Aachen: „Aachen Sozial“: Drei Frauen im Männerbusiness geehrt

Aachen : „Aachen Sozial“: Drei Frauen im Männerbusiness geehrt

Drei sichtlich gerührte Preisträgerinnen, ein aufgeräumter Oberbürgermeister, ein bewegt berichtender Tatort-Kommissar, bemerkenswerte musikalische Akzente, ein aufmerksames Publikum im gut gefüllten Krönungssaal — und eine spontan agierende Moderatorin und Initiatorin.

Am Donnerstagabend wird im Rathaus deutlich, wie sehr sich die Preisverleihung von „Aachen Sozial“ der Familienunternehmer im Veranstaltungsreigen der Stadt gemausert hat. „Wie eine Familie“ grüßt OB Marcel Philipp „eine verschworene Gemeinschaft im Saal“, der er zuruft: „Lasst uns gemeinsam auf die Kinder dieser Stadt schauen, ob Flüchtling oder nicht!“ An diesem Abend darf und soll „gemenschelt“ werden.

Das liegt vor allem an der Strahlkraft der „BMW-Frauen“, Ursula Kohl und ihrer Töchter Gisela Kohl-Vogel und Margit Kohl-Woitschick, den Hauptpersonen des Festakts. In einem kurzweiligen Talk mit Stadtsprecher Bernd Büttgens berichtet die Frau des Firmengründers Willi Kohl vom dramatischen Umbruch für das Autohaus nach dem frühen Tod ihres Mannes 1997 und dem Schulterschluss mit den Töchtern, die damals Mitte 20 waren.

Drei Frauen im knallharten Männerbusiness, von den Ereignissen völlig überrollt, in Verantwortung für damals schon über 500 Mitarbeiter. „Was machen wir mit denen?“ „Was passiert mit den Gebäuden?“ Die Erinnerung raubt der Mutter heute noch den Atem. Das Trio biss sich durch, inzwischen längst gemeinsam mit den Ehemännern der Töchter. „Nicht ein einziger Arbeitsplatz ging verloren, allein das hätte den Preis verdient“, meint Gabriele Mohné, Vorsitzende von „Aachen Sozial“, die den Abend authentisch und herzlich moderiert.

Das Unternehmen BMW Kohl hat sich kein soziales Marketing aufgebaut, mit dem es das Firmenprofil schärft. „Wir haben kein Schwerpunktprojekt, zum Beispiel in Afrika“, erklärt Gisela Kohl-Vogel. Möglicherweise war es eine Folge frühkindlicher Prägung, die zu anderen Wegen der Hilfe führte. Ehedem hatte die Mutter den Kindern ein Motto eingeimpft: „Jeden Tag eine gute Tat.“

So „spontan“ und „aus dem Herzen heraus“ tun sie bis heute Gutes — und zwar „breit gestreut“, wie Margit Kohl-Woitschik betont. Die Managerinnen und Familienmütter unterstützen jugendfördernde Projekte der Pfarre St. Donatus, Vereine ihrer Brander und Eilendorfer Heimat, das Das Da Theater, das Hospiz am Iterbach. Sie helfen bedürftigen Familien und Flüchtlingen in Kooperation mit den „Aachener Händen“.

Und neuerdings unterstützen sie auch die Kampagne des Kölner Tatort-Vereins mit Klaus J. Behrendt, alias Kommissar Max Ballauf. Die Kohl-Familie ist die erste, die dem Schauspieler einen Scheck in die Hand drückt, nachdem der 56-Jährige das Projekt „Wir starten gleich“ vorgestellt hat (hierzu auch Bericht auf Seite 19).

Das Preisgeld von 5000 Euro für „Aachen Sozial“ verdoppeln die Kohls auf 10 000 Euro, um sie der Lebenshilfe, dem therapeutischen Reiten und einer achtköpfigen afrikanischen Familie zukommen zu lassen, deren Vater sich einer Dialyse unterziehen muss.

Zwischendurch Zeit zum Durchatmen; zu den Klängen des Bassisten Reza Askari und des Saxophonisten Moritz von Kleist; oder beim Film aus dem Innenleben des BMW-Unternehmens, den die Kohl-Azubis zur Überraschung ihrer Chefinnen auf der Videowand zeigen.

Mehr von Aachener Nachrichten