Aachen: Rechtsanwalt Martin Speicher will närrischen Thron besteigen

Geheimnis gelüftet : Martin I. Speicher wird Aachens Prinz Karneval

Martin I. Speicher ist der neue Aachener Prinz

Nicht nur die jecken Gesetze liegen Martin Speicher. Der Aachener Rechtsanwalt, der in einigen Wochen seinen 44. Geburtstag feiert, will bei der Prinzenproklamation am Samstag, 4. Januar, als Martin I. in der Session 2020 den närrischen Thron der Kaiserstadt besteigen.

Das Geheimnis hat der Aachener Karnevalsverein (AKV) am Donnerstag – wo sonst? – auf dem Aachener Prinzenhof, dem Platz an der Jesuitenstraße, gelüftet.

Der Hofstaat ist komplett, der AKV mit Präsident Werner Pfeil beglückt. Das Team um den Juristen und designierten Karnevalsprinzen macht bei der Vorstellung inmitten der riesigen Stühle auf dem Platz vor dem Gymnasium St. Leon-
hard einen überglücklichen Eindruck. Das passt.

Den Spaß am Karneval hat Martin Speicher – seit 2001 mit Agnieszka verheiratet und seit 2002 beziehungsweise 2004 Vater der Töchter Anna Marie und Luca Lena – schon von seinen Eltern gelernt. „Obschon mein Vater in Reit im Winkl im schönen Oberbayern geboren wurde, lagen ihm der rheinische Frohsinn und der Öcher Fastelovvend natürlich im Blut“, sagt Speicher.

Ein unfreiwilliger Ausflug

Er selbst wurde am 26. Mai 1975 im Marienhospital geboren, absolvierte die ersten Schuljahre an der Reumontstraße. „Hier lernte ich die ersten Öcher Lieder und wurde als Öcher Jong geprägt.“ Nach einem „unfreiwilligen Ausflug nach Gummersbach ins Oberbergische Land“ zog es ihn nach dem Zivildienst wieder zurück nach Aachen. „Zu den ersten Karnevalserinnerungen gehören die Besuche des Rosenmontagszuges mit meinen Eltern und den Verbindungsbrüdern meines Vaters aus der Oppenhoffallee an der Normaluhr“, sagt er.

Seit vielen Jahren ist Speicher mit seiner Familie Organisationen und Initiativen der Behindertenversorgung und -betreuung eng verbunden. „Deshalb war es gar keine Frage, mit welchem Motto ich mich als Prinz Karneval der Stadt bewerben würde“, verrät er. „Vür all sönd Oche!“ Das versteht jeder. Und darauf gründet er mit seinem Hofstaat auch den „joue Zweck“ seiner Amtszeit: Ein barrierefreier Fastelovvendswajong soll über Spenden finanziert und realisiert werden. „Mit Freunden und Förderern wollen wir einen barrierefreien, das heißt insbesondere rollstuhlgerechten Karnevalswagen bauen, der im kommenden und den folgenden Jahren in den Aachener Karnevalszügen mitfahren soll“, erläutert er.

Speicher ist übrigens Urenkel des ersten Präsidenten des Festausschusses Aachener Karneval (AAK), Franz Wilhelm Lürken, und Neffe des vormaligen AAK-Präsidenten Wilm Lürken. Martin ist Leutnant der Reserve in der ruhmreichen Stadtgarde Oecher Penn sowie inaktives Mitglied des KK Oecher Storm. Hier trägt Töchterchen Luca stolz die Uniform.

Besonders wichtig ist Speicher der vertrauensvolle und enge Zusammenhalt des Prinzen mit dem Hofstaat. „Ich konnte die tollsten Mitstreiter um mich scharen, die sich eine designierte Tollität nur vorstellen kann. Die ganze Truppe sprudelt vor Kreativität, guter Laune und Einsatzbereitschaft“, lobt er. Mit dabei: Andree Brüning (Adjutant), Axel Norman Luitjens (Hofkapellmeister), Christoph Urban (Mundschenk), Volker Lauven (Hühnerdieb), Manfred Bausch (Hofkoch), Alexander Gilson (Leibgardist), Maximilian Walz (Hofbaumeister), German Gonzales-Arias (Till), Balam Byarubanga (Lennet Kann und Ex-Prinz Balam I. von Richterich), Jürgen Eschweiler (Noppeney), Dirk Oschmann (Schängchen), Dirk Lintzen (Krippekratz), Ralf Pyl (Rittmeister) und Peter Wienchol (Schmied). Es ist eine bunte Mischung von erfahrenen Karnevalisten wie dem erstmals dunkelhäutigen Lennet Kann Byarubanga, aber auch Politikern wie SPD-Ratsherr Bausch, Laurensbergs CDU-Bezirksbürgermeister Gilson und „Wiederholungstäter“ Eschweiler, der vergangene Session noch als Schängchen dabei war. Mit 14 Mann läuft der Hofstaat zur Vorstellung komplett in weißen Hemden, Hosenträgern und mit Fliege auf – auch das ist neu. Genauso wie die Gebärdendolmetscherin Ulrike Bobka zur Pressekonferenz und die Live-Musik mit Tästbild und Uwe Bartel. Alles authentisch.

„Die gemeinsame Überzeugung des Hofstaat-Teams – ‚Wir alle sind Öcher!’ – möchten wir in den Karneval tragen: unabhängig von Herkunft, sexueller Orientierung, Hautfarbe, politischer und religiöser Überzeugung, geistiger wie körperlicher Verfassung und Entwicklung“, betont Martin Speicher. „Zesame fiere!“ sagt er. „All inKlusiVe“, fügt er hinzu. Wie schön, dass da die Buchstabenabkürzung AKV integriert werden kann. Das begeistert auch Prinzenberater Alwin Fiebus und Hofmarschall Wilfried Mandelartz.

Mit Abkürzungen und Paragrafen kennt sich der Rechtsanwalt aus. 2007 gründete er mit zwei Freunden die Kanzlei Aixlaw Rechtsanwälte in Aachen. „Highlight des Jahres ist selbstverständlich die gemeinsame Karnevalsfeier“, lacht er. Der Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht fungiert zudem als Geschäftsführer des Hilfswerks des Lions-Clubs Aachen Kaiserpfalz, Sprecher des Anwaltsvereins, Mitglied des Kirchenvorstands St. Gregor von Burtscheid, Beiratsvorsitzender des Kirchbauvereins „Frankenberger Dom“ sowie in Vorständen, Kuratorien und Beiräten verschiedener Stiftungen und Aachener Einrichtungen.

Wie das alles zum zeitraubenden „Prinzenjob“ mit über 300 Terminen und Auftritten in der kommenden Session 2020 passt? 2016 wurde die Idee aus einer Bierlaune geboren, 2018 begannen die Planungen, verrät der Prinz in spe. „Papa, ist okay; solange du hin und wieder mal nüchtern Zeit für Mathe hast...“, habe seine Tochter Anna geantwortet. Auch so eine Gesetzmäßigkeit. Ohne Familie läuft nichts. Womit der Entschluss klar war: Das Haus Speicher entsendet Martin I. Alaaf!

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