Aachen: Mensaessen in Schulen nicht einheitlich

Verpflegung in der Schule : Schüler der 4. Gesamtschule fordern Rückkehr zum Bioessen

Die Schüler der 4. Gesamtschule sind sich einig: Sie wollen, dass in der Mensa wieder ausschließlich Bioessen verkauft wird, und haben entsprechende Unterschriften der Stadt vorgelegt. Die ist an der Sandkaulstraße seit anderthalb Jahren offiziell für die Schulverpflegung zuständig. Ein Modell, das Schule machen soll.

Etwas Geduld und Stehvermögen müssen die Schüler der 4. Gesamtschule zu Stoßzeiten schon mitbringen. Dann kann es ein bisschen dauern, bis die Schlange vor der Essenausgabe in der Mensa abgearbeitet und der Teller mit dampfendem Essen gefüllt ist. An diesem Vormittag stehen Gulasch mit Kartoffeln und asiatische Nudeln mit Gemüse auf dem Speiseplan. 3,90 Euro lassen sich das die Kinder – beziehungsweise deren Eltern – kosten. Nach Ansicht von Charley Schiller, 19, und Johanna Adam, 16, könnten es auch gerne ein paar Cent mehr sein – wenn das Essen dann wieder Bioqualität hätte.

Mit dieser Ansicht sind die beiden Oberstufenschülerinnen nicht allein. Wie groß der Zuspruch der Schüler von Aachens jüngster Gesamtschule für eine Rückkehr zum Bioessen in der Mensa ist, weiß Schuldezernentin Susanne Schwier ganz genau. Ihr übergaben Schiller und Adam jüngst im Schulausschuss einen mehrere Zentimeter dicken, prall gefüllten braunen Briefumschlag mit 500 bis 600 Umfragebögen. Allesamt ausgefüllt von Schülern und Eltern der 4. Gesamtschule, die ihre Meinung zur Ernährung im Allgemeinen und zum Essen in der Gesamtschule im Speziellen kundtun. Der Tenor ist nach Angaben von Schülervertreterin Schiller eindeutig: „Mehr als 90 Prozent der Befragten wollen zurück zum Bioessen.“ Auch die Schulpflegschaft habe sich geschlossen hinter das Anliegen gestellt, berichtet Schiller – selbst wenn das Essen dann etwas teurer werden sollte.

„Ein Stilbruch“

Die Petition der Schüler ist das Ergebnis eines Projektkurses, den die Schüler noch im vergangenen Schuljahr im Rahmen der „Global Goals“, der globalen Ziele, durchgeführt haben. „Unsere Schule befasst sich intensiv mit den ‚Global Goals’, und dabei geht es auch um Nachhaltigkeit. Bioessen ist besser für die Umwelt und für die Gesundheit“, sagt die 16-jährige Johanna Adam. Auch Irmgard Schick, Koordinatorin für Bildung für nachhaltige Entwicklung an der 4. Gesamtschule, unterstützt die Schüler: „Wir beschäftigen uns intensiv damit, wie man eine nachhaltige und faire Zukunft vorbereitet. Es ist ein Stilbruch, wenn man das im eigenen Haus nicht lebt.“

Haben eifrig Unterschriften gesammelt: Die Oberstufenschülerinnen Johanna Adam (links) und Charley Schiller wollen wieder Bioessen in der Mensa der 4. Gesamtschule haben. Foto: Harald Krömer ZVA/HARALD KROEMER

Dass die entsprechenden Umfragebögen bei der städtischen Schuldezernentin auf dem Tisch gelandet sind, liegt daran, dass die Stadt seit gut anderthalb Jahren offiziell Vertragspartnerin für das Catering an der Gesamtschule ist. Damals ging der ehrenamtlich tätige Mensaverein pleite, der bis dato die Versorgung der Schüler organisiert hatte und das Essen vom Studierendenwerk liefern ließ – Bioqualität inklusive.

Wenn man die Schulverpflegung in Aachen betrachtet, findet man einen Flickenteppich vor. Der Mensabetrieb ist nicht einheitlich geregelt und wurde lange Zeit weitgehend den Schulen selbst überlassen. Manche arbeiten mit freien Trägern zusammen. Oft kümmern sich Eltern in Mensavereinen oder über den Förderverein der Schule um den Mensabetrieb – womit man schnell in einer rechtlichen Grauzone landet. Denn Schulgebäude und Innenausstattung gehören dem Schulträger, also der Stadt Aachen. In der Vergangenheit soll es deshalb dem Vernehmen nach immer wieder zu Schwierigkeiten gekommen sein, etwa, weil nicht einwandfrei zu klären war, wer für Reparatur- und/oder Wartungsarbeiten verantwortlich ist.

Caterer nutzt Räume kostenfrei

Mit der Stadt als Vertragspartnerin sind die Zuständigkeiten nicht nur geklärt und vertraglich festgelegt. Die Schulen werden organisatorisch auch entlastet, weil sich die Stadt um die Ausschreibung kümmert. Welche Vorteile dieses Verfahren darüber hinaus hat, soll die Evaluation des Pilotprojekts rund um die Mensa-Verpflegung der drei Aachener Realschulen zeigen, die aktuell von der Verwaltung vorbereitet wird. Die Stadt hatte zum vergangenen Schuljahr für die Hugo-Junkers-Realschule, die Alkuin-Realschule und die Luise-Hensel-Realschule einen gemeinsamen Caterer beauftragt – per Dienstleistungskonzession. Dieses Modell sieht vor, dass der Caterer die Räume kostenfrei nutzt, dafür aber den gesamten Verpflegungsbetrieb inklusive Essensausgabe und Bezahlsystem organisiert. „Ein erstes Fazit im Rahmen des Pilotprojektes ist, dass das Engagement des Schulträgers seitens der Schulen sehr begrüßt wird“, teilt Heinrich Brötz, Leiter des Fachbereichs Kinder, Jugend und Schule, mit. „Dies möchten wir auch zukünftig sicherstellen und vertiefen.“ Die Evaluation des Pilotprojektes soll noch in diesem Jahr der Politik vorgestellt werden. Die dann wohl entscheiden soll, ob das Modell Schule macht.

Einigen Schulen wäre das wohl nur allzu recht. Fünf Schulen hätten bereits Interesse geäußert, dass die Stadt die Organisation der Mensaversorgung übernimmt, heißt es seitens der Verwaltung. Zum laufenden Schuljahr hatte die Stadt bereits die Ausschreibung für das Schulzentrum Laurensberg übernommen. Dort stellte der bisherige Caterer nach knapp 27 Jahren altersbedingt den Mensabetrieb ein. Wichtige Voraussetzung für die Heinrich-Heine-Gesamtschule und das Anna-Frank-Gymnasium war, dass auch weiter frisch in der Schule gekocht wird. Damit ist die Stadt Aachen schon jetzt Vertragspartnerin für vier Schulen. Tendenz womöglich steigend.

Ob an der 4. Gesamtschule der Anteil des biologisch erzeugten Mittagessens steigt, ist zum aktuellen Zeitpunkt noch unklar. Der zweijährige Vertrag mit dem Caterer läuft bis Ende des Schuljahres und wurde mit einer Option auf Verlängerung geschlossen. Da dieser Vertrag erfüllt wird – schon jetzt ist ein gewisser Anteil an Bioprodukten verpflichtend –, will die Verwaltung zunächst prüfen, was sich die Schule wünscht und ob eine erneute Ausschreibung erfolgen wird. Denn bereits bei der derzeitigen Ausschreibung wurde das Angebot von Bio-Produkten in einigen Punkten berücksichtigt. „Aufgrund der Initiative der 4. Aachener Gesamtschule wird der Fachbereich nun prüfen, inwieweit diese Kriterien vertieft oder erweitert werden können. Hierdurch können Anbieter von Bio-Produkten konkurrenzfähiger werden“, so Brötz. Aber: „Der Preis wird weiterhin ein wichtiges Kriterium, da die Schulverpflegung auch bezahlbar sein muss.“

Mehr von Aachener Nachrichten