Aachen: Prozess wegen Drogenhandels im Darknet

Drogenhandel aus dem Frankenberger Viertel : Auch das BKA kaufte im Darknet zum Schein mit

Zwei junge Männer aus dem Frankenberger Viertel zogen internationalen Handel mit Koks, Heroin und anderen Drogen im sogenannten Darknet auf. Jetzt stehen sie vor Gericht.

Tatort Oppenhoffallee: Anscheinend bietet das Frankenberger Viertel alles, was für einen international organisierten Drogenhandel notwendig ist. Doch an kriminelle Machenschaften nach dem Vorbild der berüchtigten French Connection oder an die ausgefuchsten Drogenrouten der berühmt-berüchtigten kolumbianischen und mexikanischen Kartelle reichen die Frankenberger Dealer dann doch nicht heran.

Für sie reichten im Tatzeitraum zwischen Juni 2016 und November 2017 eine schnelle WLAN-Verbindung und ein Postbetrieb mit einem funktionierenden Paketservice völlig aus. Die Drogenbeschaffung vollzog man beinahe ebenso traditionell mit kurzen Pkw-Fahrten über die Grenze in die Niederlande, die Ware vertrieb man bundesweit und oft in München, hinzu kamen Kunden in der  Schweiz, in Österreich und Frankreich.

So war für die beiden seit Dienstag vor der 7. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht wegen gewerbsmäßigem Drogenhandels angeklagten Männer Patrick F. (26) und Sandro T. (28), die in einer Wohnung an der Oppenhoffallee ihre eigene Drogen-Umpackstation betrieben, das Dealen in großem Maßstab eine simple Geschichte.

Umfassendes Angebot

Laut der von Staatsanwältin Lisa Klefisch – sie gehört zur  Kölner Schwerpunktstaatsanwaltschaft „Cyber Crime“ – verlesenen Anklage verpackten die mutmaßlichen Täter ihr umfassendes Drogenangebot beispielsweise in Chargen von 50 Gramm als Kleinbedarf bis hin zu Lieferungen von Amphetaminpaste entweder in DVD-Hüllen oder in genormten Postpaketen mit einem Versandgewicht von bis zu einem Kilogramm. Dann ging es mit der Ware entweder zum Briefkasten in der Lothringerstraße oder zu einer nahegelegenen Packstation des DHL-Services.

Ihre Käufer fanden die beiden Angeklagten nach den Ermittlungen von Staatsanwältin Klefisch über das Darknet, das sie über das hochverschlüsselte „Tor“- oder „Onion“-Netzwerk erreichten. Über ihre Verkaufsplattplattform mit dem hippen Shop-Namen „Black Diamond“ boten sie von Juni bis Dezember 2016 in rund 50 Fällen ihr vielfältiges Drogenprogramm von Marihuana, Heroin, Kokain, Speed über Amphetamine bis hin zum klassischen MDMA, den Ecstasy-Pillen, an. Es lief über lange Zeit bombig. Zusammen mit den Erlösen aus ihrem zweiten Darknet-Shop mit Namen „Der Spezialist“ verkauften sie fleißig in weiteren 50 Fällen an Klein- und Großkunden, die im Netz unter durchaus satirischen User-Namen wie „DingDong123“, „Lustiger Lurch“ und „Ichbinsnur“ ihren Bedarf decken wollten, oder sie verkauften an einen eher philosophisch orientierten User mit dem Namen „Zeitgeist“ Drogen, und dies am laufenden Band.

Lob für „Qualität“

Hochmodern auch das Inkasso der Frankenberger Dealer: Mit den zufriedenen Kunden – es gab wohl viel Lob für die gebotene Qualität – rechnete man über die Krypto-Währung „Bitcoin“ ab.

Die beiden Angeklagten hätten die geschürften Bitcoins sodann regelmäßig über Darknet-Börsen in Euro rückgetauscht. Die Drogeneinnahmen im genannten Zeitraum von gut einem Jahr sollen sich auf 300 000 Euro für jeden der beiden summiert haben.

Das lief alles gut, bis zum Eintritt verdeckter Ermittler des Bundeskriminalamtes  (BKA) in den Kundenbereich der Aachener Dealer; sie flogen auf, diverse Paketsendungen wurde abgefangen und konfisziert, die Plattformen wurden geschlossen. Doch anscheinend hieß das immer noch nicht, dass Schluss mit dem Drogenhandel angesagt war. Noch nach dem Auffliegen der Shops handelten die beiden laut Anklage mit noch größeren Mengen. So sollen sie kurz vor ihrer Festnahme Ende November 2017 rund zehn Kilogramm Amphetaminpaste gekauft und, aufgeteilt in Ein-Kilogramm-Päckchen, verschickt haben, die Ware wurde beschlagnahmt.

Am Mittwoch wird der Prozess mit ersten Einlassungen der Angeklagten fortgesetzt.

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