Aachen: Prozess gegen zwei Gewalttäter

Vor Gericht : Tritte gegen den Kopf „wie beim Elfmeter“

Gewaltexzess an der Antoniusstraße: Das Opfer demolierte mehrfach die Limousine der Täter. Als es nicht abließ, rasteten die Brüder aus. Jetzt müssen die beiden sich vor Gericht verantworten.

Beinahe tödlich endeten für einen 57-jährigen Mann in der Nacht zum 9. Juli 2017 Tritte und Schläge auf Kopf und Körper, die ihm zwei Brüder aus den benachbarten Niederlanden zugefügt hatten. Vor der 7. Großen Jugendkammer des Landgerichts wurden gestern die Plädoyers in dem Fall gehalten, bei dem nach Auffassung der Anklagevertreterin jedoch auch das Opfer einiges zu seiner schlimmen Lage beigetragen hatte.

In jener Nacht im Rotlichtviertel  kam es wohl durch einen Zufall zu der Begegnung des Opfers mit dem 36-jährigen Sinan und dessen 21-jährigem Bruder Selim S., die beide aus fehlender Ortskenntnis mit ihrem 5er-BMW in die Antoniusstraße einbiegen wollten.

Das Vorhaben endete möglicherweise in „einer kleinen Berührung“ des Wagens mit dem späteren Opfer, wie Staatsanwältin Melissa Hilger die Ausgangssituation in ihrem Plädoyer beschrieb. Der Mann habe sich sodann fürchterlich aufgeregt und auf die abgepollerte Einfahrt in die Antoniusstraße gedeutet. Doch damit nicht genug. Der nach Zeugenaussagen alkoholisierte  57-Jährige schien jetzt erst in Fahrt zu kommen. Er schlug auf einen Außenspiegel des Wagens ein, worauf einer der Brüder ausstieg, schnell entstand eine Prügelei. Die konnte mit Hilfe von Passanten beendet werden: Doch der Verprügelte gab nicht auf, zerschlug ein Rücklicht des BMW. Erneut konnten Anwesende die Prügelnden auseinander bringen. Die Ruhe blieb trügerisch, da der 57-Jährige sich zu dritten Mal an das Auto heran schlich und begann, den rechten Außenspiegel zu demolieren.

Das schien die beiden Brüder zu einem Gewaltexzess anzustacheln. Denn, so die Staatsanwältin,  der ältere Bruder Sinan S. habe den Randalierer erneut niedergeschlagen und jetzt unmittelbar mit brutalen Tritten auf Rumpf und gegen den Kopf traktiert. „Mit ein bis zwei Schritten Anlauf traf er den Kopf des Mannes wie bei einem Elfmeter“, schilderte Hilger, auch der Jüngere habe mitgemacht und brutal zugetreten.

Das Opfer erlitt schwere Kopfverletzungen. Für die Tat fordert die Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung drei Jahre Haft für den älteren und  ein Jahr und vier Monate Jugendstrafe ausgesetzt zur Bewährung für den jüngeren Bruder. Das Urteil wird am Mittwoch, 21. November, um 9 Uhr im Landgericht gesprochen.

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