht einmal für die Hälfte aller Ausgaben. Erstmalig musste die Spielanlage sogar im gesamten Januar geschlossen bleiben. „Anders wäre es nicht finanzierbar“, begründet Weyer die Maßnahme. Stattdessen nutzt das Personal die Gelegenheit, den Spielplatz wiederherzurichten und einzelne Spielgeräte zu sanieren. Zum Beispiel das Piratenschiff: „Das ist nach sechs Jahren sanierungsbedürftig“, meint Miriam Hartmann, Leiterin des Abenteuerspielplatzes.

Generell dient die Anlage vor allem als riesige Freispielfläche. „Kinder brauchen eine solche Wildnis“, sagt Hartmann. Herzstück ist der Hüttenbau-Bereich, in dem die Kinder selbstständig unter Aufsicht kleine Häuschen bauen können. Im römischen Wachturm schlüpfen sie gedanklich in die Legionärsrüstung, auf einer Düne können sie nach archäologischen Schätzen buddeln. Auch eine Feuerstelle, einige Sportfelder, Tischtennisplatten und ein kleiner Teich sind vorhanden. „Das ist kein Teich“, korrigiert Weyer schmunzelnd. „Für die Kinder ist es die Ostsee.“ Im vergangenen Jahr wurde der Spielplatz mit dem „Blauen Elefanten“ ausgezeichnet, dem Gütesiegel des Deutschen Kinderschutzbundes.

Trotz der Geldsorgen nutzten die Verantwortlichen des Abenteuerspielplatzes nun die Gelegenheit, um ihre vielen Unterstützer mit einem Zeichen der Dankbarkeit auszuzeichnen. Neben den städtischen Zuschüssen funktioniert die Finanzierung nämlich größtenteils durch Spenden. Während die Damen des „Ladies Circle 58“ jährlich das Frühlingsfest mitorganisieren, spendet die Schülerzeitung des Couven-Gymnasiums einen Teil ihrer Einnahmen für den Spielplatz. Weitere Unterstützer sind die Grundschule am Haarbach, die Kabarettgruppe Öcher Noelde sowie die Firma Holz Kessel. Und dennoch: „Es fehlen 60.000 bis 70.000 Euro im Jahr“, betont Weyer. Mehr Spenden und Partner sind notwendig, damit die jungen „Piraten“ auch zukünftig ganzjährig Schiff und Abenteuerspielplatz entern können.