Aachen: Millionen-Umbau in der Innenstadt startet kommende Woche

Stadtentwicklung : Der Abbruch der Hortenhülle läuft jetzt an

Nur einen Steinwurf entfernt gingen Projektentwicklern rund um die Antoniusstraße die politischen Rahmenbedingungen so sehr gegen den Strich, dass sie die Brocken hinwarfen. Zwei Großinvestoren zogen sich gerade erst enttäuscht aus dem Projekt „Neugestaltung des Büchel-Quartiers“ zurück. Ab der kommenden Woche zeigt einer der beiden, die Aachener Landmarken AG, wie man nebenan Nägel mit Köpfen macht.

Dann beginnt die Runderneuerung des früheren Horten-Kaufhauses (ehemals „Lust for Life“) an der Komphausbadstraße in Aachen. In der exakt 18.473 Quadratmeter großen Immobilie im Stadtzentrum starten die Abbruch- und Entkernungsarbeiten – ein Mammutvorhaben. Die Fertigstellung des Millionen Euro teuren Umbaus ist für 2020 geplant.

Einzelhandel leidet

„Die Anlieger rund um die wichtige innerstädtische Projektentwicklung wurden bereits informiert“, erklärt Landmarken-Sprecher Kolja Linden am Freitag. Es wird laut, und womöglich auch dreckig. Vor allem aber soll die Immobilie, die seit Juni 2017 leer steht, jetzt schnell ein echtes Schmuckstück mit viel Anziehungskraft werden. Der darbende Einzelhandel im Umfeld kann das gut brauchen. Gefragt sind stärkere Kundenfrequenzen entlang des Dahmengrabens; das wiederum würde weitere Händler in leer stehende Ladenlokale locken.

So soll der neue Baukörper aussehen. Der Entwurf stammt von „kadawittfeldarchitektur“. Foto: landmarken/landmrken

Es ist ein Schlüsselprojekt für die Einkaufsstadt Aachen: „Das ehemalige Horten-Haus erhält ein völlig neues, ein offenes Erscheinungsbild und wird künftig unterschiedlichen Nutzungen dienen“, erläutert Linden. Das Bekleidungshaus „das macht SiNN“ zieht ins Erdgeschoss und in die ersten beiden Obergeschosse mit einem sogenannten Flagshipstore. In den oberen beiden Etagen entstehen hingegen Büros. In diese wird die Landmarken AG, die das Projekt entwickelt und derzeit in den Karmeliterhöfen residiert, selbst einziehen. Die Zeichen stehen auf Expansion.

Zurück zur Baustelle: Der Umbau beginnt mit dem Abbruch des Vordachs am Bädersteig und der Komphausbadstraße, wie Linden mitteilt. Im Anschluss startet die Entkernung im Innenraum des ehemaligen Kaufhauses sowie der früheren Gastronomiefläche an der Komphausbadstraße. Nach außen hin deutlicher sichtbar wird die Veränderung gegen Ende der ersten Jahreshälfte 2019. Dann fällt die graue, ehemalige Hortenfassade mit den typischen Kacheln in Wabenstruktur, die übrigens nicht unter Denkmalschutz stehen – dann wird das Gebäude komplett bis auf den Rohbau entkleidet. Dafür muss die Immobilie aber noch von oben bis unten eingerüstet werden. Dies hat auch für das Umfeld Folgen. „Davon betroffen sind ein Teilbereich der Fußgängerzone am Bädersteig sowie der Bürgersteig an der Komphausbadstraße, wo der Fußgängerverkehr auf die Seite des Alten Kurhauses geleitet wird. Dort wie auch an der Mefferdatisstraße werden für die Dauer der Arbeiten auch einige Parkplätze wegfallen“, erklärt der Landmarken-Sprecher. Aber: Einschränkungen für den fließenden Autoverkehr soll es nicht geben.

Fahrt aufnehmen soll stattdessen der Baufortschritt: Für die zweite Jahreshälfte 2019 plant die Landmarken AG die Rohbauarbeiten. Anfang des Jahres 2020 soll die neue Fassadengestaltung Form annehmen. „Dann wird die von ,kadawittfeldarchitektur’ entworfene, offene Architektur sichtbar, die mit einem ganz neuen Antlitz die bisherige Verschlossenheit des Gebäudes aufbrechen wird“, beschreibt Linden. Offener, großzügiger, mehr natürliches Licht: Zudem soll nach den Ideen des Architekten-Teams rund um Gerd Wittfeld und Projektleiterin Denise Venghaus ein großer Lichthof in die dritte und vierte Etage eingeschnitten werden.

Abweisende Schale fällt

„Das Haus wird aus seiner doch eher abweisenden Schale befreit und wertet mit seiner attraktiven und viel durchlässigeren Fassade und der neuen Nutzung den Stadtraum um Komphausbadstraße und Bädersteig auf“, betont Landmarken-Vorstand Jens Kreiterling.

Bleibt die denkmalgeschützten Rosenquelle im Kellergeschoss: Sie wurde ab dem Jahr 1632 für das historische Rosenbad genutzt und  versorgt die Carolus Thermen mit 45 Grad Celsius heißem Wasser. 43 Kubikmeter sprudeln pro Stunde. Den Energieüberschuss könnte man nun nutzen, um über Wärmewandler ein modernes Klimasystem zu speisen. Überlegt wird auch, die Quelle, die derzeit im Verborgenen sprudelt, über eine entsprechende Innenarchitektur wieder sichtbar zu machen.

So könnte dies alles buchstäblich nachhaltig in Mode kommen. Der bereits unterzeichnete Mietvertrag mit der Sinn GmbH läuft laut Landmarken AG ab Fertigstellung des Gebäudes. Der Einzug des Modehauses, das dann über rund 10.000 Quadratmeter Verkaufsfläche verfügt, ist für das zweite Halbjahr 2020 vorgesehen. Dann verlässt Sinn 5500 Quadratmeter am derzeitigen Sitz an der Ecke Großkölnstraße/Mostardstraße. Dort klafft dann die nächste große Lücke im Aachener Einzelhandel – ebenso bloß einen Steinwurf entfernt.

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