Aachen: Markus Jussen von "Hand in Hand" im Interview

Zehn Jahre „Hand in Hand“ : Von Kindesbeinen an sozial engagiert

Dass die Initiative „Hand in Hand – mit Euch für Andere“ dieses Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum feiert, hätte Markus Jussen nicht gedacht.

Im Interview spricht der Initiator mit Mitarbeiterin Svenja Pesch und berichtet über die Anfänge und Besonderheiten von „Hand in Hand.“

Wie kam es zur Gründung der Initiative?

Jussen: Eigentlich fing alles damit an, dass ich ganz einfach etwas Gutes tun wollte. Ich bin in einer Familie groß geworden, in der meine Mutter schon immer sozial sehr engagiert war, und deshalb wurde mir das von ihr schon in die Wiege gelegt. Vor über zehn Jahren ging es mir dann konkret darum, einem obdachlosen Menschen etwas zu Weihnachten zu schenken. Wir kannten uns flüchtig, und ich wusste, dass er unheimlich gerne Kreuzworträtsel löste. Also habe ich ihm ein Geschenk zusammengestellt, unter anderem mit Kreuzworträtseln, und ihm dieses dann übergeben. Seine Freude war überwältigend, und ich merkte, wieviel man mit kleinen Gesten erreichen kann. Das Ganze war für mich ziemlich ergreifend und zeigte mir, dass ich damit weitermachen wollte.

Und wie ging es nach diesem Erlebnis weiter?

Jussen: 2008 lud ich ein paar Freunde zu mir nach Hause ein, und wir feierten gemeinsam Weihnachten unter einem besonderen Motto. Die Idee: Ich stellte Plätzchen, den Raum und Glühwein zur Verfügung, im Gegenzug sollten sie Geschenke für Bedürftige oder Kinder mitbringen. Es kam bereits bei diesem ersten Mal eine Menge zusammen, und ich verteilte die Geschenke anschließend an die entsprechenden Stellen. Durch meinen Beruf verfügte ich schon damals über ein recht großes Netzwerk. Mit der Aktion wollte ich einfach ein Zeichen setzen, dass es Menschen gibt, die an andere denken.

Das heimische Wohnzimmer wurde aber irgendwann zu klein…

Jussen: Genau, da reichte der Platz nicht mehr. Ich hatte das Glück, dass unglaublich viele Leute von meiner Idee sofort begeistert waren und die Initiative von Beginn an unterstützen wollten. Seien es Geschäftsinhaber oder lokale Persönlichkeiten, die Resonanzen waren durchweg positiv.

Wie kam es zum Namen „Hand in Hand – mit Euch für Andere“?

Jussen: „Hand in Hand“ ist Ausdruck dafür, dass man gesellschaftlich gemeinsam etwas anpackt und proaktiv ist. Dabei geht es gar nicht nur um finanziell bedürftige Menschen. Wir verteilen beispielsweise auch in Krankenhäusern Geschenke. Als Zeichen dafür, dass die Kinder, die über Weihnachten dort bleiben müssen, nicht vergessen werden. Wir nehmen Anteil an den Schicksalen. Auch ist es mir wichtig, langfristig und nachhaltig zu helfen und bestimmte Projekte individuell zu fördern.

2009 gab es dann erstmals die „Hand in Hand – Benefizveranstaltung“. Wie kam das an?

Jussen: Großartig. Wir waren damals im Café Madrid und der Laden war voll. Ich hatte direkt die Zusage von Oberbürgermeister Marcel Philipp, dass er als Schirmherr fungiert. Viele Aachener, darunter bekannte Persönlichkeiten, kamen zu dem Event. Das freute mich natürlich wahnsinnig. Schon in den Anfängen gab es ein buntes Programm für die ganze Familie, mit einer Tombola, Show Acts und Musik. Und das Allerwichtigste: Die Einnahmen kamen und kommen immer zu 100 Prozent dort an, wo sie benötigt werden.

Welche Vereine oder Institutionen wurden denn bisher unterstützt?

Jussen: Neben konkreten Geschenken für Kinder konnten wir schon die Caritas, den Kinderschutzbund, die Einrichtung „Querbeet“ oder auch den Bau einer von Misereor unterstützten Schule in Madagaskar fördern.

Sie organisieren allerdings nicht nur die Wohltätigkeitsveranstaltung, sondern auch das nun zum zweiten Mal stattfindende „Hand in Hand – Festival.“

Jussen: Genau, bei dem Festival im Franz geht es darum, den Musikern eine Bühne zu geben. Wir haben zwar auch auf unseren Benefizveranstaltungen immer Musik dabei, aber nach einem langen Nachmittag waren viele Besucher häufig müde, und der musikalische Aspekt rückte etwas in den Hintergrund. Also entschied ich mich, ein wohltätiges Festival zu machen, bei dem es ausschließlich gute Musik von Aachener Künstlerinnen und Künstlern gibt. Ich bin schon sehr gespannt, wie die zweite Ausgabe beim Publikum ankommen wird.

Wie viel Geld kam grob geschätzt in den vergangenen zehn Jahren zusammen?

Jussen: Das sind über 150.000 Euro an Geschenken und Geldspenden.

Hätten Sie damit gerechnet, dass es mit „Hand in Hand“ dann so weiterging?

Jussen: Da habe ich mir ehrlich gesagt am Anfang gar keine Gedanken drüber gemacht. Ich wollte einfach helfen, und für mich war klar, dass reden alleine nichts bringt. Stattdessen muss man selbst aktiv werden und die Dinge angehen. Aber mit so einer Entwicklung habe ich nicht gerechnet.

Empfinden Sie es nicht als traurig, dass es in Deutschland nach wie vor einen hohen Bedarf an Aktionen, wie Sie sie machen, gibt?

Jussen: Nein, so sehe ich das gar nicht. Ich bin ein sehr positiver Mensch und finde, dass viele Menschen sich engagieren, damit die Welt immer besser wird. Natürlich gibt es noch viel zu tun, und es wäre schöner, wenn wir das alles nicht mehr brauchen, aber alleine die Tatsache, dass sich so viele Menschen gemeinnützig einsetzen, finde ich positiv. Denn auch wenn es dem Durchschnitt immer besser geht, bedeutet das nicht, dass es defacto auch jedem Einzelnen besser geht. Was nützt es, wenn der Durchschnitt gut ist, aber rechts und links davon eben vieles im Argen liegt? Meiner Meinung nach ist es unsere gemeinsame, gesellschaftliche Aufgabe uns für die einzusetzen, denen es schlechter geht.

Sie sagten einmal „wir sind das Team hinter dem Team“ – wie meinen Sie das?

Jussen: Wir suchen immer Projekte und Institutionen, die wir unterstützen können. Die Intention ist ganz einfach: Durch Geld- oder Sachspenden helfen wir denjenigen und schätzen die Menschen wert, die sich jeden Tag aufs Neue für andere einsetzen. Wenn die Caritas beispielsweise Geldspenden erhält, dann helfen wir damit dem Team in seiner täglichen Arbeit. Also sind wir das Team hinter dem Team.

Wo sehen Sie die Initativen „Hand in Hand“ in den nächsten zehn Jahren?

Jussen: Auch wenn ich so weit noch gar nicht denke, bin ich mir ziemlich sicher, dass es mindestens so weitergehen wird wie bisher und dass das Netzwerk weiterwächst.