Aachen: Ordnungsamt reagiert auf Beschwerden, mehr Bettler unterwegs

Ordnungsamt Aachen : Spezialteam geht aggressive Bettler an

Schreien, beleidigen, pöbeln: Die Ordnungsbehörde reagiert auf teils beängstigend aggressive Bettelei in der Aachener Innenstadt. Zwei Extra-Mitarbeiter werden jetzt abgestellt, um Bettler im Zaum zu halten.

Kaum eine Handbreit trennt den brüllenden Mund des verwahrlosten Bettlers von seinem Gegenüber, einer augenscheinlich reichlich verängstigten Passantin. Mitten in Aachen, auf dem Markt. „Haste kein Geld? Selbst schuld! Dann geh’ ich eben klauen!“, keift der junge Mann, ungepflegter Bart, dreckige Kleidung. Er scheppert mit einer Blechbüchse. Und ist so wütend, dass er sein Geschrei mit reichlich Spucke ausstößt. Angewidert wendet sich die eingeschüchterte Seniorin ab, sucht das Weite. So beobachtet am frühen Mittwochnachmittag.

Nicht immer sind die Szenen aggressiven Bettelns so dramatisch. Aber es häuft sich. Deshalb schickt das Ordnungsamt ab sofort ein zweiköpfiges Spezialteam durch die Aachener Innenstadt, um ausufernder Bettelei endlich Herr zu werden.

„Eine einzige Katastrophe“

„Ich finde, die Situation in der Aachener Innenstadt ist eine einzige Katastrophe“, schreibt eine Leserin dieser Tage an unsere Redaktion. „Man stellt schnell fest, dass die ungestörte Vorgehensweise der aggressiven Bettler nicht ohne Auswirkungen auf Besucher, Einheimische und Gastronomen bleibt. Ich vermisse die Ordnungsbehörden, egal ob Polizei oder Ordnungsamt, die hier etwas dagegen unternehmen“, klagt ein weiterer Leser.

Dieter Beckers, Gastronom und diesbezüglich Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Aachen, stimmt zu: „Die aggressive Bettelei hat extrem zugenommen. Diese Leute belästigen Gäste, sind penetrant und impertinent, vergraulen Kundschaft und Touristen“, ärgert sich der Chef von „Goldener Schwan“ und „Goldenes Einhorn“ auf dem Aachener Markt. „Die Stadt gibt hier ein schlechtes Bild ab; die Politik muss dringend reagieren, damit das eingedämmt wird“, betont er.

Laut Rita Klösges von städtischen Presseamt teilen die Ordnungsbehörden die kritischen Eindrücke weitgehend. Auch wenn längst nicht alle Bettler aggressiv sind. Im Gegenteil. Die meisten, allerdings zuweilen Dutzende, kauern in der Altstadt in Hauseingängen und Fußgängerzonen. Das sieht zwar wenig hübsch aus, ist aber legal. Die Klientel – zumeist Obdachlose, Alkohol- und Drogenabhängige – hofft stumm auf mildtätige Gaben.

Andere, die unangenehme Minderheit, sind forscher unterwegs. Passanten werden direkt angesprochen, vermehrt auch Gäste auf Außenterrassen. Es wird gepöbelt, krakeelt, geheult und geschimpft. Wer bei Sonnenschein ab dem Nachmittag eine Stunde auf dem Markt, im Hof oder auf dem Münsterplatz sitzt, bekommt nicht selten mehrfach ungebetenen Besuch. Die offiziellen Beschwerden häufen sich.

„Es handelt sich offenbar um einzelne Menschen, die uns seit Jahren bekannt sind – aber eben auch um auswärtige Gruppen, die hier in Aachen zum Betteln abgesetzt werden“, sagt Klösges. So oder so: Aggressives Betteln ist verboten. Strafen schrecken die Täter aber kaum. „Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes sprechen Platzverweise aus. Wird dem nicht nachgekommen, können die betreffenden Personen in Gewahrsam genommen werden. Dann wird sofort die Polizei eingeschaltet, die dann die Personen mit aufs Präsidium nimmt“, beschreibt Klösges die regelgerechte Vorgehensweise.

Spätestens nach 24 Stunden sind die Leute – auch das ist die Regel – wieder auf der Straße. Und der Kreislauf beginnt erneut. Wie oft das passiert, weiß man nicht. „Wir versprechen uns trotzdem spürbare Verbesserungen von dem Einsatz unseres zweiköpfigen Extrateams“, sagt Klösges. Vor allem entlang der Großkölnstraße, auf dem Markt, in der Krämerstraße, am Münsterplatz, am Elisenbrunnen und in der Adalbertstraße will man durch mehr Präsenz aggressive Bettler abschrecken. Und notfalls rigoros durchgreifen.

Für einige Betroffene kommt die Reaktion indes zu spät. Eine Leserin schreibt: „Meine Bekannten und ich werden jedenfalls so schnell nicht wieder das Aachener Herzstück und die Gastronomie rund um den Dom und das Rathaus besuchen. Diese aggressive Distanzlosigkeit der Bettler hatte schon etwas Bedrohliches und Beängstigendes zugleich.“ Die Ordnungsbehörden steuern nun gegen – bevor sich aggressives Betteln noch mehr verbreitet.

Mehr von Aachener Nachrichten