Aachen: Modehaus Appelrath-Cüpper bleibt trotz schwierigem Umfeld

Aachen : Appelrath-Cüpper nicht mehr so flüssig

Große Kreditversicherer ziehen sich zurück, aber das nicht mehr ganz so flüssige Bekleidungshaus Appelrath-Cüpper will am Gründungsstandort Aachen festhalten. Das Umfeld in der Großkölnstraße wird schwieriger.

Wenn ein Modehaus den Gürtel enger schnallen muss, kann das schwerwiegende Folgen haben. Und das sieht manchmal unglücklich aus. Im Fall Appelrath-Cüpper hat das Fachmagazin „TextilWirtschaft“ über den Rückzug von zwei großen Kreditversicherern berichtet, was zu finanziellen Engpässen führt. Dementiert wird das nicht. Fatale Gerüchte machen die Runde. Der Spezialist für Damenmode ist nicht mehr so flüssig.

Derzeit unterhält Appelrath-Cüpper noch 15 Häuser in Deutschland – unter anderem in Dresden, Hamburg und Frankfurt. Gegründet wurde das renommierte Textilhaus im Jahr 1882 in Aachen. Damals starteten der junge Reiner Appelrath und seine Frau Nettchen, geborene Cüpper, die Unternehmensgeschichte an der Großkölnstraße. Inzwischen wird die Modekette längst aus der Kölner Zentrale gelenkt, seit 2016 gehört die Kette komplett der britischen Beteiligungsgesellschaft OpCapita. Die Aachener Filiale an der Großkölnstraße 20-28 existiert nach wie vor. Der Beiratsvorsitzende der Modehaus-Kette, Armin Fichtel, gab sich auf Anfrage unserer Zeitung optimistisch: „Für das Aachener Haus sehe ich trotz diverser Probleme eine gute Zukunft“, sagt er. „Wir sind mit dem Standort sehr zufrieden – auch wenn umliegende Baustellen und der Umzug von ,Sinn’ sicher in kommender Zeit für ein schwieriges Umfeld sorgen“, räumt er ein. Das rund 2000 Quadratmeter große Einzelhandelsgeschäft für die „gepflegte Frau ab 35“ hatte man erst 2008 umfassend renoviert.

Allerdings leidet auch Appelrath-Cüpper seit einigen Jahren unter stagnierenden Zahlen, nicht nur wegen des Booms im Online-Handel. Das jüngste Jahresabschlussergebnis lag unter den Erwartungen. Man will sich neu aufstellen, das Sortiment schärfen, Stammkunden präziser ansprechen. Und man suchte einen neuen Geschäftsführer für die Kette. Ein nahezu gleichzeitiger Rückzug von Kreditversicherern gilt indes als Misstrauensvotum. Wenn der Eigentümer OpCapita nun kein Kapital nachsteuert, kann die geschäftliche Situation für die Modehauskette schnell ungemütlich werden. Fichtel ist dennoch von einer möglichen Trendwende überzeugt. Dafür spreche auch, dass bislang alle Lieferanten dem Traditionshaus die Treue hielten, heißt es.

Der Aachener Großkölnstraße halten allerdings immer weniger Modehäuser die Treue. Zuletzt räumten die Schuhhäuser Dietrich und Walmrath die Schaufenster leer. Die Boutique „La Strada“ verabschiedete sich Richtung Krämerstraße. „Schlips & Kragen“ macht ebenfalls dicht – und der Umzug von „Sinn“ in das ehemalige „Lust for Life“ ist für das Jahr 2020 avisiert, vielleicht ein Jahr später. Vorher muss das ehemalige Hortenhaus nämlich noch umfassend umgebaut werden. Schon in diesem Frühjahr sollen die betagten Horten-Kacheln von der Fassade gerissen werden.

Aber es gibt auch sehr ermutigende Zeichen entlang der ehemals florierenden Einkaufsstraße. So investiert die Unternehmensgruppe List gerade – anstelle der abgerissenen ehemaligen Peek & Cloppenburg-Immobilien – in einen Hotelneubau mit Einzelhandelsflächen im Erdgeschoss. Das ehemalige Kino in unmittelbarer Nachbarschaft von Appelrath-Cüpper soll bald einem Wohnhaus weichen. Und unterhalb der Großkölnstraße florieren die Geschäfte rund um die Hotmannspief. Da investiert etwa Einzelhändler Frank Wienand in sein Modehaus hohe Summen, erweitert die Verkaufsflächen auf rund 900 Quadratmeter für hochwertige Männermode. Im Umfeld steht keine einzige Einzelhandelsfläche leer. Bloß die Verbindung Richtung Markt – die Großkölnstraße – bleibt noch ein Sorgenkind. Trotz beschriebener positiver Signale. Wenn es nach Appelrath-Cüpper geht, will man hier bald wieder „dick“ im Geschäft sein. Auch wenn bei „Sinn“ gegenüber die Lichter ausgehen und ein Großteil der Kundschaft wegen der mindestens einjährigen Schließung des Parkhauses Mostardstraße bald längere Fußwege in Kauf nehmen muss. Laufen ist schließlich ebenfalls in Mode.

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