Aachen: Rufbus-System Netliner findet wenig Anklang

Rufbus stößt an wenig Interesse im Aachener Süden : Netliner geht auf Testfahrt, aber kaum einer fährt mit

Während die Aseag ihr Rufbus-System in der Eifel schon eine Weile betreibt, tut man sich im Aachener Süden mit dem „Netliner“ noch sehr schwer. Auch das Ergebnis einer dreimonatigen Testphase fiel eher mau aus.

Der Netliner kommt im Aachener Süden einfach nicht in Fahrt. Mit einer dreimonatigen Probephase und freiwilligen Testfahrern, die an den Sonntagen kostenlos unterwegs waren, wollte die Aseag den Buskunden im Süden der Stadt das bedarfsorientierte Rufbus-System doch noch schmackhaft machen. Das Ergebnis des Testlaufs, das jüngst auch in der Bezirksvertretung Kornelimünster/Walheim präsentiert wurde, ist einigermaßen niederschmetternd. Selbst die registrierten Testfahrer waren an den Testsonntagen kaum mit dem Netliner unterwegs. Das Angebot, obwohl im Nahverkehrsplan bereits verankert, steht nun wieder auf dem Prüfstand.

Eine Einführung sei „zu hinterfragen“, stellt die Verwaltung fest. Flexibel wie ein Taxi, preisgünstig wie ein Linienbus: So wird der Netliner beworben. Der Kleinbus soll im Gebiet zwischen Lichtenbusch, Sief, Schmithof, Schleckheim-Kapelle und Walheim in Rufbereitschaft touren und in nachfragearmen Tageszeiten Linienbusse ersetzen, die oft fast leer unterwegs sind. Der Fahrgast registriert sich bei der Aseag und bucht den Netliner bei Bedarf telefonisch oder übers Internet, um sich zu einer Haltestelle seiner Wahl im Netliner-Gebiet bringen zu lassen. Von dort kann es dann auf dem Liniennetz der Aseag weitergehen.

Die Zielgruppe im Aachener Süden blieb allerdings äußerst skeptisch. ÖPNV-Nutzer befürchteten, dass für den Netliner Linienfahrten gestrichen würden. Die Einführung, die bereits für Dezember 2017 geplant war, wurde angesichts des Widerstands zunächst verschoben.

Aber auch das Ergebnis der dreimonatigen Testphase, die immerhin rund 13.000 Euro kostete, liefert keine Empfehlung für den Netliner. 48 Testpersonen hatten sich für den Probebetrieb registrieren lassen. Schon da hätte die Aseag gerne mehr Testfahrer gehabt. Tatsächlich gefahren sind dann sogar nur 18. Die Verwaltung stellt fest: „Es wurden viele Maßnahmen unternommen, um die Testkunden und andere Interessierte zum Teilnehmen zu bewegen. Trotz intensiver Marketingmaßnahmen wurde jedoch kaum getestet.“ Die Folge: Belastbare Erkenntnisse waren auf diese Weise nicht wirklich zu gewinnen.

Auch Fahrten zum Hospiz am Iterbach oder zum Freizeitgelände Walheim, die der Netliner sonntags umsteigefrei ermöglicht hätte, wurden nicht nachgefragt. Offenbar sei der Sonntag als Testtag offenbar nur „bedingt geeignet“, heißt es in der Bilanz. „Anders als an den anderen Wochentagen besteht kaum ÖPNV-Nachfrage im Testgebiet.“

Den Pendelbus (auf der Linie 16), der sonntags stündlich auf der Route Schleckheim, Nütheim, Walheim, Schmithof, Sief unterwegs ist, nutzten in der Testphase dagegen im Durchschnitt rund 150 Fahrgäste, allerdings vor allem zwischen Schleckheim und Walheim. Dort ist ein Bedarf also durchaus vorhanden.

Die Bezirksvertretung Kornelimünster/Walheim hat zur Zukunft des Netliners zunächst keine Empfehlung ausgesprochen. Stadt und Aseag sollen die Sache aber weiterverfolgen und der Politik Anfang 2019 neue Vorschläge machen, wie es in Sachen Netliner weitergehen soll. Zu entscheiden hat dann der Mobilitätsausschuss. „Die Aseag würde sich freuen, wenn es mit dem Netliner im Aachener Süden weiterginge“, betont Aseag-Sprecher Paul Heesel. Man sehe in solch einem Angebot auch Perspektiven für die Mobilität der Zukunft.

Eines zumindest hat der Netliner-Testlauf gezeigt: Der Pendelbus auf der Linie 16 wird genutzt, auch am Sonntag. „Die Nachfrage ist so groß, dass der Pendelbus auch nicht durch einen einzigen Rufbus ersetzt werden könnte“, stellt Paul Heesel fest. Denkbar sei aber womöglich eine Kombination aus Pendelbus und Netliner. „Die Entscheidung liegt allerdings in den Händen der Stadt. Die Aseag arbeitet im Auftrag der Kommune.“

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