Aachen: Offene Tür Josefshaus hat einen neuen Leiter

Offene Tür Josefshaus : Ein Neustart, aber mit „Feuerwehrplan“

16 Stunden in der Woche ist die Offene Tür Josefshaus im Aachener Ostviertel derzeit geöffnet. Bis nach den Sommerferien soll das gesamte Angebot wieder für Kinder und Jugendliche zur Verfügung stehen, sagt der neue Leiter des Jugendtreffs, Stefan Brandtner.

Die Schließung im November kam von einem Tag auf den anderen. Die Wiedereröffnung wird wohl erst nach den Sommerferien abgeschlossen sein. Ganz allmählich nimmt die Offene Tür Josefshaus neuen Kurs auf den Regelbetrieb. Die Türen sind offen – wenn auch noch eingeschränkt. Die Schwimmstunde ist wieder im Angebot, das gemeinsame Kochen ebenfalls. Seit dem 1. März hat das Josefshaus auch offiziell einen neuen Leiter: Stefan Brandtner. „Ich freue mich auf die Arbeit hier“, sagt der 37-Jährige. Viel Aufbauarbeit liegt vor ihm und dem gesamten Team am Kirberichshofer Weg.

Mit einem Paukenschlag war das Josefshaus, seit mehr als 30 Jahren eine wichtige Anlaufstelle für junge Leute im Aachener Osten, vorübergehend geschlossen worden. Auslöser dieses drastischen Schritts waren Drogenfunde am Haus und sehr massive Drohungen gegen Mitglieder des Teams. Der Träger der Einrichtung, der katholische Kirchengemeindeverband Aachen-Ost/Eilendorf, zu dem auch die Pfarrgemeinde St. Josef und Fronleichnam gehört, zog daraufhin die Reißleine.

Seitdem hat sich vieles verändert, unter anderem die Leitung. Stefan Brandtner wechselte aus dem Kinder- und Jugendhaus St. Barbara in Rothe Erde ins Josefshaus, während der frühere Leiter des Josefshauses, Jochen Ostländer, jetzt in Rothe Erde das Sagen hat. Als kommissarischer Leiter hatte Stefan Brandtner bereits ab Jahresbeginn die Neukonzeption der Arbeit am Kirberichshofer Weg begleitet.

Vor allem um klare Ansagen und Konsequenz geht es da. Kernpunkt des neuen Konzepts ist der „Feuerwehrplan“, den das Team gemeinsam erarbeitet hat. Dieser Notfallplan legt für alle verbindlich fest, wie auf Regelverstöße zu reagieren ist, von der Ermahnung über ein Hausverbot bis hin zur Alarmierung der Polizei in extremen Fällen. „Das ist ein standardisierter Ablauf, und der wird regelmäßig sogar geübt“, erläutert Brandtner. „Darauf kann sich jeder verlassen, das gibt uns allen Handlungsfähigkeit.“

Und auch die Kinder und Jugendlichen wissen genau, was Sache ist. „Alle müssen nur ein einziges Mal ausprobieren, wie weit sie gehen können“, sagt Brandtner. Wer zum Beispiel gegen alle Verbote im Innenhof raucht, wer seinen Müll einfach rumliegen lässt, wer womöglich hochprozentigen Alkohol ins Haus bringt, kennt die Konsequenzen. Der Notfallplan habe sich schon in den ersten Wochen bewährt, sagt Brandtner. Natürlich fänden manche Besucher das neue Konzept ziemlich streng. „Aber wir sind nun mal nicht die besten Kumpel der Jugendlichen“, sagt Brandtner. „Wir haben hier einen klaren Auftrag. Wir bieten ein einzigartiges Beziehungsangebot, aus dem die Besucher viel ziehen können.“ Das funktioniere aber nur, wenn die Regeln für alle klar seien.

Das Jugendzentrum war für viele Kinder und Jugendliche so etwas wie ein zweites Zuhause. Hier konnten sie auch einfach mal abhängen, andere junge Leute treffen, und sie fanden immer ein offenes Ohr bei Sorgen und Problemen. Das alles muss sich nun erst einmal wieder etablieren. Die Besucherzahlen sind derzeit noch deutlich niedriger als vor der Schließung. Montags und dienstags, wenn die Türen für die Jugendlichen ab 16 Jahren offen stehen, kommen derzeit im Schnitt etwa 15 junge Leute. Mittwochs und donnerstags, wenn die Kinder eingeladen sind, sind es ungefähr zehn. „Hier müssen wir uns auch Vertrauen wieder erarbeiten und die Eltern überzeugen, dass ihre Kinder im Josefshaus gut aufgehoben sind“, sagt Brandtner.

Ehrenamtliche Hilfe sehr willkommen

Gemeinsam mit seinen Kolleginnen Jennifer Darkwah und Silvy Crnjawic und den weiteren Mitarbeitern will Brandtner das Angebot in der OT nun nach und nach ausweiten. „Im Mai werden wir wahrscheinlich den Freitag dazunehmen“, kündigt er an. Im Sommer dann soll es zur vollständigen Neueröffnung ein großes Fest geben. Die ganze Palette der bisherigen Angebote wird aber auch auf den Prüfstand gestellt. Schließlich ist die Jugendkultur vielfältig und wandelt sich schnell. Vielleicht müsse man auch Neues aufbauen, überlegt Brandtner. Ein Angebot im Bereich Neue Medien kann er sich zum Beispiel gut vorstellen im Josefshaus.

Miteinander überlegen will das Team auch darüber, ob Angebote und Öffnungszeiten noch genauer auf das Alter der Besucher zugeschnitten werden müssen. Bisher gibt es nur zwei Gruppen: die Sechs- bis 16-Jährigen und die 16- bis 27-Jährigen. „Da müssen wir auch mal gewohnte Denkmuster durchbrechen“, findet Brandtner.

Und schließlich möchte das Josefshaus einen neuen Stamm an jungen Leuten aufbauen, die ehrenamtlich mitarbeiten. Alle, die sich einen Eindruck vom Josefshaus verschaffen möchten, sind übrigens herzlich eingeladen an den Kirberichshofer Weg 6a, natürlich auch die Erwachsenen aus dem Viertel. „Offene Tür, das gilt nicht nur für Kinder und Jugendliche“, sagt Stefan Brandtner.
www.ot-josefshaus.de

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