Aachen: NRW-Innenminister Herbert Reul eröffnet neues Präsidium

Neues Polizeipräsidium Aachen eröffnet : Ein Zuhause mit absolutem Vorbildcharakter

Aachener Polizeipräsidium offiziell eingeweiht

Wenn jemand ein neues Zuhause bezieht ist alles – neu. Eine neue Umgebung, neue Büros, neue Technik... Und eine neue Adresse. Das gilt natürlich auch für das neue Präsidium der Aachener Polizei. Von der Aachener Soers nach Brand – so die offizielle Lesart. Knapp vorbei ist aber auch daneben. Der Aachener Stadtteil Brand beginnt einige hundert Meter hinter dem Präsidium. Das Präsidium liegt im Stadtbezirk Aachen-Mitte. Nur so für’s Protokoll...

Natürlich hat man sich im Brander Bezirksamt gefreut, als Polizeipräsident Dirk Weinspach vor einiger Zeit seinen offiziellen Antrittsbesuch als quasi Neu-Brander machte. Auf gute Nachbarschaft, lautete das Motto. An dem natürlich keiner zweifeln mag. Aber Brander? Das sind die Nachbarn im strengen Sinne eben nicht.

Bei der offiziellen Eröffnung am Freitag der Behörde wird kein Ehrengast – und davon gab es ziemlich viele – die Feier verpasst haben, weil ihn das Navi fehlgeleitet hat. Unübersehbar ist der repräsentative Bau an der Kreuzung Trierer Straße/Debyestraße/Autobahn. Das ist durchaus Programm, wie Weinspach gestern – nachdem er gefühlte 989 Mal „sehr geehrte“ Menschen namentlich begrüßt hatte – betonte.

Vom eher verborgenen Standort am Stadtrand zum sichtbaren Zuhause am Tor zu Aachen. Oder: „Raus aus der zweiten Reihe.“ Man wolle „offen für die Bürger sein“, so Weinspach. Was sich nicht zuletzt auch dadurch ausdrückt, dass die Behördenkantine allen Bürgern offensteht – vegetarische Gerichte für 3,40 Euro, Stammgericht ein Euro mehr, Aktionsgericht zum gleichen Preis, „Sättigungs- und Gemüsebeilage“ täglich wechselnd...

Kärgliches Dominzil: Eine Gewahrsamszelle im neuen Präsidium. Foto: ZVA/Harald Krömer

Dass der neue Behördennebau durchaus Vorbildcharakter hat, betonte auch Innenminister Herbert Reul. Und entwarf ein gar gruseliges Bild von manch anderer Polizeiwohnstatt. „Nicht akzeptable Zustände“ würden in einigen Präsidien herrschen. „Da laufen sogar Ratten durchs Gebäude.“ Rund eine Milliarde Euro sei nun bewilligt, um der Polizei in Sachen Arbeitsstätte ins 21. Jahrhundert zu helfen. „Da ist viel zu tun.“

Umso wohltuender sei es, in Aachen wirklich Vorbildliches präsentieren zu können. Aus polizeifachlicher Sicht sei das „das Beste, was wir zu bieten haben“. Ein Haus für rund 1200 Kolleginnen und Kollegen, technisch auf dem neuesten Stand, mit modernsten Bedingungen für alle Spezifikationen des Polizeiberufs. Es sei normal, dass es nach dem Umzug an der einen oder anderen Stelle noch hake – Stichwort: zu wenig Parkplätze. Aber die Polizei trete stets an, um Lösungen zu finden. Das werde ihr im eigenen Haus auch gelingen.

38 Jahre hat die Polizei von der Soers aus das polizeiliche Geschehen in der Stadt und in den angrenzenden Kommunen gesteuert. Der Bau hat längst ausgedient, ein Umzug war überfällig. Den abzuwickeln galt als Mammutaufgabe, die laut Reul und Weinspach mit allen öffentlichen und privaten Partnern ideal erledigt wurde.

Knapp drei Jahre Bauzeit für 22.500 Quadratmeter Nutzfläche, für Büros, Gewahrsamszellen, Teeküchen, Verhörräume und, und und gelten als Rekord. Was gerade bei Projekten mit Behördenbeteiligung bemerkenswert ist: Der Kostenrahmen von rund 60 Millionen Euro wurde nicht überschritten. Gebaut hat das Präsidium der Essener Konzern Hochtief, die Polizei ist in Forst nur Mieter.

Das Herzstück: Blick in die Leitstelle, in der die Einsätze koordiniert und gesteuert werden. Foto: ZVA/Harald Krömer

Dass die Aachener Behörde in Sachen Modernität ganz vorne sein will, dokumentierten am Freitag auch brandneue Elektroautos aus einer Aachener Kfz-Schmiede. Der „e.GO“ mit Blaulicht – da zeigte sich Bürgermeisterin Margrethe Schmeer schwer beeindruckt. Sie versprach, auch einmal – wenn es dann so weit sei – mit dem „Elektro-Smart“ vorbeizuschauen. Der anwesende „e.GO-Erfinder“ Professor Günther Schuh wird den modelltechnischen und ganz und gar kfz-unpartriotischen Ausrutscher der OB-Vertreterin wohl galant verzeihen. Hauptsache Elektro!

Die Eingewöhnungsphase ist für die meisten Kolleginnen und Kollegen abgeschlossen, das Präsidium, so heißt es, funktioniert. Man muss sich noch an diese und jene Kleinigkeit gewöhnen. Zum Beispiel an die Adresse, Trierer Straße 501 im Stadtbezirk Aachen-Mitte, nahe Brand...

Auch die Polizei setzt auf E-Mobilität: Ein e.G0 mit Blaulicht aus Aachener Kfz-Produktion. Foto: ZVA/Harald Krömer
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