Aachen: Rund 100 Baustellen in der Stadt

Baustellen : Die meisten Autofahrer sehen derzeit Rot

Verkehrsteilnehmer werden zurzeit in Aachen auf eine harte Probe gestellt. Zahlreiche Baustellen hemmen immer wieder den Verkehrsfluss. Die gute Nachricht: Mehrere Großprojekte stehen kurz vor der Fertigstellung. Die schlechte: Die Bagger stehen für die nächste Buddelei bereits in den sprichwörtlichen Startlöchern.

Stephan M. (Name geändert) war am Montagmorgen bestens informiert. Weil er Zeit hatte, den Nachrichten im Autoradio zu lauschen. Alle 30 Minuten. Was allerdings nicht ganz freiwillig geschah, sondern eher einer aktuellen Öcher Besonderheit geschuldet war: Im-Stau-Stehen. In (Negativ-)Rekordzeit vom Ponttor bis zum Hauptbahnhof, zu Fuß wär’s schneller gegangen.

Baustelle Aachen: Man muss nicht mit dem Pkw oder der Aseag unterwegs sein, um Rot zu sehen. Dazu reicht der Blick ins weltweite Netz, Unterabteilung Aachen. Wer sich das ausgesprochene Vergnügen gönnt, einmal die Baustellenkarte Aachens anzuschauen[Link auf http://www.aachen.de/baustellen], dem wird klar, warum es nicht rund läuft. Knapp 100 kleinere und größere aktuelle Baumaßnahmen sind dort aufgeführt, die mal mehr oder weniger Unmut produzieren. Nicht nur Stephan M. fragt sich (nach Beendigung der Hörfunknachrichten), ob da das Chaos regiert oder doch ein gewisser Plan dahinter steckt.

Letzteres betont Harald Beckers vom städtischen Presseamt mit drei Ausrufezeichen. Regelmäßig gebe es mit allen Beteiligten – von der Stadt über Kommunikationsdienstleiter und die Stawag bis hin zu den beteiligten Bauunternehmungen – große „Abstimmungsrunden“, wo in welcher Zeit wie gebaut und der Verkehr gelenkt wird. Dass die Verantwortlichen darüber hinaus in ständigem Kontakt stünden, verstehe sich von selbst.

Man sieht Rot: Die Stadt weist im Internet auf die aktuellen Baustellen hin. Mehrere Großprojekte sind in Kürze beendet, andere starten in den kommenden Tagen. Foto: ZVA/Harald Krömer

Ein dicker Batzen sind die Sanierungsarbeiten an maroden Kanälen. Rund 800 Kilometer Kanal fristen ein unterirdisches Dasein in der Stadt. Nicht wenige davon sind deutlich in die Jahre gekommen. Stück für Stück arbeitet sich die Stawag-Tochter Regionetz also durch den Untergrund, um die Leitungen tauglich für die nächsten Jahrzehnte zu machen.

Doch Kanäle sind nicht alles. Auch andere Versorgungsleitungen müssen saniert werden, hinzu kommt beispielsweise auch der Ausbau des Telekommunikationsnetzes. Schnelles Internet braucht moderne Kabel – und die müssen unter die Erde. Etwa 8000 Kilometer Versorgungsleitungen, so Stawag-Pressesprecherin Eva Wussing, befinden sich unter Aachens Straßennetz.

Einige ganz dicke Brocken werden laut Wussing in den nächsten Wochen aus dem Weg geräumt. Die Maßnahme Freunder Landstraße, die Anwohner nervte und dem Verkehr zwischen Brand und Stolberg lästige Umwege bescherte, ist Ende November abgeschlossen. Auch am Adalbertsteinweg rücken die Bauarbeiter bald ab. Allerdings: Wenn die Reparaturarbeiten beendet sind, müssen die Asphaltspezialisten ans Werk. Erst dann kann der Verkehr wieder fließen.

Übrigens: Manche Prognose bestätigt sich nicht. Am Adalbertsteinweg rechneten die Planer mit mehr Protest und noch mehr Stau. Das Gegenteil war der Fall. Dass der Regionetz dagegen in Brand der Wind so mächtig ins Gesicht blies, war laut Wussing nicht unbedingt vorhersehbar.

Kreuzung Ponttor: Wenn die Asphaltarbeiten abgeschlossen sind, soll zumindest dort wieder der Verkehr reibungslos fließen. Foto: ZVA/Harald Krömer

Auch am Ponttor kann bald so etwas wie Normalität einkehren, der aktuelle Bauabschnitt ist beendet, der Stadtbetrieb trägt eine neue Fahrbahndecke auf, dann ist die Großkreuzung wieder frei. Gesperrt wird dann aber in Burtscheid: Kanäle in der Bend- und in der Dammstraße sind an der Reihe. In der Lothringerstraße haben die monatelangen Sanierungsarbeiten bereits begonnen.

Auf der Baustellenkarte im Internet bleibt Rot also die vorherrschende Farbe, die Symbole wandern lediglich weiter über den Stadtplan. Das ist verlässlich: Aachen als Dauerbaustelle – schlechte Nachrichten gibt es nicht nur im Radio...