Aachen: Kleingärtner kämpfen mit der Bewohnerparkzone

Bewohnerparken : Die Idylle an der Alkuinstraße hat einen Haken

Die neu eingeführte Bewohnerparkzone E2 macht den Kleingärtnern an der Alkuinstraße zu schaffen. Die SPD-Fraktion will sich für sie einsetzen. Einfach wird das jedoch nicht.

Dort, wo alles blüht und grünt, ist es auf den ersten Blick oft recht idyllisch. Doch in Sachen Idylle an der Alkuinstraße, genauer in der Kleingartenanlage Lehmkülchen, gibt es seit dem 8. Oktober einen kleinen Haken. Mit Einführung der Bewohnerparkzone E2, die die Straßen Alkuinstraße, Eginhardstraße, Krefelder Straße (Hausnummer 56-90), Normannenstraße und Passstraße (Hausnummer 110-174 und 151-155) umfasst, können die Kleingärtner nicht mehr kostenfrei vor dem rund 40.000 Quadratmeter großen Areal parken. Und das sorgt für Aufregung.

Anfang des Jahres 2017 habe die Stadt Aachen die Kleingärtner darüber informiert, dass die Einrichtung der Parkzone geplant sei und laut Margit Reinhardt-Rother, Vorsitzende des Gartenvereins „Lehmkülchen“, wurden sie beim weiteren Prozess auch mitgenommen. Es folgten Bürgerinformationen und Gespräche, man hielt den Verein über die Fortschritte auf dem Laufenden. Das ändert jedoch nichts daran, dass das Parken nun zum Kostenfaktor geworden ist und das Leben der Pächter erschwert. „Für uns ist das schwierig“, so die Vorsitzende.

Die 125 Gärten würden von Menschen betrieben, die zwischen 25 und 90 Jahre alt seien, und häufig nicht das allervollste Bankkonto hätten. Für viele war das ein herber Schlag. Daher habe der Verein die Stadtverwaltung und alle im Rat vertretenen Parteien schriftlich darüber informiert, dass die Einführung der Zone für die Pächter Probleme mit sich bringe. Daraufhin verzeichneten die Kleingärtner einen Teilerfolg: Die Einführung eines Tagestickets für sechs Euro. „Die Stadt ist uns gegenüber sehr entgegenkommend. Uns ist bewusst, dass es ein Privileg ist, dass die Stadt uns das Areal so günstig zur Verfügung stellt.“

Auf das Auto angewiesen

Dennoch gebe es Pächter, die die Summe von sechs Euro täglich, was 36 Euro wöchentlich (Sonntag ausgenommen) und 144 monatlich bedeuten würde, nicht oder nur schwer aufbringen können, aber dennoch auf ihr Auto angewiesen seien. Bei einem Garten werden Blumen, Erde und Werkzeug benötigt. Und der produzierte Müll muss abtransportiert werden.

„Ein Mann versorgt hier alle Vögel und Katzen, kommt zweimal täglich. Müsste er sechs Mal pro Woche sechs Euro zahlen, schlägt das enorm zu Buche“, so Reinhardt-Rother. Sie betont aber auch, dass sie die Stadt ebenso verstehen könne. „Wir wissen, dass Ausnahmen schwierig sind und finden uns erst einmal mit der Situation ab.“ Doch so ganz haben die Kleingärtner den Kampf noch nicht aufgegeben. Reinhardt-Rother schwebt ein Saisonparkticket zu einem angemessenen Preis vor, das von März bis Oktober gelten könnte. Möglich wäre auch eine zeitliche Einschränkung, um den Anwohnern abends nicht in die Quere zu kommen. Nach Oktober werde das Wasser auf der Anlage ohnehin abgedreht und dann seien auch weniger Wagen unterwegs.

„Diese Idee ist insofern nicht ganz abwegig, als dass wir – im Gegensatz zu echten Fremd-Parkern – Grundbesitzabgaben in Höhe von mehreren Tausend Euro jährlich entrichten müssen und damit rechtlich irgendwo zwischen Anwohnern und Besuchern liegen“, so die Erste Vorsitzende. Auch ein vergünstigtes Ticket im Parkhaus Tivoli würden die Kleingärtner begrüßen.

Die Kleingärtner der Anlage Lehmkülchen sind ein wenig verzweifelt. Die Einführung der PArkzone E2 führt zu Mehrkosten beim Parken - für viele der Pächter eine Belastung. Foto: Andreas Herrmann

So einfach sei das aber leider nicht, sagt Harald Beckers vom städtischen Presseamt. „Um einen Bewohnerparkausweis zu bekommen, muss der Erstwohnsitz in der entsprechenden Zone gemeldet sein“, sagt er. Auch Saisontickets schließt er erst mal aus. „Ich vermute, dass es dabei bleiben wird. Das war ein politischer Beschluss“,sagt Beckers. Beschwerden habe es zudem seit Einführung der Parkzone E insgesamt auch nicht gegeben. Den Kleingärtnern bliebe daher wohl nur „der Weg über die Politik“.

„Weiß um ihre Sorgen“

Die hat sich mit dem Thema auch bereits auseinandergesetzt. Die SPD-Fraktion hat eine Ratsanfrage gestellt, in der sie darum bittet, zu erfahren, wie viele Kleingärtner nur über Bewohnerparkzonen in ihre Gärten gelangen. Auch möchten die Sozialdemokraten prüfen, welche Vergünstigungsmöglichkeiten beim Parken für die Betroffenen möglich sind. „Dabei darf die gesamte Parksituation vor Ort natürlich nicht aus den Augen verloren werden“, so die mobilitätspolitische Sprecherin Ye-One Rhie.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Michael Servos macht kein Geheimnis daraus, dass seine Familie dort ebenfalls einen Kleingarten hat, was anderen schon übel aufgestoßen war. Doch er sagt: „Ich nehme an den Beratungen nicht teil, da ich persönlich befangen bin und gehe politisch einen Schritt zurück. Ich lebe allerdings in der Gemeinschaft der Kleingärtner und weiß um ihre Sorgen.“ Und die sind derzeit groß, das weiß auch Margit Reinhardt-Rother. Für viele Menschen sei der Garten ihr Leben. Und zusätzliche Kosten schlagen da auf den Magen.

Weitere Lösungsmöglichkeiten taten sich derweil in einer Facebookgruppe auf. Dort wurde über die Einrichtung von Parkplätzen auf dem Gelände der Anlage Lehmkülchen diskutiert.

Margit Reinhardt-Rother sagt, dass der Verein dies auch nicht vorhabe: „Von der Möglichkeit, Parkplätze in unserer Anlage anzubieten, wollen wir keinen Gebrauch machen, denn uns ist es wichtig, dass in diesem geschützten Raum weiterhin Kinder Rad fahren und nach Herzenslust spielen können.“ Geplant sei da eher ein Eingang direkt zum Grünen Weg. Dort können die Pächter noch kostenfrei parken.

Reinhardt-Rother befürchtet, dass auch andere Kleingartenanlagen bald ähnlich betroffen sein könnten. Sie nennt die Anlagen Wiesental und Eschenallee in Brand als Beispiele. „Auch im Sinne der anderen Anlagen hoffen wir schon noch auf eine andere Lösung“, sagt sie. Betroffen wären dann rund 1000 Familien. „So eine Kleingartenanlage ist ja auch ein sozialer Treffpunkt“, sagt Reinhardt-Rother.

Beckers vom Presseamt sagt hingegen, dass die Erweiterung der Parkzone OST2an der Anlage Wiesental an dieser Stelle derzeit noch Zukunftsmusik sei. Sie sei angedacht, aber noch nicht fix. Und auch in Brand sei so etwas zunächst nicht geplant. „Bewohnerparken gilt vor allem für die Innenstadt“, sagt Beckers.

Margit Reinhardt-Rother und ihre Gärtner werden weiter nach anderen Lösungen suchen. „Wir haben Angst, dass es die Pächter zurückschreckt. Und wenn am Ende alles leer steht, hat ja auch niemand was davon.“ Dies sei zwar noch nicht der Fall, aber die Parkzone wurde auch gerade erst eingeführt.

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