Aachen: OB Marcel Philipp wehrt sich gegen Rufmord

Nichts dran an Gerüchten : Marcel Philipp empört über Verleumdungen

Seit Monaten kursieren in Aachen Gerüchte über das Privatleben von Marcel Philipp. Diese Rufmordkampagne ziehe inzwischen ungeahnt große Kreise, belaste zunehmend seine Familie, empörte sich am Montag Aachens Oberbürgermeister. Er zieht juristische Schritte in Erwägung.

Jetzt ist Schluss mit lustig. Immer mehr Aachener Bürger werden – ob an der Supermarkttheke beim Einkaufen, im Vereinsleben oder im Freundes- und Bekanntenkreis – mit rufschädigenden Gerüchten über das Privatleben von Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp konfrontiert. Dabei geht es um vermeintliche außereheliche Beziehungen und homophile Neigungen. Philipp ist seit 2002 verheiratet, seit 2009 OB und hat zwei minderjährige Kinder.

Die Gerüchte kursieren seit Monaten und haben im August mit Philipps überraschender Bekanntgabe, im kommenden Herbst 2020 nicht mehr für das Oberbürgermeister-Amt kandidieren zu wollen, offenbar noch größere Kreise gezogen. Am Sonntag hat Marcel Philipp nun im Rahmen der karnevalistischen Sessionseröffnung im Rathaus das sensible Thema – spontan, wie er sagt – aufgegriffen und vor 200 Jecken appelliert, doch „lieber miteinander als übereinander zu reden“. Es gab lang anhaltenden Applaus.

Philipp betont am Tag darauf im exklusiven Gespräch mit unserer Redaktion: „An den Gerüchten ist natürlich nichts dran, sie sind absurd.“ Er stecke seit geraumer Zeit in einem Dilemma: „Wie dementiert man etwas, das als Gerücht in der Stadt immer größere Kreise zieht? Wie dementiert man eine Story, die gar keine ist?“, fragt er. So sei er monatelang davon ausgegangen, dass diese Gerüchte quasi von selbst wieder von der Bildfläche verschwinden. Doch das Gegenteil war der Fall. „Ich habe im Mai, zwei Tage vor dem Karlspreis, das erste Mal von diesen Gerüchten gehört. Im Familien- und Freundeskreis haben wir darüber gelächelt und zunächst auch gelacht. Jeder wusste ja, dass da nichts dran ist“, erinnert sich Philipp.

„Aber ich habe augenscheinlich unterschätzt, welche Eigendynamik diese Verleumdungen entwickeln. Entweder, weil mir bestimmte Menschen bewusst schaden und mich verletzen möchten – oder weil Leute ganz unbedarft und unreflektiert irgendeinen Blödsinn, den sie von irgendwoher gehört haben, einfach weitererzählen“, sagt Philipp. Sein Einfluss, solchen Lügen Einhalt zu gebieten, sei gerade als Person, die in der Öffentlichkeit steht, begrenzt. Irgendwann sei dann der Punkt erreicht, an dem so ein Gerücht – egal, wie falsch es auch ist – nicht mehr einzufangen sei.

Als das Thema dann sogar auf dem Schulhof seiner Kinder ankam, habe er die Reißleine gezogen und sich erstmals öffentlich dazu geäußert. „Ich kann viel aushalten, das muss man in meinem Amt zuweilen auch. Aber es gibt Grenzen, und diese hier wurde gerade im Zusammenhang mit meiner Familie definitiv überschritten. Es reicht!“, sagt er. Und er verhehlt nicht, dass er auf die Suche nach den Köchen in der Gerüchteküche gegangen ist. „Wenn ich wüsste, wer der Urheber der Lügengeschichte ist, könnte ich sofort juristische Schritte einleiten. Und das würde ich auch tun“, macht der Oberbürgermeister unmissverständlich klar.

Er spricht von übler Nachrede, von Auswüchsen einer Rufmordkampagne, die seine Familie erheblich in Mitleidenschaft ziehen. Natürlich wüssten sowohl seine Familie als auch der Freundeskreis, dass die Behauptungen haltlos seien. „Und jeder, der mit uns zu tun hat und uns regelmäßig begegnet, weiß, wie haltlos diese Gerüchte sind. Meine Frau und ich verstecken uns doch nicht!“, sagt er. „Aber manchen Leuten geht es eben überhaupt nicht um die Wahrheit, manchen geht es ausschließlich um die Intrige.“ Nach dem Motto: Irgendwas wird da schon dran sein ...

Marcel Philipp legt im Gespräch mit unserer Zeitung Wert auf die Feststellung, dass er dankbar ist für persönliche Fragen, die ihm in diesem Zusammenhang persönlich von Freunden, aber auch von Bürgern gestellt wurden. „Ich wurde einige Male offen und seriös darauf angesprochen, und dann habe ich offen geantwortet, dass die Gerüchte Quatsch sind – ich dachte, das würde reichen, um diese Rufmord-Kampagne im Keim zu ersticken.“ Es reichte nicht.

„Das heißt aber nicht, dass ich nun bei jeder Gelegenheit auf diese leidige Nicht-Geschichte zu sprechen kommen werde. Die Situation beim Sessionsauftakt des Aachener Karnevals war spontan. Es war mir ein Bedürfnis, das loszuwerden, für Klarstellung zu sorgen. Und ich hatte danach das Gefühl, dass viele Zuhörer dankbar dafür waren, dass ich das so offen und ehrlich formuliert habe.“

Er wolle künftig nicht bei jedem Anlass, wenn er etwa als Oberbürgermeister einen Saal betrete, darüber nachdenken müssen, welche Gedanken gerade in den Köpfen der Anwesenden herumgeistern, erläutert Philipp. Auf seine Entscheidung, nicht mehr für das OB-Amt zu kandidieren, habe die Rufmord-Kampagne ohnehin keinen Einfluss gehabt.

Hinnehmen will er die Lügen jedenfalls nicht mehr. „Ich werde, wo immer das möglich ist, juristisch dagegen vorgehen. Das Maß ist voll“, wiederholt Philipp mit Nachdruck. Spätestens wenn die Familie unter Diffamierungen leide, höre der Spaß auf.