Aachen: Prinzengarde räumt mit Antonia aus Tirol und Oli P. ab

Oecher Fastelovvendschau : Party-Promis lösen die jecke Ekstase aus

Oli P. ist ein höflicher Mensch. Er fragt erst mal freundlich, bevor er den ganzen Saal ausrasten lässt. „Darf ich..?“ Sicherheitshalber. Wenige Sekunden später springt der Mann, der vor 21 Jahren mit einer gerappten Version von Herbert Grönemeyers „Flugzeuge im Bauch“ 1,5 Millionen Platten verkaufte, im Eurogress von Tisch zu Tisch.

Oli P. strahlt in zig Smartphones, die ihm von Fans zum Selfie vor die Nase gehalten werden; und er singt gleichzeitig live aufs Playback. Das muss man können. Und das funktioniert heute genauso gut wie 1998. Der Saal jubelt. „Ist das nicht der aus dem Fernsehen?“ fragt ein älterer Herr am Nebentisch. Ist er.

Bei der „Oecher Fastelovvendschau“ der Prinzengarde – also der uniformierten Mannschaft, die den jeweils amtierenden Prinzen und seinen Hofstaat von Auftritt zu Auftritt mit „Hurra Tsching Bumm“ begleitet – bleibt es nicht beim Spagat der Tanzmariechen. Wortbeiträge, Büttenreden etc. sind tabu. Vielmehr setzt Kommandant Dirk Trampen mit seinem Team auf Stimmung pur. Und dies eben möglichst breit angelegt. Spagat: Tradition bis Moderne.

Von einer Sitzung kann eigentlich keine Rede sein. Die 1384 Stühle im Saal sind vornehmlich als Tanzpodeste willkommen. Und dies über geraume Zeit des insgesamt fast fünfstündigen Programms. „Wir vereinen traditionellen Karneval und Partystimmung. Die überschäumenden Reaktionen des Publikums zeigen, wie wunderbar das zusammenpasst“, freut sich Trampen. Er könnte hunderte Tickets mehr verkaufen, so groß ist die Nachfrage. Natürlich ist die Show auch 2019 ausverkauft.

Auch umjubelt wurde Oli P.. Man riss sich um Fotos mit den Prominenten. Foto: Andreas Herrmann

Ähnlich eng bestückt wie der Saal zeigt sich die Bühne: etwa wenn die Prinzengarde in voller Mannstärke seinem Tanzpaar den Auftritt befiehlt. Sandro Gallazini und Inga Dahlen erwischen allerdings einen gebrauchten Tag. Sie schwächeln sichtbar bei den kraftraubenden Hebefiguren. Trampen tröstet, das Publikum applaudiert. Gallazini und Dahlen haben in der langen Session bis zum Aschermittwoch am 6. März noch zig Gelegenheiten, um zu beweisen, dass sie eigentlich tänzerisch zur Ersten Liga zählen. Dass der Kommandant dann – kleiner Fauxpas – nur zwei statt drei Mal „Oche Alaaf“ anstimmt, kommentiert er selbst charmant und witzig. „Ihr seid fit, habt Ihr direkt gemerkt, Ihr Schlawiner.“ Die Leute lachen. So ist Karneval.

„De Originale“ verwöhnen das Publikum mit feinstem Öcher Liedgut. Noch lauter mitgesungen wird zum Finale nur bei den 4 Amigos. Ekstase. Auch das hat Tradition. Eher ungewöhnlich hingegen der Auftritt von Antonia aus Tirol. Die Sängerin – sonst eher auf Mallorca-Partys und Après-Ski-Feiern zu Hause – gibt bei ihrem karnevalistischen Gastspiel eine hervorragende Visitenkarte ab: Nach Jürgen Drews, Michael Wendler und Peter Wackel ist sie 2019 der bewunderte Schlagerstar in Aachen.

Spektakuläre Flugnummern: Die Showtanzgruppe „High Energy“ des SV Rot Weiß Billig aus Euskirchen zeigte eindrucksvoll, dass man als sechsfacher Deutscher Meister ziemlich hoch hinaus muss. Foto: Andreas Herrmann

Neben Chart-Hits wie „Ich bin viel schöner“ und „Knallrotes Gummiboot“ verblüfft sie mit blitzsauberen Rocknummern á la „Jailhouse Rock“. „Ballermann oder Karneval, ist doch egal“, sagt sie „Hauptsache, die Leute haben Spaß!“ Stimmt. Als der Österreicherin dann noch Kommandant Trampen und sein Vize Torsten Rehberg mit Plastikgitarren zur Seite springen, rastet das Publikum völlig aus. Euphorie vom Feinsten. Die Jecken singen und tanzen sich selig.

Auch der Auftritt der Big Maggas, eine skurrile Hamburger Formation, endet erst nach etlichen Zugaben und diversen Partyhits. Prinz Tom I. knüpft daran mit seinem Hofstaat nahtlos mit dem Prinzenlied „Party ohne Ende“ an. Er hat an diesem Wochenende wirklich Außergewöhnliches zu feiern. Am Vorabend hatte er seiner Constanze im Aachener Rathaus das Ja-Wort gegeben. Das erntet im Europa-Saal Extrabeifall. Die Flitterwochen sind aber erstmal auf Eis gelegt ...

Stolze Vergangenheit: Über ein Dutzend „Ex-Prinzen“ der Stadt – hier Frank II. Prömpeler im Vordergrund – erinnerten musikalisch an frühere Sessionen. Foto: Andreas Herrmann

Erinnerungen an frühere unvergessene Prinzen weckt das Prinzenkorps mit einem sympathischen Medley. Da melden sich über ein Dutzend Ex-Prinzen im Rampenlicht und Ausschnitten ihrer früheren Sessionshits zurück. Und wieder wird lauthals mitgesungen.

Als der sechsfache Deutsche Meister im Showtanz, die 30-köpfige Gruppe „High Energy“ des SV Rot-Weiß Billig aus Euskirchen, über die Bühne wirbelt, hagelt es Szenenapplaus: für atemberaubende Akrobatik, fliegende Tänzerinnen, die unter die Saaldecke katapultiert werden, und eine Choreographie, die nicht nur dank funkelnder Pyrotechnik viel Glanz versprüht. Erst 40 Minuten nach Mitternacht marschiert die Prinzengarde ab. Und zwar Richtung Foyer. Dort spielt Aachens Coverband Nummer 1: Die Wheels geben Vollgas. Die waren auch schon oft im Fernsehen, sind hier aber zu Hause – zum 22. Mal hintereinander beim Gardeball. Das wird Oli P., so höflich und nett er ist, nie gelingen.

Stolze Gegenwart: Vor dem Tanzpaar der Prinzengarde und seinem Hofstaat sorgte Aachens aktueller Prinz Tom I. gemäß Liedtitel für „Party ohne Ende“. Foto: Andreas Herrmann
Mehr von Aachener Nachrichten