Aachen: Opfer geschlagen und getreten

Landgericht verurteilt zwei Männer : Drei Jahre Haft nach Prügelei

Im Juli 2017 kam es zu einem handgreiflichen Konflikt zwischen drei Männern. Die Täter wurden nun am Landgericht verurteilt.

Der Hauptangeklagte Sinan S. (36) fehlte am Mittwoch selbst bei der Urteilsverkündung. Er sei krank und in einer Klinik untergebracht, ließ er über seine Verteidigerin Susanne Fischer (Aachen) verlauten. Die Urteilsverkündung war bereits einmal zuvor wegen ihm verschoben worden.

Dabei geht es in dem Prozess vor einer Großen Jugendkammer am Aachener Landgericht (Vorsitz Richterin Melanie Theiner) um viel. Sinan S. und seinem erst 21-jährigen Bruder Selim S., beide stammen aus der Region Maastricht, wurde anfänglich sogar ein versuchter Totschlag – begangen an einem mehr als 50-jährigen Opfer nahe der Aachener Amüsiermeile Antoniusstraße – vorgeworfen. Das Brüderpaar hatte das Opfer Anfang Juli 2017 mehrfach ins Gesicht geschlagen und am Ende brutal gegen den Kopf getreten.

Anlass waren vom Opfer hervorgerufene Beschädigungen an ihrem Luxuswagen. Die Kammer verurteilte nun Sinan S. wegen gefährlicher Körperverletzung zu drei Jahren Haft. Beide Angeklagten hätten bei der Tat „keine Tötungsabsicht“ gehabt, erläuterte Richterin Theiner das Urteil. Der jüngere Bruder Selim S. kam mit einer Jugendstrafe von einem Jahr und vier Monaten Haft davon, die das Gericht zur Bewährung aussetzte. Allerdings muss sich Selim S. regelmäßig in Deutschland melden und als Wiedergutmachung einen Geldbetrag von 500 Euro an das Opfer zahlen.

„Provozierendes Auftreten“

Die Kammer stellte in ihrer Entscheidung unmissverständlich fest, dass das Opfer, das ebenso wie die beiden Angeklagten gegen drei Uhr morgens alkoholisiert gewesen war, durch sein eigenes „provozierendes Auftreten“ eine Menge zu der Eskalation der gewalttätigen Auseinandersetzungen im Einmündungsbereich der Antoniusstraße in die Nikolausstraße beigetragen habe.

Zunächst hatte der Nachtschwärmer den BMW der beiden Brüder gestoppt, als diese in die Antoniusstraße einbiegen wollten. Dabei schlug er gegen den Außenspiegel auf der Fahrerseite, was die erste von drei Runden in dieser letztlich dann äußerst brutalen Auseinandersetzung einleitete. Der ältere Bruder sprang aus seinem BMW und schlug den Angreifer ins Gesicht, sie prügelten sich, bis einer der Anwesenden beide trennte.

Ein Rücklicht zerschlagen

Doch das Opfer wollte nicht klein beigeben und zerschlug unvermittelt ein Rücklicht, da ging es wieder los. Jetzt beteiligte sich auch der jüngere Bruder, der nach den Erkenntnissen des Gerichts die Zuschauer von einem schlichtenden Eingreifen zurückhielt. Das Opfer bezog erneut Prügel, raffte sich jedoch zum dritten Mal auf und traktierte den rechten Außenspiegel der Luxuskarosse. Da habe die nächtliche Begegnung ein Ausmaß an Brutalität angenommen, das hart zu bestrafen sei und das Opfer in eine mögliche Lebensgefahr gebracht habe, stellte die Kammer fest. Denn als der Autodemolierer erneut auf dem Boden lag, trat der Ältere „wie beim Schießen eines Elfmeters“, so die Kammer, gegen den Kopf des hilflos am Boden liegenden Mannes.

Der jüngere machte mit und trat in die Weichteile des Mannes. Zum Glück erlitt das Opfer letztlich keine lebensbedrohlichen Verletzungen, doch Vorfälle dieser Art hätten nicht zum ersten Mal auch in Aachen zum Tod eines Opfers geführt. „Ein Auto ist immerhin doch nur eine Sache, wenn auch eine teure“, stellte Richterin Theiner fest. Deren Beschädigung dürfe keinesfalls zu solchen Gewaltexzessen Anlass geben. Der nicht erschienene Angeklagte wird sich nach der Rechtskraft des Urteils zum Haftantritt melden müssen. Anderenfalls droht ein internationaler Haftbefehl.

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