Aachen: Neuer Anstrich soll Schmierereien abwehren

Wisch und weg : Im Kampf gegen Graffiti und Aufkleber

Graffiti und Aufkleber adé? Speziallack könnte Aachen sauberer machen

Pilotversuch in Aachener Einkaufsstraße: Eine neuartige Silikonschicht soll Laternen vor Graffiti und Aufklebern schützen. Andere Mittel haben versagt.

Scheuern, schmirgeln, schrubben: Um Schmierereien, Grafitti und ungezählte Aufkleber von Laternen, Bänken und Stromkästen im Stadtbild zu entfernen, hilft meist nur eine verschärfte Gangart der Stadtreinigung. Wenn überhaupt. Und während der Handwerker die Kurve des Laternenmastes kratzt, sind die Schmierfinken längst ausgeflogen.

Frustrierend – zumal selbst sorgfältigst gesäuberte Bereiche schnell wieder verdreckt sind. Das soll sich ändern. Die Aachener Wirichsbongardstraße schickt sich an, die sauberste Einkaufsmeile weit und breit zu werden. Dank eines neuen Wundermittels, das nicht nur Graffiti und Tags – also Schriftzüge und Zeichen – per Waschlappen wegwischen lässt, sondern sogar gegen Aufkleber immun sein soll.

„Auf unserem Anstrich hält nichts. Ein starker Regenguss – und alles ist wieder sauber“, sagt Dany Ward. Er ist in Aachen Projektleiter, hält hier die Lizenzen für das Produkt. Das Pilotprojekt in Aachen umfasst zunächst 26 große Laternenmasten und einen stationären Rotlichtblitzer – im Volksmund Starenkasten – auf der Aachener Wilhelmstraße. Alles war komplett beschmiert und beklebt, wurde in tagelanger Arbeit erst gründlich gesäubert und dann mit der Emulsion behandelt. Partner des Pilotversuchs sind die Stadt Aachen und der Energieversorger Stawag.

Ein neues Mittel gegen Graffiti und Aufkleber? Rotlichtblitzer und Laternenmasten werden in Aachen präpariert. Foto: Andreas Steindl

„Die von Wissenschaftlern entwickelte Silikonschicht ist so dicht, dass nichts eindringen kann und deshalb nichts darauf hält“, erläutert Ward. Unter der transparenten Oberflächenschicht ist jede Grundfarbe möglich. Gut hundert Euro dürfte der Schutzanstrich einer Laterne dem Vernehmen nach kosten. Wards Firma vertreibt diverse Gele und Mittel gegen Graffiti, entwickelt hat die Firma diese nicht selbst.

So funktioniert der „Teflon-Effekt“: Im Unterschied zur handelsüblichen Graffiti-Prophylaxe finden Farben laut Ward überhaupt keine Haftung. Die Farben ziehen sich wegen der extrem hohen Oberflächenspannung in Kügelchen zusammen. Kaltes Wasser lässt alles abperlen.

Dany Ward ist für das Projekt in Aachen zuständig. Foto: Andreas Steindl

Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig, sogar Taubenkot soll der Anstrich abwehren. Auf Parkbänken, an Ampelanlagen, Zäunen, Garagentoren, Hauswänden – nahezu alles scheint möglich. In Köln wurden in einem ersten Feldversuch vor einem Jahr 1700 Masten erfolgreich mit dem Schutzanstrich präpariert.

Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU) begrüßt das Vorhaben: „An der Sauberkeit der Stadt zu arbeiten, ist ein kontinuierlicher Prozess. Mir liegt sehr daran, über Aktionen wie den jährlichen ,Frühjahrsputz‘ möglichst viele Bürgerinnen und Bürger für das Thema zu sensibilisieren und sie einzubinden“, sagt er. Und er betont: „Wir identifizieren immer wieder technische Möglichkeiten und Verbesserungen unserer Prozesse. Dazu zählen auch Versuche mit abweisenden Beschichtungen.“ Man habe zudem die Müllbehälter in der Innenstadt in einen dauerhaft saubereren Zustand gebracht, ein Team für die Reinigung von Ampelmasten eingesetzt, die Schaltkästen auf Bürgersteigen in einer Kombination aus Werbefläche und Sauberhaltung vertraglich gesichert und nicht zuletzt die Reaktionsfähigkeit im Stadtbetrieb weiter verbessert. In einigen Stadtviertel sind sogar städtische Reinigungskräfte auf Elektrofahrrädern im Einsatz. 200.000 Euro hat die Politik zuletzt für ein zusätzliches Reinigungsteam im Aachener Haushalt bereitgestellt.

Aufkleber und Grafitti in Aachen werden aufwendig per Hand entfernt. Foto: ZVA/Robert Esser

Stawag-Sprecherin Eva Wußing hofft auf einen Durchbruch, bleibt aber vorsichtig: „Wir testen schon seit einigen Jahren verschiedene Methoden, um Straßenlaternen zu schützen. Dazu haben wir bereits eine Handvoll Anbieter beauftragt, die auf eine nachträgliche Lackierung setzen. Nach einigen Jahren zeichnete sich dann allerdings vielfach ab, dass der Lack fleckig wird und die Optik leidet. Auch lässt die Wirkung der Schutzschicht dann nach“, erklärt sie. „Ob das neue Verfahren erfolgreich ist, werden wir intensiv beobachten“, sagt Wußing. Dann wäre eine ganze Stadt ohne Schmierereien und Aufkleber machbar.

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