Aachen: „Aachen Sozial“ verleiht Sozialpreis „Aachener Kältehelfer“

Aachen : „Aachen Sozial“ verleiht Sozialpreis „Aachener Kältehelfer“

„Das ist ein leuchtender Tag, der unser Land schöner macht.“ Der vormalige Bundespräsident Joachim Gauck sagte das einmal am „Tag des Ehrenamts“ zu Hunderten ins Schloss Bellevue eingeladenen Ehrenamtlern. Aachens Bürgermeister Norbert Plum griff das präsidiale Wort auf, als er sich am Dienstagabend im Krönungssaal des Rathauses vor rund 500 Gästen an die Preisträger „Aachen Sozial 2018“ wandte: „Sie machen unsere Stadt schöner, weil Sie uns beschenken.“

Die Preisverleihung „Aachen Sozial 2018“ geriet in der Tat zu einem „leuchtenden Tag“. Zum zwölften Mal vergab der Verein „Aachen Sozial — Gesellschaft für soziales und bürgerschaftliches Engagement in der Region Aachen“ den Preis, zum zweiten Mal den „Nachwuchspreis Aachen Sozial“. Ausgezeichnet werden alljährlich „Persönlichkeiten, die sich in hohem Maß sozial engagieren und andere Menschen in außergewöhnlicher Weise unterstützen“, wie Gabriele Mohné für den Vorstand sagt.

„Da muss man doch etwas tun“

Die Preisträger 2018: Hans-Joachim Geupel (66), Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung Lebensraum Aachen, sowie Sarah Everhartz (24) und Tim Hermanski (25) von den Johannitern für ihr Projekt „Aachener Kältehelfer“. In welch „außergewöhnlichen Weise“ die Preisträger der Gesellschaft und Menschen beistehen, machten die Laudatoren anschaulich. „Einzigartig johanniterlich“ nannte Marius Mainzer, Regionalvorstand der Johanniter, das Duo Everhartz-Hermanski.

„Da muss man doch was tun, Aachen braucht eine Kältehilfe, warum machen wir das nicht“, hörte er eines Tages. Die beiden — inzwischen ein Paar, sie Studentin der Sozialarbeit, er IT-Chef bei den Johannitern — redeten nicht nur, sie machten: Im vergangenen November starteten sie ihr Projekt „Kältehelfer“. Zweimal wöchentlich steuerten sie in den kalten Wintermonaten mit einem Johanniter-Wagen den Kugelbrunnen und den Hauptbahnhof an, um Obdachlose und bedürftige Menschen zu versorgen — mit Bekleidung, Schlafsäcken, Decken, mit warmen Getränken und Mahlzeiten.

In ihrer Dankesrede zeigten die beiden ein beeindruckendes Video über ihre Arbeit. 30 ehrenamtliche Helfer packen inzwischen mit an, in ihrer Freizeit nach der Arbeit und oft bis spät in die Nacht. „Daher sehen wir den Preis nicht für uns allein, sondern stellvertretend für alle, die es uns ermöglichen, unsere Idee in die Realität umzusetzen“, wiesen die Initiatoren auf ihre Helferschar, die auch im Krönungssaal saß.

Everhartz-Hermanski dankten auch dem Partyservice Meyer und der Bäckerei Drouven, ohne die für die Bedrängten „die Butterbrot-Box für den nächsten Tag“ nicht möglich wäre. Das nächste Ziel der „Kältehelfer“: ein eigenes Kältefahrzeug, um für den nächsten Winter gerüstet zu sein. 40000 Euro kostet so ein Gefährt, das Preisgeld von 2000 Euro dient als Startkapital. Auch eine medizinische Versorgung der Notleidenden soll aufgebaut werden.

„Etwas zu wuppen“ hat sich Hans-Joachim Geupel zur Aufgabe gemacht. Der frühere Bahn-Manager meint damit, „etwas zu gestalten, etwas Neues in die Welt zu bringen, das Aachen netter und liebenswerter macht“. Dafür steht seit 2005 die Bürgerstiftung Lebensraum Aachen mit Sitz in der Burg Frankenberg. Geupel ist Gründungsmitglied, seit 2013 Vorstandsvorsitzender.

Journalist Manfred Kutsch rühmte in seiner Laudatio die Erfolgsgeschichte: „Inzwischen zählt die Bürgerstiftung 350 aktive Helfer, 120 Stifter und 23 Projekte. Ein freies Netzwerk humanitären Handelns. Das breit gestreute Wirken kittet ungezählte Risse, die trotz blühender Wirtschaft die Stabilität unserer Gesellschaft in den letzten 20 Jahren wesentlich beeinträchtigen.“ In seiner mehrfach von viel Beifall begleiteten kritischen Gesellschafts-Analyse vertrat Kutsch die Auffassung, dass angesichts „am Existenzminimum krebsender Kommunen“ und einem wankenden Wertegefüge „zukünftig ohne bürgerschaftliches Engagement in unserem Gemeinwesen kaum noch etwas funktionieren wird“. Die Bürgerstiftung, der Geu-pel seine Handschrift gebe, stehe „mit klarer Haltung zu Vielfalt, Toleranz und Solidarität“.

Es mache ihn „wirklich glücklich“, als Vorstand der Bürgerstiftung sozial zu wirken, bedankte sich Geupel. Er nehme den Preis für die Bürgerstiftung gerne an. Er versprach: „Wir sind da noch lange nicht am Ende angekommen.“

Projekte wie „Willkommen“, „Offenes Aachen!“, „Thermalwasser“, „Internationales Friedenscamp“ und die „Obstwiese“, auf der zur Geburt von Kindern in Patenschaft bereits mehr als 200 Apfelbäume gepflanzt wurden, sind einige Beispiele aus der Fülle des bürgerschaftlichen Engagements der Stiftung.

Neue Ziele sind in Arbeit. Ein „Platz der Demokratie“ soll geschaffen werden, gedacht ist an den großen Kreisverkehr am Hangeweiher. Den 70. Geburtstag des Grundgesetzes am 23. Mai 2019 will die Bürgerstiftung gestalten. Ein „Theater für Senioren“ wird bald Premiere haben.

Ein gelungenes Beispiel für das Schaffen der Bürgerstiftung konnten die Gäste im Krönungssaal erleben. Vor zwei Jahren traten junge Leute an Geupel heran, Musik wollten sie machen, jedes Jahr ein Musical herausbringen, aber nicht eigens einen Verein gründen. Die Bürgerstiftung war organisatorisch zur Stelle, das Projekt „Floodlight Musicals“ geboren. 70 Sängerinnen und Sänger sind es inzwischen. Mit zwei Songs begeisterte eine kleine Gruppe im Krönungssaal. Die Bürgerstiftung hate_SSRqs „gewuppt“, würde Hans-Joachim Geupel sagen.

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