Aachen: "Kingz Corner" stellt sich neu auf. Runder Tisch gegründet.

Kunst- und Partyszene in Aachen : Neuer Schulterschluss für die junge Kultur

Neue Impulse zur Förderung der unabhängigen Veranstaltungsstätten in Aachen: Politiker und Initiativen haben jetzt einen Runden Tisch gegründet, um die „Szene“ nachhaltig zu unterstützen.

Unterdessen hofft die Jugendeinrichtung „Kingz Corner“ auch auf finanzielle Hilfen durch die Stadt, nachdem spätabendliche Partys und Konzerte dort aus Lärmschutzgründen nicht mehr möglich sein sollen.

Als vor ein paar Wochen ein Vertreter des Ordnungsamts auf der Matte stand, war in der ehemaligen Degraa-Brauererei an der Königstraße 46 plötzlich sozusagen reichlich Dampf im Kessel: Seither bangt der Kulturverein „Kingz Corner“ um seinen beliebten Stammsitz im Herzen des Studentenviertels. Nun aber könnte der Knoten in Sachen Lärmschutz durchschlagen sein. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir mit Unterstützung von Verwaltung und Politik eine neue Lösung zum Fortbestand unseres Vereins finden“, sagt Sebastian Walter, Geschäftsführer der gemeinnützigen Initiative.

Damit nicht genug. Denn die frohe Kunde könnte kennzeichnend sein für eine neue Aufbruch­stimmung in der freien Kulturlandschaft: Am Montag sind rund 35 Aktive aus der freien Szene mit Mitgliedern aus den Ratsfraktionen von SPD, Grünen, Piraten und UWG zusammengekommen, um gemeinsam zu überlegen, wie man vor allem Angebote für jüngere Leute generell gezielt und nachhaltig unterstützt. Ähnliche Vorstöße hatte es bereits 2015 gegeben – freilich ohne nachhaltige Wirkung.

Konzentration aufs „Kerngeschäft“

Unterdessen sehen die Vertreter des „Kingz Corner“ wieder Licht am Ende des Tunnels, obwohl die zuständigen Behörden der freien Jugend- und Kultureinrichtung untersagt hatten, weiterhin Konzerte und Partys nach 22 Uhr zu veranstalten. „Das war für uns ein sehr harter Schlag, weil wir uns zu großen Teilen über die abendlichen Angebote finanzieren“, erklärt Walter. Schließlich seien alle Vereinsmitglieder – wie er selbst – ehrenamtlich im Einsatz. „Und das Verhältnis zu unseren Nachbarn ist immer hervorragend gewesen – nicht ein einziges Mal hat sich jemand beschwert.“

Dies habe auch das Ordnungsamt ausdrücklich bestätigt. Nun aber müsse – und werde – man sich gleichwohl aufs „Kerngeschäft“ konzentrieren. „Schließlich sind wir bereits seit 2017 als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt“, betont Emilene Mudimu, gelernte Sozialarbeiterin und Vorsitzende der Initiative, die sich 2012 gegründet hat und momentan rund 40 aktive Mitglieder zählt. So biete das „Kingz Corner“ im eigenen Tonstudio eine wichtige Plattform für junge Musiker, organisiere in Zusammenarbeit mit der Bleiberger Fabrik erfolgreich Graffity-Workshops, beteilige sich mit Aktionen an den Ferienspielen und engagiere sich für die Integration junger Flüchtlinge. Auch die Politiker in der Bezirksvertretung Mitte hätten den Verein daher stets unterstützt und gefördert, spätabendliche Veranstaltungen seien explizit geduldet worden.

„Wir sehen aber ein, dass öffentliche Partys und Konzerte zu später Stunde künftig nicht mehr möglich sein werden“, bekräftigt Sebastian Walter. Inzwischen seien die Spannungen beigelegt; das Verhältnis zu den Verantwortlichen habe sich nach persönlichen Gesprächen mit Vertretern aus Politik und Verwaltung „schlagartig“ zum Guten gewendet. Bis hinauf zum zuständigen Dezernenten Professor Manfred Sicking habe auch die Stadt weitere Unterstützung in Aussicht gestellt. Walter: „Wir hoffen, dass wir schon bald finanzielle Förderung durch die städtische Jugendhilfe erhalten, damit wir unsere Projekte fortsetzen können. Jetzt gibt es sogar einen Arbeitskreis, in dem wir gemeinsam überlegen, wie es weitergehen kann.“

So sucht die Szene nun den neuen Schulterschluss mit Politik und Verwaltung, um weitere Möglichkeiten zur Förderung freier Kulturschaffender und -veranstalter auszuloten, berichtet Kristof Mittelstädt, der sich vor allem als Musikproduzent etabliert hat. Bereits 2015 hatte Mittelstädt mit Kundgebungen unter dem Motto „Macht mal Lärm in dieser Stadt“ zahlreiche Gleichgesinnte um sich geschart, um der unabhängigen Kultur in jedem Sinne mehr Gehör zu verschaffen. Immerhin rund 40 Teilnehmer habe man beim neuerlichen Treffen am Montag in einem Restaurant am Suer-
mondt-Platz gezählt, berichtet er auf Nachfrage.

Zentraler Ansprechpartner gefragt

„Es gibt eine Menge Ansätze, um auch der freien Clubszene wieder konstruktive Impulse zu geben“, meint auch der Aachener SPD-Vorsitzende Mathias Dopatka, der an dem Treffen teilgenommen hat. „Wir wollen zum Beispiel gemeinsam dafür sorgen, dass es einen zentralen Ansprechpartner bei der Stadt gibt, der die unterschiedlichen Einrichtungen im Blick hat und die Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden koordiniert.“ In zwei Wochen werde der junge Arbeitskreis erneut zusammenkommen, um weitere konkrete Vorschläge zusammenzutragen. „Wir möchten das Gremium fest etablieren, um strukturelle Verbesserungen und neue Möglichkeiten der Förderung auszuloten – letzten Endes auch auf höheren gesetzlichen Ebenen“, betont Dopatka.

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