Aachen: Spezielle Verkehrsspiegel sollen den toten Winkel verkleinern

Baustein im „Aktionsplan Verkehrssicherheit“ : 56 Spiegel, die Leben retten könnten

Mit speziellen Verkehrsspiegeln will die Stadt Aachen an besonders gefährlichen Kreuzungen für mehr Sicherheit sorgen. Die ersten Spiegel wurden jetzt angebracht. Die Maßnahme ist Teil des umfangreichen „Aktionsplans Verkehrssicherheit“.

Diese Spiegel könnten Leben retten. 56 Stück hat die Stadt Aachen gekauft. Es ist keine riesige Investition. Die Kosten für Anschaffung und Montage belaufen sich auf insgesamt rund 17.000 Euro. Claudia Nowak vom städtischen Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen aber setzt große Hoffnungen in die 56 runden Spiegel. Sie sollen für deutlich mehr Sicherheit sorgen, indem sie an Kreuzungen den toten Winkel verkleinern.

Die Spiegel werden an besonders gefährlichen Stellen angebracht, dort wo Autos rechts abbiegen und dabei die parallel verlaufende Spur der Radfahrer queren. Mit Hilfe der Spiegel sollen Bus-, Lkw- und Pkw-Fahrer besser erkennen, wer womöglich rechts neben ihnen fährt.

Einige der 56 Spiegel sind bereits angebracht. Das erste Exemplar wurde am Hansemannplatz montiert. Dort, an der Einmündung von Monheimsallee und Peterstraße, war im April 2017 eine Radfahrerin von einem rechts abbiegenden Bus überrollt und getötet worden. Weitere Verkehrsspiegel hängen zum Beispiel im Bereich Kurhausstraße/Peterstraße, an der Bastei im Bereich Monheimsallee/Krefelder Straße sowie Saarstraße/Sandkaulstraße und an der Kreuzung Normaluhr, dort wo man von der Kurbrunnenstraße in die Zollernstraße abbiegen kann.

Die Verkehrsspiegel sind ein kleiner, aber wichtiger Baustein im „Aktionsplan Verkehrssicherheit“, den Politik und Verwaltung in Aachen im Frühjahr 2017 auf den Weg gebracht haben. Claudia Nowak von der Abteilung Verkehrsplanung und Mobilität betreut den Aktionsplan. Seit Herbst 2018 arbeitet sie für die Stadt, ihre Stelle wurde eigens dafür eingerichtet.

Mehr Sicherheit: Claudia Nowak von der städtischen Abteilung Verkehrsplanung und Mobilität erwartet viel von den neuen Spiegeln. Foto: Harald Krömer

Die Montage der ersten Spiegel hat Nowak dieser Tage vor Ort begleitet. „In anderen Städten sind solche Anlagen bereits erprobt“, berichtet die Architektin. Sie ist überzeugt: „Das ist eine einfache Maßnahme, um eine bessere Sicherheit für Radfahrer zu erreichen.“ Der Spiegel auf Höhe des Rotlichts an der Ampel funktioniere wie ein zusätzlicher Rückspiegel.

Der „Aktionsplan Verkehrssicherheit“ soll dazu beitragen, dass alle Verkehrsteilnehmer – Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer – möglichst sicher unterwegs sind. Claudia Nowak sitzt quasi an der Schnittstelle zwischen Planern und Bürgern. Zu ihren Aufgaben gehört es, städtische Verkehrsplanungen durch die Brille aller Verkehrsteilnehmer zu betrachten. Gemeinsam mit einer Kollegin absolviert sie dafür aktuell eine umfangreiche Zusatzausbildung. Gleichwohl gilt den Radfahrern – und den Gefahren, denen sie ausgesetzt sind – im Rahmen des Aktionsplans besonderes Augenmerk.

Doppelte durchgezogene Linie

Um mehr Sicherheit für Radfahrer zu erreichen, wird in Aachen derzeit auch eine Markierung eingeführt, die es so bisher noch nicht gibt: der Sicherheitstrennstreifen, eine doppelte durchgezogene Linie zur Fahrbahn hin, die den Radfahrstreifen besonders sichtbar macht und dem Autofahrer besonders deutlich signalisiert: bis hierher und nicht weiter. „In der Straßenverkehrsordnung ist diese Doppellinie nicht vorgesehen“, erläutert Nowak. Um sie in Aachen aufmalen zu dürfen, musste sogar die Zustimmung der Kölner Bezirksregierung eingeholt werden.

Seine Aachen-Premiere wird der Sicherheitstrennstreifen demnächst auf der Roermonder Straße in Laurensberg haben, stadtauswärts auf den knapp 200 Metern vor der Kreuzung Roermonder Straße/Rathausstraße/Schlossparkstraße. Das ist nicht viel, aber ein Anfang. „Die Markierung ist bereits angeordnet und wird bald ausgeführt“, sagt Nowak.

Die beiden Linien plus Zwischenraum bringen den Radfahrern immerhin einen halben Meter mehr Abstand zu den Autos auf der Fahrbahn. In allen künftigen Planungen werde die Möglichkeit einer solchen Doppellinie mit in Erwägung gezogen, kündigt die Fachfrau für Verkehrssicherheit an.

1,50 Meter Abstand beim Überholen

Bereits gestartet ist die städtische Kampagne „Ich halte Abstand“. Autofahrer sollen verstärkt dafür sensibilisiert werden, dass ein Überholabstand von 1,50 Metern nötig ist, wenn sie Radfahrer sicher passieren wollen. Ein zu geringer Überholabstand zwischen Auto und Rad gehört nämlich zu den häufigsten Unfallursachen. „Bitte überholen Sie erst, wenn Sie mindestens 1,50 Meter Abstand halten können“, heißt es auf 1500 Postkarten, die die Stadt verteilt hat.

Auf vielen Aachener Straßen bedeutet das allerdings in letzter Konsequenz: Autofahrer müssen womöglich eine ganze Zeit lang hinter dem Radfahrer bleiben, bis sie gefahrlos überholen können. Auch auf großen Verkehrsachsen wie der Wilhelmstraße ist der 1,50-Meter-Abstand nur einzuhalten, wenn der Autofahrer zum Überholen auf die linke Fahrbahn wechselt. „Autofahrer müssen warten, bis sie gefahrlos überholen können“, betont Claudia Nowak. Und natürlich weiß auch sie: „Häufig passiert das nicht.“

800 Heckaufkleber zum Thema „Abstand halten“ sind auf städtischen Fahrzeugen, auf Wagen der Aseag und den Leihfahrrädern von Velocity angebracht worden. Als Erinnerung für die Fahrer kleben sie auch in den Cockpits der städtischen Fahrzeuge und der Aseag-Busse.

Mit Erfolg hat sich Aachen zudem um die Teilnahme an der zweiten Runde der NRW-Verkehrssicherheitskampagne „Liebe braucht Abstand“ beworben. „Der Bescheid ist gerade angekommen“, stellt Nowak erfreut fest. Zum Kampagnenauftakt in Aachen soll es eine Verkehrssicherheitskonferenz geben. Die wird am 10. März 2020 im Super C der RWTH stattfinden und zahlreiche Akteure zusammenbringen, die zum Thema Verkehr etwas zu sagen haben. „Am Ende soll eine Selbstverpflichtung zum Thema Verkehrssicherheit stehen“ – mehr will Claudia Nowak derzeit noch gar nicht verraten.

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