Aachen: Musikhochschule führt Offenbach-Revue „Paar de Deux“ auf

Zum 200. Geburtstag des Komponisten : Pfiffige Hommage an Jacques Offenbach

Der 200. Geburtstag Jacques Offenbachs geht auch an der Aachener Musikhochschule nicht spurlos vorüber. Zwar nicht so aufwändig wie im benachbarten Theater mit der „Großherzogin Gerolstein“. Aber mit ihrer Offenbach-Revue „Paar de Deux“ im prall gefüllten Innenhof der Hochschule trafen die Studenten den Esprit, aber auch den hintergründigen Ernst der scharfzüngigen Stücke besser als die Theaterleute mit der „Großherzogin“.

Dafür reichten zwei tüchtige Sängerdarsteller, ein pfiffiges Konzept, ein Klavier und, für den Vollblutcellisten Offenbach selbstverständlich, ein Violoncello. Das erinnert an die ersten, bescheiden ausgestatteten Einakter Offenbachs, bei denen die Bühnenwirksamkeit nicht aus Glanz und Glimmer bezogen werden konnte, sondern aus Spielwitz, Spontanität und Originalität.

Und diese Qualitäten stehen auch auf der Ausbildungs-Agenda von Tobias J. Lehmann, dem Dozenten für szenische Gestaltung, an oberster Stelle. So schuf er eine kleine Rahmenhandlung um das zwischen Deutschland und Frankreich zerrissene Leben des Komponisten und fütterte es mit etlichen Kompositionen des gebürtigen Kölners aus meist weniger bekannten Werken. Natürlich durften auch hier der „Galop Infernal“, der bekannte „Can Can“ aus „Orpheus in der Unterwelt“, und die „Barcarole“ aus den „Rheinnixen“ bzw. „Hoffmanns Erzählungen“ nicht fehlen. Es überwogen aber Raritäten, mit denen einige Aspekte aus Offenbachs Leben meist unterhaltsam, teilweise auch nachdenklich reflektiert wurden.

Das gelang im zweiten Teil des Programms noch überzeugender als im ersten, etwas willkürlich zusammengestellten Block. So zeigen die überdrehten Lobeshymnen auf das Soldatenleben in dem Lied „Der Werbeoffizier“ und der Auftrittsarie der „Großherzogin von Gerolstein“ schnell ihre Zähne und entpuppen sich als pazifistische Plädoyers. Angesichts des Deutsch-Französischen Kriegs, der die nationale Identität des Deutsch-Franzosen in eine Krise stürzte und dessen Ausgang Offenbachs erfolgreiche Höhenflüge abrupt beendeten, war das nachdenkliche Lied „Das Deutsche Vaterland“ auf den Text von Hermann Hersch angebracht.

Trübsal wurde dennoch nicht geblasen. Es ging weiter mit skurrilen Hymnen auf den Segen des Eintopfs aus „Robinson Crusoe“ und lockeren Trinkliedern aus „La Périchole“ und dem „Pariser Leben“.

Die Sopranistin Désirée Werlen und der Bartion Konstantin Paganetti wechselten virtuos aus den Rollen von Offenbach und seinen Frauen in die verschiedenen Bühnenfiguren und spielten mit einer spontan wirkenden Lockerheit und entwaffnender jugendlicher Frische. Dass sie den meist anspruchsvollen Gesängen auch stimmlich gerecht wurden, rundete den vergnüglichen Abend würdig ab. Unterstützt von Amarilis Dueñas Castán auf dem Violoncello, das in den von Stefan Irmer geschickt eingerichteten und einstudierten Arrangements viel zu leisten hat, und der aufmerksam begleitenden Pianistin Atsuko Ota.

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