Aachen: Neue Ideen für stationären Einzelhandel

Einzelhandel in der Krise : Dahmengraben ist schon gratis zu haben

Der sogenannte „Ideenraum“ in einem verwaisten Einzelhandelslokal am Dahmengraben will kreatives Potenzial für die ehemals florierende Einkaufsmeile sammeln. Eine Belebung zu günstigen Preisen scheint jetzt möglich.

So düster scheint die Perspektive gar nicht. Auf einer tiefschwarzen Wand kann nun jeder Bürger seine Wünsche und Ideen für den Aachener Einzelhandelsstandort notieren, der unter vielen leerstehenden Geschäftslokalen in der City und sinkenden Kundenströmen leidet. Denn in einem dieser verwaisten Geschäftslokale, am Dahmengraben 3-5, hat der Aachener Projektentwickler Landmarken AG – unter anderem Eigentümer des alten Hortenhauses, das bis 2020 umgebaut wird – nun einen Pop-up-Store namens „Ideenraum“ eröffnet.

„In Kooperation mit dem Lehr- und Forschungsgebiet Immobilienprojektentwicklung der RWTH Aachen University wollen wir dort Ideen entwickeln, den Dahmengraben zu beleben“, erklärt Landmarken-Sprecher Kolja Linden. „Dazu haben Architekturstudierende das Ladenlokal so umgestaltet, dass zum Beispiel junge Aachener Entwickler, Designer und weitere Kreative ihre Produkte anbieten können“, sagt er. Nicht zuletzt einige Projektentwickler, Großinvestoren und finanzstarke Immobilieneigentümer hatten allerdings in den vergangenen Jahren erst durch extrem überzogene Mietforderungen dafür gesorgt, dass viele potenzielle Einzelhändler vertrieben wurden. Vereinzelt wurden Quadratmetermieten von bis zu 100 Euro verlangt, inzwischen sind kaum noch 20 Euro realisierbar – zuweilen weniger. Oder auch gar nichts.

Wer in diesen Tagen über den Dahmengraben schlendert, der im Herbst dieses Jahres nach einer Studie der Initiative Aachen erstmals als „einzelhandelsrelevanter Bereich“ von der Stadtkarte gestrichen wurde, erlebt aber nicht nur wegen des neuen Pop-up-Formats eine Art „Wiederauferstehung“ der früher florierenden Fußgängerzone. Gleich mehrere Läden feierten jüngst Neueröffnung.

Drei Beispiele: Pierre André Schillings richtete an der Ecke Dahmengraben/Holzgraben für sein Aachener Modelabel Neyo ein Geschäft ein. Die Vermieterin verzichtet bis zum Jahresende auf jegliche Miete. Belebung statt langer Leerstand. Ähnlich läuft es für Katia Moustafa in ihrer neuen Boutique Diosa am Dahmengraben 22. Hier standen die Räume ähnlich lange leer. Jetzt wurde mit dem Eigentümer des Hauses ein Einjahresmietvertrag mit besonders günstigen Konditionen ausgehandelt. Und auch hier vermittelte der städtische Wirtschaftsförderer Herbert Kuck: „Bis auf wenige Ausnahmen haben die Eigentümer erkannt, dass Mondpreise längst nicht mehr realisierbar sind. So können wir Interessenten und Vermieter erfolgreich an einen Tisch bringen. Dass es ab 2020 im ehemaligen Hortenhaus einen neuen Kundenmagneten geben wird, ist natürlich mit ausschlaggebend.“ sagt er. Er hofft, dass dieser Aufwind nicht zu einer neuen Mietpreisspirale führt. „Das wäre fatal.“ Bei gut sieben Prozent hat sich die Leerstandsquote für Aachener Einzelhandesimmobilien eingependelt. Entlang des Holz- und Dahmengrabens stehen derzeit sechs Ladenlokale leer; es waren schon mal doppelt so viele. „Die Tendenz stimmt, da müssen wir dranbleiben“, betont Kuck. Was angesichts der bevorstehenden Großbaustelle im alten Horten-Kaufhaus und neben dem ungelösten Büchel-Problem als Herausforderung gilt. Trotzdem passiert auch gegenüber dem abrissreifen Parkhaus Positives. Heike Tilke hat dort gerade einen Pop-up-Store eröffnet: „little something“ heißt ihr Geschäft, vor allem mit Mode, Möbel und Accessoires für die kleinsten Aachener.

Es geht um Kreatives, Individuelles. Janina Lambertus vom Pop-up-Store „Ideenraum“ setzt auf solche Konzepte. „Wir hoffen auf viele Impulse, können aber auch direkt Geschäftslokale vermitteln“, sagt sie. Kritik ist ebenso willkommen. Auf schwarzer Wand, mit weißer Kreide.

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