Aachen: Privater Sicherheitsdienst soll Lage am Bushof entschärfen

Brennpunkt Bushof : Jetzt soll es ein privater Sicherheitsdienst richten

Beschwerden über, Belästigungen und Belastungen – auch finanzieller Natur – durch Junkies, Alkoholkranke und verhaltensauffällige Menschen nehmen in Aachen weiter zu. Weil die öffentliche Hand die Situation am Bushof und schräg gegenüber am EBV-Carré mit ihrem knappen Personal nicht in den Griff bekommen kann, patrouilliert dort nun auch ein privater Sicherheitsdienst mit seinen erfahrenen Kräften.

Obwohl nicht nur öffentliches Eigentum betroffen ist, geht auch dies – quasi zwangsläufig – zu Lasten des Steuerzahlers. Veranschlagt werden pro Jahr allein dafür mehrere hunderttausend Euro.

Der Sprecher der städtischen Parkhausgesellschaft und der Aseag, Paul Heesel, bestätigte am Montag auf Anfrage entsprechende Informationen unserer Zeitung: „Aseag, Apag und Unternehmen im EBV-Carré haben in Abstimmung mit der Stadt Aachen gemeinsam einen Sicherheitsdienst beauftragt. Kunden und Beschäftigte im Bereich Bushof und EBV-Carré sollen sich dort sicherer fühlen. Die Unternehmen ergänzen damit den Ordnungs- und Sicherheitsdienst der Stadt Aachen“, teilte er mit.

Heesel erläuterte: „Die Mitarbeiter des privaten Sicherheitsdienstes werden Tag und Nacht vor Ort sein. Sie stehen hilfreich zur Seite, wenn sich Fahrgäste und Kunden im Inneren des Bushofes, in den Parkhäusern Couvenstraße und EBV-Carré oder im Innenhof des EBV-Carrés belästigt fühlen.“

Dies passiert offenbar extrem häufig. Die Klagen nehmen zu. Andere Bürger machen bereits einen großen Bogen um die betroffenen Innenstadtbereiche an der Peterstraße – beides dürfte dort ansässigen Unternehmen und Händlern kaum gefallen.

Abgestimmt ist die verschärfte Bestreifung auch mit der Eigentümergemeinschaft des Bushofs. Teile des Gebäudekomplexes gehören der Aachener Immobiliengesellschaft. Hier setzt der private Sicherheitsdienst – der im Gegensatz zu Ordnungsbehörden keine hoheitlichen Befugnisse im öffentlichen Raum besitzt – das Hausrecht des (privaten) Eigentümers durch.

Videobeobachtung: Die Polizei überwacht die Situation rund um den Bushof aus der Ferne in der Wache Mariental im Aachener Westen. Foto: ZVA/Harald Krömer

„Der Sicherheitsdienst kostet monatlich einen mittleren fünfstelligen Betrag“, erklärte der Aseag- und Apag-Sprecher. Genauere Angaben seien nicht möglich, da es sich um einen Vertrag mit einem privaten Dienstleister halte, der entsprechende Verschwiegenheit voraussetze, hieß es. Zur Veranschaulichung: Legt man den mittleren fünfstelligen Monatsbetrag von 50.000 Euro zugrunde, stehen am Ende des kommenden Jahres unterm Strich über 650.000 Euro.

Belästigt und verängstigt

Diskobesucher dürfen sich bald sicherer fühlen: Ordnungsamt und Polizei wollen an der Blondelstraße ins selbe Haus einziehen. Foto: ZVA/Harald Krömer

Dafür stehen nun private Sicherheitsleute, das Ordnungsamt und die Polizei für Bürger und Besucher bereit, die sich belästigt oder verängstigt fühlen: Wer Hilfe braucht oder Vorfälle melden möchte, kann unter der Nummer 0241/1688-1688 kurzfristig den Sicherheitsdienst anfordern. Bei Vorfällen auf den öffentlichen Flächen rund um Bushof und EBV-Carré sind das Ordnungsamt unter 0241/432-2801 und die Polizei unter der Notfallnummer 110 die richtigen Ansprechpartner.

Bis die seit Jahren geplante Citywache von Polizei und Ordnungsamt in der Nachbarschaft Dienstbeginn feiert, wird es nämlich noch dauern. Das Vorhaben ist komplex. Neben der Polizei soll auch der Fachbereich Sicherheit und Ordnung untergebracht werden – übrigens im selben Gebäude, das im Untergeschoss die Diskothek Nox (früher B9) an der Blondelstraße 9 bis 21 beheimatet. Die Nachtschwärmer wird’s freuen.

An der Ecke zur Peterstraße soll die gemeinsame Wache einziehen. Ob dies allerdings im kommenden Jahr bewerkstelligt werden kann, scheint fraglich. „Es gibt strenge Sicherheitsauflagen und nahezu alle Fachbereiche sind an den Planungen beteiligt“, erläutert Stadtsprecher Bernd Büttgens. Tatsache sei aber: Ordnungsamt und Polizei wollen in diesem „Problembezirk“ unter ein Dach – ein Novum für Aachen.

Das untermauert auch Polizeisprecher Andreas Müller im Zusammenhang mit dem überaus langen Planungsprozess: „Insbesondere spielen dabei Erwägungen zu den strengen Sicherheitsanforderungen an eine Polizei- und Ordnungsdienststelle sowie zu den Kosten der Realisierung einer solchen eine Rolle“, sagte er. „Wir stehen dazu im engen Austausch mit der Stadt Aachen.“ Einzugstermine will niemand datieren, zumal auch der städtische Personalrat noch ein Wörtchen mitreden will. Auch hier wurden Sicherheitsbedenken der Mitarbeitervertreter laut.

Derzeit verlässt man sich zudem auf Videoüberwachung. Rund um den Bushof senden etliche Kameras Bilder live in die Polizeiwache Mariental im Aachener Westen. Von dort werden gegebenenfalls Streifen alarmiert.

Die Apag beobachtet ihr Parkhaus – und viele andere – ebenfalls über Kameras. Die Apag-Einsatzzentrale liegt im Bushof. Ob sich Junkies, Alkoholkranke und psychisch kranke Menschen durch die Maßnahmen weniger auffällig verhalten, will man nun analysieren. Teurer wird es in jedem Fall.

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