Aachen: Rallye für die Erstsemester

Einführungswoche für die neuen Studierenden in Aachen : Erst durch den Hula-Hupp-Reifen, dann in die Vorlesung

Bällebad, Hüpfburg und ein Sofa auf dem Gehweg: Die Erstis erobern das Hochschulviertel.

Zugegeben: So ganz passte die Szenerie rund um den Templergraben nicht in das Bild des fleißigen Studenten. Manch ein Passant staunte doch sehr, dass eine Gruppe junger Männer auf einer Hüpfburg versuchte, Bananen von einem Ende der aufgebauten Palme zum anderen zu bringen. Vorab galt es allerdings, eben diese Palme hinaufzuklettern. Gelang es einem der Jungs, eine Banane fehlerfrei zu befördern, erntete er lauten Applaus und freute sich über ein gewonnenes Bier.

Die Bilder wirkten für Außenstehende zwar komisch, und man muss das Geschehen nicht verstehen. Allerdings haben solche Wettbewerbe mittlerweile Tradition in Aachen. Kurz bevor viele neue Studentinnen und Studenten ihre ersten Vorlesungen besuchen, sorgt die Einführungswoche für Erstsemester, kurz Ersti-Woche, dafür, dass die Jugendlichen Aachen und die Hochschule ein wenig kennenlernen

Fast wie im Karneval: Bunte Kostüme sind bei der Erst-Rallye gerne gesehen. Foto: Harald Krömer ZVA/Harald Krömer

Kernstück dieser Tage, die von einem Team aus Studierenden regelmäßig mit Unterstützung der Hochschulverwaltung konzipiert werden, ist die Erstsemesterrallye mit einer großen Fachschaftsmeile am Templergaben. „17 der 18 Fachschaften präsentieren sich hier, und es sind über 1500 Tutoren im Einsatz, die mit Gruppen von zehn bis 15 Studierenden losziehen. Insgesamt gibt es mehr als 150 Spielstationen“, erklärte Thomas von Salzen von der Zentralen Hochschulverwaltung.

Neue Leute, neue Freunde

Christos Potsis vom zentralen Erstsemesterarbeitsteam (ESA-Team) saß mit einigen Mitorganisatoren am Tag der Rallye in der fünften Etage des Super C, von wo aus er einen perfekten Blick auf den eigens abgesperrten Templergraben hatte. „Viele Studenten kennen Aachen gar nicht, sie kommen nicht nur in eine fremde Stadt mit neuen Leuten, sie wissen auch noch nicht, wie der Uni-Alltag aussieht. Im Rahmen der Rallye lernen sie neue Leute kennen, schließen vielleicht schon die ersten Freundschaften und erhalten nützliche Infos darüber, wie sie ihr Semester strukturieren können,“ sagte Potsis.

Dass der Spaß dabei stets im Vordergrund steht, machten die ausgefallenen Aktionen und Ideen deutlich, die sich Fachschaften und Tutoren einfallen ließen. So tauchten angehende Lehrerinnen und Lehrer bei der Fachschaft für Lehramt in ein buntes Bällebad und suchten dabei nach silbernen Kugeln. Bei der Fachschaft Philosophie platzierten die Verantwortlichen ein Sofa auf dem Gehweg. Doch zum gemütlichen Sitzen und gemeinschaftlichen Philosophieren bei Tee und Gebäck diente das Teil nicht. „Bei uns müssen sich die Erstis auf das Sofa setzen ohne dass ihre Füße dabei den Boden berühren. Dazu würden wir gerne eine originelle Figur sehen“, erzählte Fachschaftsmitglied Alina.

Eine als Indianer verkleidete Gruppe betrachtete die Aktion etwas skeptisch. „Wir haben dafür schon zu viel Bier intus“, sagte Clara lachend, die für ihren Wunschstudiengang Architektur von Krefeld nach Aachen gezogen ist. Bier war für die Truppe das Stichwort. „Auf die Erstiwoche“ riefen sie und öffneten eine weitere Bierdose.

Ein paar Meter weiter drehte sich eine als Biene verkleidete Studentin im Kreis und warf einen Tischtennisball in einen Pappbecher. Lautes Gegröle, die Biene rannte los und trank den Inhalt des Bechers in Rekordzeit. „Dass bei der Rallye getrunken wird, ist normal. Allerdings gilt das nicht für die Tutoren, sie dürfen zwar mitfeiern und auch ein Bier trinken, aber mehr nicht. Für diejenigen, die an den Ständen stehen, gilt absolutes Alkoholverbot. Aber bisher gab es da auch noch keine Schwierigkeiten“, so Potsis.

Polizei und Ordnungsamt

Überhaupt verlaufen die Erstiwochen nach Aussagen der Verantwortlichen generell friedlich. Mit Polizei, Ordnungsamt und Johannitern waren gut 40 Leute im Einsatz, die für Sicherheit sorgten. Bis in den Nachmittag hinein war der Templergraben fest in studentischer Hand. Julian, Tutor bei den Physikern, ging mit seiner Gruppe, in der alle eine Weihnachtsmütze trugen, in Richtung Bibliothek. Auch hier waren ihnen skeptische Blicke der Passanten sicher. Aber die Balance zwischen ausgelassenem Feiern und fleißigem Pauken in der Uni will schließlich gelernt sein. Und die Erstiwoche trägt seit vielen Jahren dazu bei, dass der Start in den neuen Lebensabschnitt gelingt.