Aachen: Politik und Schauspiel im Grenzlandtheater

Talk und Information : Zauberhafte Auftritte im Duett

Im Rahmen der Verleihung des Karl-Heinz-Walther-Preises gaben sich die frisch gekürte Schaupielerin Maxine Kazis und der Städteregionsrat in spe Tim Grüttemeier die Ehre im Grenzlandtheater.

Einen zauberhaften Auftritt sollte nicht nur die frisch gekürte Trägerin des Karl-Heinz-Walther-Preises am Sonntag im Grenzlandtheater haben. Natürlich gab Maxine Kazis im Gespräch mit Theaterintendant Uwe Brandt und Stadtsprecher Bernd Büttgens viele höchst charmante Einblicke in ihre Arbeit als Schauspielerin. Neben der jungen Mimin gab sich auch ein maßgeblicher Akteur auf der politischen Bühne ein Stelldichein mit den beiden Moderatoren.

„Sie sind doch Aladin!“, meinte kürzlich ein kleines Kind, als sich Tim Grüttemeier beim Bäcker ein paar Brötchen holen wollte. Der designierte Städteregionsrat grübelte eine Weile über der Frage, weshalb man ihn in jüngeren Kreisen offenbar für einen Flaschengeist hielt. Dann fiel ihm irgendwann auf, dass an einer Straßenlaterne das Plakat des Zirkus Aladin genau über seinem eigenen Wahlplakat hing. Geklappt hat es mit der Wahl bekanntermaßen trotzdem, und so erfuhren auch die Besucher am Rande der Verleihung des Karl-Heinz-Walther-Preises von dieser netten Anekdote aus dem Wahlkampf.

Traditionell sind auch die Gespräche mit Politikern im beinahe intimen Rahmen des Grenzlandtheaters etwas lockerer gehalten. Nach mehr als 600 Wahlkampfterminen in den vergangenen Wochen konnte das dem sichtlich gelösten Grüttemeier nur recht sein. Ab Januar wird er an der Spitze der Städteregion stehen, „einem Konstrukt, das durchaus erklärungsbedürftig ist“, wie Moderator Bernd Büttgens feststellte. Tatsächlich habe er viel Zeit damit verbracht, den Menschen dieses einzigartige Gebilde näher zu bringen. „Im Altkreis war das ziemlich leicht, weil meine künftige Position dort einfach jener des einstigen Landrats entspricht. Aber in der Stadt Aachen wurde ich schon mal gefragt, was denn Marcel Philipp nun künftig mache“, meinte Grüttemeier augenzwinkernd.

Mit Plakaten ist es nicht getan

Ein ganz anderes Problem sei hingegen gewesen, dass viele nicht einmal gewusst hätten, dass überhaupt eine Wahl stattgefunden hat. Besonders die niedrige Wahlbeteiligung von rund 25 Prozent bei der Stichwahl sei ein Indiz, dass man die Notwendigkeit eines solchen zweiten Wahlgangs überdenken müsse. „Alleine mit Plakaten und Berichten in den Zeitungen ist es heute nicht mehr getan, wenn man die breite Masse der Bevölkerung erreichen will“, stellte er fest.

Besonders mit zwei Kernthemen will sich der künftige Städteregionsrat darum in die Herzen und Köpfe der Bürger vorarbeiten. Einerseits sei dies die Mobilität, die in ihrer jetzigen Form nicht zukunftsfähig sei, so Grüttemeier. Die Ideen für eine Euregiobahn oder die eines Tramsystems, das die Kommunen untereinander verbinde, seien vor diesem Hintergrund durchaus ein Thema, das er weiterdenken möchte. Andererseits wolle er den Strukturwandel in der Region aktiv gestalten: „In vielen Kommunen haben wir das Problem, dass Gewerbeflächen gebraucht werden, aber nicht ausgewiesen werden können“, betonte er. Deshalb wolle er besonders in Weisweiler neue Betriebe ansiedeln, um für die Zeit nach der Braunkohle gerüstet zu sein.

Neben heiteren Erlebnissen aus dem Wahlkampf bekamen die Zuschauer also auch schon einen ersten Eindruck von den künftigen Plänen Grüttemeiers. Erwartungen an ihn gibt es von vielen Seiten, und so ließ es sich auch Intendant Uwe Brandt nicht nehmen, ihn mit einem sanften Hinweis auf den Förderverein seines Hauses in den Sonntagnachmittag zu entlassen.