Aachen: Offene Tür Josefshaus nach der Krise bald wieder voll geöffnet

Jugendtreff am Kirberichshofer Weg : Ab Juni wieder volles Programm im Josefshaus

Freitags sind die Türen derzeit noch verschlossen in der Offenen Tür Josefshaus. Aber das soll sich bald ändern. Ab Juni ist der Jugendtreff wieder von montags bis freitags für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene geöffnet. „Das Konzept können wir dann über den Sommer ausprobieren“, sagt OT-Leiter Stefan Brandtner. „Und am 6. September feiern wir die Wiedereröffnung mit einem großen Fest.“

Am Kirberichshofer Weg herrscht Aufbruchstimmung. „An allen Baustellen geht es weiter“, stellt Brandtner zufrieden fest. „Wir sind dabei, bewährte Strukturen wieder aufzubauen.“ Das Jugendparlament wird neu belebt, das Schwimmangebot gibt es ebenso wieder wie das gemeinsame Abendessen. Gut angenommen werden die Boxstunden an drei Abenden.

Baustellen gab es in den vergangenen Monaten in der Tat zur Genüge. Von einem Tag auf den anderen war die OT im Aachener Ostviertel im November 2018 geschlossen worden. Drogenfunde am Haus und massive Drohungen gegen Mitglieder des Teams veranlassten den Träger, den katholischen Kirchengemeindeverband Aachen-Ost/Eilendorf, zu dem auch die Pfarrgemeinde St. Josef und Fronleichnam gehört, zu diesem Schritt.

Unter neuer Leitung von Stefan Brandtner wurde ab Jahresbeginn ein Neustart eingeleitet. Zu den wichtigsten Änderungen gehören getrennte Öffnungszeiten. Kinder und Teenies von sechs bis 16 Jahren kommen zu anderen Zeiten ins Josefshaus als die Jugendlichen und jungen Erwachsenen (> Infobox).

„Beide Altersgruppen haben sich diese Trennung gewünscht“, sagt Stefan Brandtner. Er ist überzeugt, dass auch alle davon profitieren. Für Jugendliche seien ganz andere Themen wichtig als für Grundschüler. Auch den Mitarbeitern kommt die neue Regelung entgegen. „Früher war die OT für alle Gruppen gleichzeitig offen, und das Team musste sich zerreißen, um für alle da zu sein“, sagt Brandtner. Da habe man nicht immer alle im Blick haben können, „und das wurde ausgenutzt.“

Jetzt könne sich das Team nachmittags um die Kinder kümmern und sich abends intensiv Zeit nehmen für die Jugendlichen. „Wir müssen mehr tun als nur den Treff beaufsichtigen. Wir müssen uns auch mit den jungen Leuten hinsetzen und diskutieren“, ist Brandtner überzeugt. Ganz klar sagt er auch: „Nachmittags brauchen die Jugendlichen hier nicht rumzusitzen. Die sollen dann zur Schule gehen oder sich um eine Ausbildung kümmern. Integration hat auch damit zu tun, gefordert zu werden.“

Die Folgen der vorübergehenden Schließung sind am Kirberichshofer Weg indes immer noch zu spüren. Vor allem nachmittags, wenn die Jüngeren kommen, sind die Teilnehmerzahlen noch recht überschaubar. Stefan Brandtner kann verstehen, dass manche Familien ihre Kinder immer noch nicht in die OT lassen. „Kinder sind das Wertvollste, das Eltern haben“, sagt er, und angesichts von Drogenfunden und Drohungen sei die Vorsicht erst mal groß. „Da müssen wir noch Vertrauen zurückgewinnen durch ein konstantes, gutes Programm“, sagt Brandtner. Interessierte Eltern sind weiterhin eingeladen, sich im Josefshaus selbst ein Bild zu machen. Auch für sie stehen die Türen dort offen. Die Kinder und Jugendlichen haben schon deutlich gemacht, dass sie gerne weitere Altersgenossen in der OT treffen würden.

Natürlich überschreiten die Besucher in einer OT auch mal Grenzen und halten sich nicht an die Regeln. „Junge Leute probieren das aus, das ist deren Privileg“, sagt Brandtner. „Schlimm ist nur, wenn man das durchgehen lässt.“ Bewährt hat sich im Josefshaus der neue „Feuerwehrplan“. In diesem Notfallplan ist genau festgelegt, wie auf Regelverstöße reagiert wird. Besucher, aber auch Mitarbeiter wissen nun genau, woran sie sind. Das schafft Klarheit. Und ernste Vorfälle, versichert der OT-Leiter, habe es seit der Wiederöffnung nicht mehr gegeben.

Einige Räume im Josefshaus werden demnächst neu hergerichtet. Geplant sind ein Kinoraum und ein Medienraum mit Computern. „Da können wir dann auch schöne thematische Schwerpunkte setzen“, ist Brandtner überzeugt. Ein neues Projekt ist bereits in der Vorbereitung. In Zusammenarbeit mit dem Kulturverein „KingzCorner“ soll nach den Sommerferien unter dem Motto „Respekt im Ring“ eine Veranstaltung über die Bühne gehen. Fairplay und respektvoller Umgang miteinander werden dabei im Mittelpunkt stehen. Das OT-Team ist derzeit noch auf der Suche nach Musikern aus der hiesigen Szene, die mitmachen möchten. „Wir haben nicht so viel Geld“, das sagt Brandtner allerdings lieber gleich.