Aachen: Sinn zieht ins ehemalige "Lust for Life"

10.000 Quadratmeter großer „Flagship-Store“: Sinn zieht ins ehemalige „Lust for Life“

Das Modehaus Sinn eröffnet in der Immobilie an der Komphausbadstraße im Frühjahr 2020 einen 10.000 Quadratmeter großen „Flagship-Store“. Die alte Fassade hat ausgedient.

Mit Sinn lässt das alte Hortenhaus jetzt buchstäblich alle Hüllen fallen. Die Sinn Gruppe und der Eigentümer des ehemaligen „Lust for Life“, die Landmarken AG, haben am Donnerstag Berichte unserer Zeitung bestätigt, nach denen das Modehaus den Standort an der Ecke Großkölnstraße/Mostardstraße in Marktnähe aufgibt und im ersten Halbjahr 2020 einen über 10.000 Quadratmeter großen Flagship-Store im derzeit leer stehenden Hortenhaus zwischen Komphausbad- und Mefferdatisstraße eröffnet.

Vorher wird das Kaufhaus umfassend umgebaut, dazu gehört auch eine neue Fassade. Die traditionellen „Horten-Kacheln“, die nicht unter Denkmalschutz stehen, werden komplett demontiert. Die Verträge sind unter Dach und Fach.

Unter dem neuen Markennamen „Das macht Sinn“ will der Textilriese durchstarten. „Wir sind sehr zufrieden, dass wir unseren treuen Kunden aus der Region Aachen, Belgien und Holland und auch vielen neuen Kunden nach langem Suchen am Standort Aachen endlich auch auf moderner und ausreichender Fläche unsere kompletten Sortimente und den gewohnten persönlichen Service anbieten können“, erklärt der Generalbevollmächtigte der Sinn GmbH Gruppe, Friedrich-Wilhelm Göbel. Auf der Suche nach mehr Fläche ist man schon länger, auch ein Ausbau des bisherigen Standorts, der 250 Meter Luftlinie entfernt ist, war zeitweise geplant.

Glaube an den Standort Aachen

Ein Fall fürs städtebauliche Archiv: Die markante Fassade wird ab 2020 Geschichte sein. Foto: Michael Jaspers/michael jaspers

Das Unternehmen „Gebrüder Sinn“ wurde vor 162 Jahren in Aachen gegründet und war seitdem immer am Standort vertreten. Man sei stolz, die Tradition langfristig fortführen zu können, sagt Göbel. „Wir glauben an die Zukunft des Standortes Aachen und freuen uns, einen Beitrag zur Attraktivität von Aachen als überregionalem Einzelhandelsstandort beitragen zu können. Die Verdopplung der zur Verfügung stehenden Verkaufsfläche wird die ‚Platzhirschstellung‘ von ‚Das macht Sinn‘ in Aachen für die vorhersehbare Zukunft zementieren‘, betont er. Und auch der darbende Einzelhandel entlang der ehemals florierenden Fußgängerzone Dahmengraben dürfte von dem neuen Publikumsmagneten am Ende der Einkaufspassage profitieren.

Viel Lob schickt Sinn-Chef Göbel nach monatelangen Verhandlungen an die Adresse der Eigentümer der Immobilie: Die Aachener Immobilen und Projektentwicklungsgesellschaft Landmarken AG, habe die Entscheidung für den Standortwechsel „durch hohes Engagement und Kompetenz in allen Sachfragen ideal unterstützt“, heißt es.

Der neue Standort mit mehr als 10.000 Quadratmetern Verkaufsfläche auf drei Etagen soll als sogenannter „Flagship-Store“ der Sinn Gruppe neue Entwicklungen im Textileinzelhandel aufgreifen und die Vorzüge des stationären Handels mit den heute selbstverständlich gewordenen Annehmlichkeiten der digitalen Welt verknüpfen. Dazu gehöre mehr als persönliche Beratungskompetenz. „Die Größe und Modernität des neuen Standortes werden es uns zusätzlich ermöglichen, unseren Besuchern eine besondere Aufenthaltsqualität zu bieten. Die etwa 160 für ‚Das macht Sinn‘ in Aachen tätigen Beschäftigten streben etwas Besonderes für unsere Kundinnen und Kunden an“, freut sich der langjährige Geschäftsleiter Johannes Liebens.

Mehr als Mode und Bedarfsartikel

Dem Modehaus geht es dabei um mehr als Mode und Bedarfsartikel wie Wäsche: „Die Verdopplung der Verkaufsfläche und die Tatsache, dass auf allen Etagen Tageslicht zur Verfügung steht, wird es möglich machen, ein für ein überregional bedeutendes „Flagship-Store“ adäquates Sortiment in einem idealen Ambiente zu präsentieren“, lässt sich die für den Einkauf verantwortliche Geschäftsführerin Susanne Straus schon jetzt in die Karten schauen. Aus Sicht des Generalbevollmächtigten Göbel hat ein moderner stationärer Einzelhandel auch in den nächsten Jahren gute Marktchancen. „Die Zukunft des Modeeinzelhandels liegt in der intelligenten Zusammenführung vom stationären Handel und den Möglichkeiten der digitalen Welt. Ein Angebot im Internet ist grundsätzlich immer verfügbar, aber nie wirklich erlebbar“, führt er aus. WLAN in allen Filialen, eine Kunden-App und die „verlängerte Ladentheke“ als Möglichkeit, Produkte im Laden zu bestellen und zu Hause zu erhalten, seien dabei nur der Anfang.

Apropos Start: Vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen soll der Fassaden-Rückbau im Frühjahr 2019 über die Bühne gehen und der Umbau auch im Inneren direkt im Anschluss bewältigt werden, wie die Landmarken AG mitteilt. Ein zuvor geplanter Food-Court in Form einer Markthalle gehört nicht mehr zum Konzept für das dann hüllenlose Sinn-Modehaus.

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