Aachen: Land streicht Gelder für "Quo vadis?"

Sozialwerk Aachener Christen bittet um Hilfe : Projekt für Langzeitarbeitslose steht vor dem Aus

Im Rahmen des Projekts „Quo vadies?“ des Sozialwerks Aachener Christen engagieren sich Langzeitarbeitslose, um sich für den Weg zurück ins Berufsleben zu qualifizieren. Dabei kümmern sie sich zum Beispiel um die Grünpflege auf dem Lousberg. Doch das Projekt steht vor dem Aus.

Sie kümmern sich um den Lousberg. Sie bessern Wege aus und halten sie sauber. Sie reinigen Entwässerungsrinnen, sie beseitigen Müll, mähen Wiesen, schneiden Gehölze. Sie putzen das Kneipp-Becken und reparieren Bänke und Schutzhütten. Sie sind Langzeitarbeitslose, die sich für einen Weg zurück ins Berufsleben qualifizieren. Das machen sie im Projekt „Quo vadis?“ des Sozialwerks Aachener Christen. Das Projekt steht vor dem Aus. Die Landesregierung des CDU-Ministerpräsidenten Armin Laschet dreht ihm den Geldhahn zu.

In der Bezirksvertretung Aachen-Mitte schilderten Roland Hagen, Geschäftsführer des christlichen Sozialwerks (Stiftung Toni Jansen), und Martin Heinrichs, Leiter des Grün-Projekts, ihre Not. „Unser Projekt kann sich in Nordrhein-Westfalen sehen lassen. Es wäre schade, wenn wir es nicht fortsetzen könnten“, sagte Roland Hagen.

„Quo vadis?“ („Wohin gehst du?“) beschäftigt unter fachlicher Anleitung und sozialpädagogischer Begleitung 20 Langzeitarbeitslose. „Wir bieten eine zufriedenstellende Arbeit in der Natur mit Perspektive; eine echte Chance, die den Menschen gesellschaftliche Anerkennung bringt,“ berichten Hagen und Heinrichs. Die Mitarbeiter qualifizieren sich beispielsweise als Biologische Gärtner und Gärtnerinnen, erwerben Fachkenntnisse im Gehölz- und Obstbaumschnitt, im Pflanzenschutz, lernen Geräte- und Maschinenkunde oder erwerben den Motorsägeschein.

Neben dem Lousberg und dem Müsch-Park an seinem Nordhang sind die Projektteilnehmer auch im Botanischen Garten im Rabental hinter dem Klinikum aktiv. Sie bauen Mischkulturen an, ernten Gemüse und Obst, pflegen den Karlsgarten und die Obstwiesen. Im Aachener Wald bauen sie Amphibienschutzräume auf, errichten Nisthilfen für Vögel, Fledermäuse und Insekten, pflanzen Bäume und reparieren defekte Zäune. Diese vielfältigen Tätigkeiten „bieten dem Bürger Aufenthaltsqualität und Artenvielfalt in den Naherholungsgebieten“, ist das Team stolz.

Seit 2014 ist das Sozialwerk Aachener Christen mit „Quo vadis?“ im Landesprogramm „Öffentlich geförderte Beschäftigung NRW“. Der Europäische Sozialfonds unterstützt das Programm. Kooperationspartner in Aachen sind der Stadtbetrieb, das Umwelt- und das Stadtentwicklungsamt, der Freundeskreis Botanischer Garten, die Lousberg-Gesellschaft, das Jobcenter. Sie alle helfen, das Projekt finanziell zu stemmen. Ende des Jahres aber lässt das Land seine Förderung auslaufen. „Eine Säule des Projekts bricht dann weg. Wir stehen vor eine Finanzierungslücke von 177.000 Euro“, bilanziert Geschäftsführer Hagen die Konsequenzen: Die Arbeiten müssen eingestellt werden, keine Qualifizierungsangebote mehr, Verlust von Arbeitsplätzen.

„Unser Ziel ist es natürlich, das Projekt fortzusetzen. Wir bitten um Unterstützung.“ Auch das sagt Roland Hagen in der Bezirksvertretung. Die Politiker waren sich einig über die wertvolle und allen Bürgern dienende Natur- und Landschaftspflege des engagierten „Quo vadis?“-Teams: „ganz, ganz ordentliche Arbeit“ (Ralf Otten, CDU), „wichtig“ (Patrick Deloie, SPD), „vielseitige Ausbildung, hochqualifiziert“ (Bezirksbürgermeisterin Marianne Conradt, CDU), „gute Sache, tolle Arbeit“ (Helga Gaube, Grüne).

Helga Gaube machte aber auch das Problem der Bezirksvertretung klar: „Wir sind sehr arm, wir haben selber nichts. Aber wir werden uns dafür einsetzen, dass das Projekt fortgesetzt werden kann.“ SPD-Fraktionssprecher Patrick Deloie mochte sich mit Blick auf das dem Landesarbeitsministerium unterstellte Förderprogramm einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen: „Die CDU stellt den Arbeitsminister. Und den Ministerpräsidenten aus Aachen. Wir werden beide bitten, sich einzusetzen.“ Die Bittsteller Roland Hagen und Martin Heinrichs schöpfen Hoffnung.

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