Aachen: Rund 90 Schüler protestieren für die Umwelt

„Fridays for Future“: Demo statt Büffeln für die Zukunft

Von „nachhaltiger“ Erderwärmung kann an diesem Januarmorgen auch gleich neben den heißen Quellen nicht wirklich die Rede sein. Doch während die Temperaturen kaum über den Nullpunkt hinauskommen, klettert das Stimmungsbarometer bei den rund 100 Schülerinnen und Schülern, die sich vor der Rotunde des Elisenbrunnens versammelt haben, umso flotter.

Schließlich soll ihre Botschaft weit über den Augenblick hinaus wirken. Also singen sie sich warm für die nächste Kundgebung anlässlich der bundesweiten Aktion unter dem Motto „Fridays for Future“ („Freitage für die Zukunft“). Und machen einmal mehr blau, weil sie nicht länger schwarz sehen wollen für ihre ganz persönliche Zukunft.

„Wir appellieren an die Politiker, sich endlich zu bewegen! Von jetzt an sollte jede ihrer Entscheidungen in die Waagschale des Klimaschutzes gelegt werden“, sagt Rosalie Münz (18), angehende Absolventin der Waldorf-Schule und Mitorganisatorin des Unterrichts-Boykotts, mit dem die 16-jährige schwedische Schülerin Greta Thunberg vor wenigen Monaten erstmals für reichlich Aufsehen gesorgt hat. Inzwischen folgen Pennäler in vielen Ländern ihrem Appell, freitags auf die Straße zu gehen statt in die Schulen, um auch die „Entscheider“ auf lokaler und regionaler Ebene wachzurütteln.

Jetzt gelte es etwa, dem drohenden Kahlschlag vor der eigenen Haustür, wie im Hambacher Forst, weiter mit Nachdruck entgegenzutreten: „Wir fordern, dass die Städteregion ihre Anteile an RWE-Aktien abstößt, um endlich ein Zeichen zu setzen. Der Profit der Konzerne darf nicht länger im Mittelpunkt stehen, wir müssen jetzt schnell handeln“, ruft Rosalie Münz unter tosendem Applaus, bevor der Protestzug Richtung St. Leonhard marschiert, wo sich weitere Altersgenossen anschließen, und weiter bis zum Markt.

Dass die außer(stunden)planmäßige Demo dagegen bei vielen Lehrern auf Skepsis bis Ablehnung stößt, liegt freilich auf der Hand. Im Umfeld der Kundgebung am Elisenbrunnen stoßen die Schüler aber auch bei älteren Passanten durchaus auf Sympathie, wie eine kleine, alles andere als repräsentative Umfrage zeigt. „Schließlich ist immer von mündigen Bürgern die Rede“, meint zum Beispiel Birgit Bieleit (60), „ich finde es gut, dass auch die jungen Leute mit dem Begriff Eigenverantwortlichkeit etwas anfangen können.“ Sigfried Trautwein (76) erinnert sich an die Studentenproteste seiner Jugend.

„Wenn es jetzt darum geht zu verhindern, dass die Gletscher an den Polen noch weiter abschmelzen, kann man die Schüler schon verstehen“, sagt der gelernte Ingenieur. „Es ist richtig, dass die Jugendlichen sich engagieren“, findet eine Seniorin, die ihren Namen lieber nicht in den Medien lesen möchte. „Wenn man in die vorbeifahrenden Autos schaut, stellt man fest, dass fast immer nur ein einziger Mensch darin sitzt. Das kann so nicht weitergehen. Und ich glaube, die Schüler haben recht, wenn sie kritisieren, dass die Politiker viel zu viel reden statt zu handeln.“

Nein, sie persönlich hätte nichts dagegen, wenn sich etwa auch ihre beiden Enkel an den Streiks beteiligten, sagt sie noch. „Ich fände es okay, denn ich glaube, die wissen genau, dass sie den Stoff, den sie verpassen würden, auf jeden Fall nachholen müssten.“

(mh)
Mehr von Aachener Nachrichten