Aachen: Rutsche auf Spielplatz hinter Citykirche verschrottet

Ausgedientes Spielzeug : Fatale Lösung für Kinderrutsche

Es klingt wie eine schräge Steilvorlage für eine Provinzposse: Nachdem jahrelang nach einem Ersatzstandort für die gesperrte Spielplatzrutsche hinter der Citykirche neben dem Parkhaus an der Großkölnstraße gesucht wurde, muss das teure Edelstahlkonstrukt jetzt wohl abgewrackt werden. Die Rutsche ist nicht mehr verkehrssicher.

Bergab geht’s auf dem Spielplatz schon lange. Der Rutschtunnel ist vorne mit einem Stahldeckel verrammelt, der eingegitterte Treppenturm mit einer schweren Stahltüre verbarrikadiert. Gespielt wird hier seit Jahren nicht mehr. Letzte Besucher des trostlosen Spielplatzes waren Obdachlose, die sich in der Tunnelröhre ein Nachtquartier eingerichtet hatten. Vor 2016 war das. Seitdem ist die Rutsche dicht. Und damit auch der Spielplatz. Denn die komplett gesperrte Tunnelrutsche ist hier das einzige Spielgerät im eigens eingezäunten Kinderbereich. Vor der Euro-Einführung war das schmucke Spielgerät für zehntausende D-Mark angeschafft worden.

Aber: „Die gläsernen Guck- und Lichtkreise in der Röhrendecke wurden immer wieder von Vandalen herausgetreten. Außerdem haben wir festgestellt, dass das Fundament dieser Edelstahlrutsche brüchig und damit nicht mehr ausreichend standfest ist“, hatte das Aachener Presseamt 2016 auf Anfrage unserer Zeitung erklärt. Dann begann in der Stadtverwaltung die Suche nach einem „sicheren“ Ersatzstandort für das schmucke Utensil. So ließ damals der zuständige Fachbereich über das Presseamt mitteilen: „Die Edelstahlrutsche ist ansonsten in einem wunderbaren Zustand und soll künftig einen Platz finden, der auch von Kindern häufig besucht wird.“ Allein der schlecht einsehbare Standort zwischen Parkhaus und Citykirche führte offenbar angeblich dazu, dass nicht Kinder, sondern Zerstörungswillige angelockt wurden.

Auch der Bund der Steuerzahler NRW hatte das Vorgehen der Stadt rund um die Rutsche, ein „futuristisch anmutendes Ungetüm“, bemängelt, nachdem der Spielplatz 2016 geschlossen worden war. Dass hier irgendwann mal Kinder so ausgelassen wie die Figuren auf einem Spielplatz-Schild gespielt haben sollen, erfordere schon viel Phantasie, heißt es beim Bund der Steuerzahler.

Bescheiden: Obwohl nur ein (seit Jahren geschlossenes) Spielgerät in Form von einer nicht verkehrssicheren Rutsche zwischen Citykirche und Parkhaus an der Großkölnstraße steht, gilt der Bereich als echter Kinderspielplatz. Foto: Harald Krömer ZVA/Harald Krömer

Bloß: Die Suche nach einem Ersatzstandort – zwischendurch war Driescher Hof im Gespräch – verlief mit vielen Umschweifen, aber ohne Erfolg. Was letztlich zumindest konsequent ist. Denn mittlerweile ist das einsame Spielgerät nach Auskunft der Stadtverwaltung – unter anderem – derart angerostet und angegammelt, dass die Verkehrssicherheit gleich in vielerlei Hinsicht nicht mehr gewährleistet ist. So wird die Verwaltung der Bezirksvertretung Aachen-Mitte in der kommenden Sitzung am 31. Oktober empfehlen, das komplette Gerät demontieren und größtenteils verschrotten zu lassen, heißt es.

Denn ein Prüfer der Dekra hat zwischenzeitlich in einem weiteren Gutachten festgestellt, dass es sogenannte Fangstellen zwischen den Treppenstufen und einen zu weiten Abstand der Gitterrohre gibt. „Dies könnte für Kinder, die stürzen, extrem gefährlich sein“, erklärt dazu das Presseamt auf erneute Anfrage unserer Zeitung. Weniger überraschend: Auch in dem neuen Gutachten ist von brüchigem Fundament und zerstörten Sichtfenstern die Rede. Auf bis zu 30.000 Euro werden die Reparaturkosten inzwischen geschätzt. Die Neuanschaffung damals dürfte kaum teurer gewesen sein. Wobei auch ein Abtransport des Geräts – allein der Gitterturm wiegt zwei Tonnen – nicht gerade zum Schnäppchenpreis zu haben ist.

Bezirksbürgermeisterin Marianne Conradt, stets um harmonische Lösungen zwischen Bürgern, Politik und Verwaltung bemüht, wundert sich: „Sicher wollte jeder nur das Beste, um das Problem zu lösen. Aber man fragt sich schon, warum so etwas auch an dieser Stelle so lange dauert. Offenbar fehlt Personal, um solche Planungsaufgaben zeitnah zu bewältigen“, sagt sie auf Anfrage unserer Zeitung. Und fügt vorsichtig hinzu: „Man gewinnt schon manchmal das Gefühl, dass die Verwaltung bei mancher Vorlage für die politischen Ausschüsse auf Zeit spielt.“ Was Conradt aber ausdrücklich nicht als Vorwurf, sondern als konstruktive Anregung zur Verbesserung der Abläufe verstanden wissen will. Für den Bezirkspolitiker Ralf Otten (CDU) geht es nun um eine endgültig tragbare Lösung: „Tatsache ist doch, dass wir endlich eine Aufenthaltsqualität für Kinder an Ort und Stelle gewährleisten müssen. Dazu erwarte ich nun konkrete Vorschläge, die auch schnellstmöglich realisiert werden können“, sagt er.

Die Verwaltung denkt nun über Kleinspielgeräte wie Miniwippen in dem Spielplatzbereich nach, sobald die „alte“ Rutsche abgerissen ist. Erst tagt die Bezirksvertretung, erstmals nach Jahren mit einer Verwaltungsvorlage zu diesem Thema auf dem Tisch. Klingt schräg: Aber auf Schaukelpferdchen hat schließlich noch kein Obdachloser übernachtet...