Aachen: Printenmänner gibt es auch in Yokohama

Sachen gibt’s?! : Der Aachener Weihnachtsmarkt steht jetzt auch in Japan

Japaner, die ein Erinnerungsfoto vom Aachener Weihnachtsmarkt haben möchten, müssen keine weite Reise mehr auf sich nehmen. Denn Printenmänner gibt es jetzt auch in Yokohama.

Sie zücken ihre Smartphones, kuscheln sich eng aneinander, setzen ein breites Grinsen auf und positionieren sich so, dass die beiden Printenmänner theoretisch auch in die Kamera lächeln könnten. Klick. Schnell das Foto begutachten, für gut befinden, und sich ins Getümmel stürzen. Der Duft von Printen und Glühwein liegt in der Luft, das blaue Banner über den Printenmännern weist dem fotogenen Paar den Weg. Sie stehen am Eingang des Aachener Weihnachtsmarktes, oben am Markt. Könnte man zumindest meinen. Ist aber nicht so. Das Foto entstand auf dem Christmas Market in Yokohama, Japan. Der Fotohintergrund? Ein ähnlicher.

Zum Vergleich: So sieht das Original in Aachen aus. Foto: ZVA/Michael Jaspers

Um ein Foto von den für Aachen so typischen Printenmännern an Markt und Katschhof zu machen, müssen Japaner in diesem Jahr nicht weit reisen. Dieses Bild bietet sich ihnen schließlich auch in Yokohama. Zwei große, aufblasbare Printenmänner, Lambertz-Printen, Glühwein und die schmucken Holzhütten – alles da. Sogar Poster gibt es, auf denen Aachen explizit erwähnt wird. Nikolas Schmitz, Aachener, 26 Jahre alt, derzeit für ein Praktikum in Tokio, weiß das. Er hat es mit eigenen Augen gesehen und, na klar, erst mal ein Foto vom Plakat gemacht. „Ich habe den Printenmann zuerst gar nicht wahrgenommen, hatte nur den Text gelesen. Da stand, dass der Weihnachtsmarkt in diesem Jahr dem Aachener nachempfunden ist“, sagt der Elektrotechnikstudent, der noch bis Mai in Japan bleiben wird. Es sei der neunte Weihnachtsmarkt infolge und jedes Jahr gebe es ein anderes Thema, so hat er es dem Plakat entnommen. „In diesem Jahr ist das Thema wohl Aachen“, sagt er.

Doch nicht nur der Eingangsbereich ist dem Aachener Weihnachtsmarkt nachempfunden. „Es wird auch eine Box Lambertz-Printen angeboten für 5000 Yen, das entspricht in etwa 40 Euro.“ Glühwein kostet im Schnitt 700 Yen, was etwa 5,50 Euro sind. Doch je weiter Nikolas Schmitz sich in den weihnachtlichen Wahnsinn stürzte, desto näher rückte die Heimat. „Ich habe mir eine Tasse gekauft, die aus Düren kommt“, sagt der 26-Jährige. Das konnte er an dem Stempel auf der Unterseite der Tasse erkennen. Nicht ganz ins Aachener Bild passte da wohl der Dresdner Stollen, der auch angeboten wurde.

„Das hat uns überrascht“

Lambertz-Printen und Dresdener Stollen gibt es auch in Yokohama auf dem Weihnachtsmarkt zu kaufen. Foto: Nikolas Schmitz

Obwohl Schmitz japanisch spricht, muss er sich auf dem Yokohama-Aachen-Weihnachtsmarkt nicht mal anstrengen, um die Plakate zu lesen. „Teilweise steht auch alles auf Deutsch darauf.“ Zum Beispiel Angebote zu Brezeln und Churros, ein durchaus bunter Mix. Schmitz vermutet, dass die Plakate auch auf Deutsch beschrieben sind, um alles möglichst getreu nachzuempfinden. „So viele deutsche Touristen gibt es hier nämlich nicht“, sagt er. Doch die Japaner mögen offensichtlich Printen, Glühwein und Co. „Was viele nicht wissen ist, dass Japaner Baumkuchen und belgische Waffeln kennen und lieben. Das kennt hier wirklich jeder und man bekommt Baumkuchen das ganze Jahr über“, erzählt Schmitz.

Auf diesem Plakat, das für den Christmas Market in Yokohama wirbt, wird erklärt, dass der dortige Weihnachtsmarkt dem Aachener nachempfunden ist. Foto: Nikolas Schmitz

Dass diese spezifisch deutschen und in diesem besonderen Fall Aachener Spezialitäten so gerne kopiert werden, das liegt laut Wolfgang Hassa vielleicht auch an der Mentalität: „Für Asiaten ist das Kopieren ein Zeichen des Respekts, bei uns ist das eher Klauen. Wenn sie sich gleich eingestehen, etwas selbst nicht besser zu können, übernehmen sie es“, sagt er und lacht. Das weiß Hassa, da ein ehemaliger chinesischstämmiger Arbeitskollege ihm das so beschrieben habe. Hassa ist zudem nicht ganz unschuldig daran, dass die Printenmänner nun in Japan stehen und nicht mehr nur am Katschhof.

Und das kam so: Manfred Piana vom Märkte- und Aktionskreis City (MAC) erreichte im Laufe dieses Jahres eine Anfrage aus Japan. „Jemand hatte Interesse daran, die Printenmänner als Dekoration für ein Kaufhaus zu verwenden. Zumindest haben wir das so verstanden“, sagt er. Daher stellte Piana den Kontakt zu Hassa her, der mit seiner Aachener Firma Airworxx genau solche Spezialanfertigungen herstellt – so auch den aufblasbaren Printenmann auf dem Katschhof. „Ja, der Kontakt war dann ganz unspektakulär. Wir wurden gefragt, ob wir die Printenmänner in etwas kleinerer Form noch mal produzieren könnten und das haben wir gemacht. Dann kam eine Spedition und hat alles abgeholt.“ Auch er ging damals noch davon aus, dass die Printe ein Kaufhaus verzieren soll.

In einem Anflug von weihnachtlicher Besinnlichkeit verschickte Hassa kürzlich Mails an all seine Kunden, bedankte sich für die Zusammenarbeit und wünschte frohe Festtage. „Darauf kam promt ein Bild zurück. Darauf zu sehen: die Printenmänner in Yokohama“, sagt Hassa. Und da staunte er nicht schlecht. Schnell leitete er das Bild an Manfred Piana weiter, und auch er konnte kaum glauben, was er dort sah. „Das hat uns schon sehr überrascht“, sagt er und lacht. „Man müsste mal hinfliegen und sich das ansehen.“ Da müsste sich Piana allerdings beeilen, denn am 25. Dezember ist auch in Yokohama Schluss mit dem Weihnachtsmarkt.