Aachen meldet steigende Unfallzahlen, aber weniger Verkehrstote

Unfallstatistik 2018 : Für Radfahrer war Aachen auch 2018 ein gefährliches Terrain

Der nicht enden wollende Supersommer 2018 schlägt sich allem Anschein nach auch in der Verkehrsunfallstatistik nieder. Das jedenfalls vermutet der Aachener Polizeipräsident Dirk Weinspach, der am Mittwoch die Zahlen für Aachen und die Region vorstellte.

Die vielen Sonnentage lockten erfreulicherweise bis in den November hinein deutlich mehr Menschen als üblich aufs Rad. Doch zugleich stieg auch die Zahl der verunglückten Radfahrer.

Die Radfahrer gehören damit zu jener Risikogruppe, die der Polizei – neben den Kindern – weiterhin die größten Sorgen bereiten. 62 verunglückte Radfahrer mehr als im Vorjahr bedeutet eine der deutlichsten Steigerungen in der gesamten Region. Vor allem aus den auffallend hohen Unfallzahlen in den Herbstmonaten schließen Fachleute wie Svende Friedrichs, Leiterin der Direktion Verkehr, dass die lange Saison einen gewichtigen Anteil an dieser Entwicklung hat.

Hinzu komme aber auch der anhaltende Trend zu den Pedelecs, die gerade auch ältere, aber oftmals auch ungeübtere Fahrer für sich entdecken. Nicht nur ihnen fällt es vielfach schwer, die Geschwindigkeit der motorgestützten Räder richtig einzuschätzen, auch Autofahrer haben damit zu kämpfen. Fehler beim Abbiegen, Vorfahrtmissachtung, Wendemanöver, Aussteigesituationen oder das Anfahren vom Fahrbahnrand sind die häufigsten Ursachen für Unfälle mit verletzten Radfahrern.

„Alle Beteiligten sind gefragt, dem entgegenzuwirken“, betonte Weinspach, der unter anderem auf die Einführung von Abbiegeassistenten und eine Optimierung der Verkehrsführung setzt, der aber auch einen verbesserten Schutz der Radfahrer empfiehlt. Dazu gehöre etwa auffällige Kleidung, ein Fahrradhelm und eine „defensive Fahrweise“. Positive Effekte erhofft sich die Polizei auch von jenen sieben Kollegen, die künftig in polizeilicher Fahrradmontur in der Stadt unterwegs sein werden und vor allem mit Kindern und Jugendlichen präventiv arbeiten sollen, die aber auch spezielle Touren für Senioren und Wiedereinsteiger anbieten wollen.

Wie gut dieses Konzept und der Austausch „auf Augenhöhe“ funktioniere, habe man bei „PoliTour“ sehen können, bei der sich Motorradfahrer und Polizeibeamte gemeinsam auf Tour begeben. „Von Biker zu Biker“ werden da Gefahrenhinweise gegeben und Tipps ausgetauscht, so Weinspach. Diese Präventivmaßnahme, aber auch die verstärkten Kontrollen haben offenbar Wirkung gezeigt. Denn trotz des guten Motorradwetters übers Jahr 2018 hinweg ist die Zahl der Motorradunfälle in der gesamten Region und auch im Stadtgebiet zurückgegangen.

Gleichwohl mussten im vergangenen Jahr vier Menschen im Aachener Verkehr ihr Leben lassen, zwei weniger als im Vorjahr. Dazu zählten ein Autofahrer, der im Januar auf der Lütticher Straße in den Gegenverkehr geraten ist, und ein Fahrer, der im September auf der Adenauerallee mit zu hohem Tempo gegen einen Mast geprallt ist. Dazu zählten aber auch zwei Fußgänger. Einer wurde auf dem Adalbertsteinweg auf dem Gehweg von einem Autofahrer erfasst, ein anderer wurde am Kaiserplatz von einem nach rechts abbiegenden Lkw überrollt.

Jeder Unfall – erst recht mit Todesfolge – bringe den Menschen unendliches Leid, sagte Weinspach. Eben deshalb wolle die Polizei alles dafür tun, die diesmal überwiegend unerfreulichen Zahlen wieder zu verbessern.

Ein Schwerpunkt der Arbeit wird laut Svende Friedrichs der Kampf gegen zu schnelles Fahren bleiben. Überhöhte Geschwindigkeit ist immer noch die häufigste Ursache von Verkehrsunfällen, sagt sie, noch dazu sind die Folgen besonders schwerwiegend. Die Kontrollen sollen daher in diesem Jahr nochmals verstärkt werden. Zugleich werde man aber auch das Programm „Crash Kurs“ fortsetzen, das vor allem jungen Erwachsenen sehr drastisch, aber auch wirkungsvoll schwere Unfallfolgen vor Augen führt.

Darüber hinaus will sich die Polizei weiterhin sehr gezielt mit speziellen Programmen auch an Kinder, Senioren und Fußgänger wenden. „Kinder sind die sensibelsten Verkehrsteilnehmer, die wir haben“, sagt Friedrichs. Schon im vergangenen Jahr hat man daher ein besonderes Augenmerk auf Schulwegunfälle gelegt. Gleichwohl ist die Zahl dieser Unfälle nochmals gestiegen.

Während Verkehrssicherheitsberater in Schulen und Kitas gezielt auf Kinder zugehen können, ist die Gruppe der Senioren deutlich schwerer zu erreichen und auch zu überzeugen, sagt Friedrichs. Dies ist deswegen ein Problem, weil gerade die Älteren zu den Hauptverursachern von Unfällen zählen. Eingeschränktes Seh- oder Reaktionsvermögen sind nur zwei der Gründe. Und gerade auch älteren Pedelecfahrern kann Friedrichs nur dringend raten, einen kleinen Kurs zu machen, um sich mit den Rädern vertraut zu machen.

Der Kampf gegen die gestiegenen Unfallzahlen sei „allen Aufwand wert“, unterstrich Weinspach. Denn „die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Verkehrsunfalls zu werden, ist weitaus höher als Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden“.

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