Aachen: Kinderschutzbund warnt vor Schütteltrauma

Kinderschutzbund Aachen klärt über Gefahren auf : Kurzes Schütteln kann fürs Baby tödliche Folgen haben

Es ist ein kurzer Moment der Verzweiflung und des Kontrollverlustes, dessen Konsequenzen mitunter tödlich sein können. Wenn Babys nicht aufhören wollen zu schreien, bringt das die Eltern nicht selten zur Verzweiflung.

Die Nerven liegen blank, und plötzlich verlieren sie für wenige Sekunden die Kontrolle und schütteln den Säugling. Mit der Anlaufstelle Frühe Hilfen ist der Kinderschutzbund im Bündnis gegen Schütteltrauma vertreten, einer Initiative des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen in Zusammenarbeit mit den Kinderschutz-Zentren.

„Das Schreien eines Babys stellt generell eine große Belastung für Eltern dar. Vor allem, wenn ein Säugling sich nicht beruhigen lässt und alle Bemühungen nicht zum Erfolg führen, geraten Eltern leicht in einen Zustand der Verzweiflung und Hilflosigkeit“, betont Andrea Weyer, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes Aachen, und ergänzt: „Das Wichtigste ist dann, Ruhe zu bewahren und nicht die Kontrolle zu verlieren.“

Medizinisch gesehen sind die Folgen des Schüttelns fatal, wie Ulrich Gurr, zweiter Vorsitzender des Kinderschutzbundes Aachen, erklärt. „Durch das schnelle Hin und Her des Kopfes wird auch das Gehirn in schnellem Tempo vor und zurückgeworfen. Dadurch werden nicht nur Hirnzellen geschädigt, es kann zu einem kurzen Atemstillstand kommen, der wiederum zu einem Sauerstoffmangel und zu einer Hirnschwellung führt. 20 Sekunden Schütteln münden in einer irreversiblen Schädigung des Gehirns. Nicht zu vergessen ist, dass 25 Prozent der Kinder in Folge dessen sterben und 80 Prozent ein Leben lang hirngeschädigt bleiben.“

„Alle Kinder schreien“

Damit solch eine Überforderungssituation nicht eskaliert, sind die Frühen Hilfen Anlaufstelle für Eltern. Dorothee Roeb-Flemming, Bereichsleiterin „Anlaufstelle Frühe Hilfen“ im Deutschen Kinderschutzbund, informiert Interessierte gerne über die Möglichkeiten. „Alle Kinder schreien, das ist ganz normal. Auch langes und häufiges Schreien kann normal sein. Im zweiten und dritten Lebensmonat können gesunde Säuglinge im Durchschnitt zwei bis drei Stunden täglich weinen. Sie können ihre Bedürfnisse noch nicht anders zum Ausdruck bringen. Eltern empfinden allerdings langes Schreien als persönliches Scheitern, was aber nicht der Fall ist.“

Wenn Eltern merken, dass sie die Beherrschung verlieren, hat Roeb-Flemming ein paar Tipps. „Legen sie das Baby an einen sicheren Ort, zum Beispiel ins Gitterbett. Verlassen sie den Raum, atmen sie tief durch oder stellen sie sich ans offene Fenster. Schauen sie alle paar Minuten nach dem Kind und holen sie sich, wenn nötig, Unterstützung.“ Grund zur Hoffnung besteht dennoch, denn in den meisten Fällen geht die Schreiphase ab dem vierten Monat vorbei.

Nicht nur im Rahmen der Teilnahme im Bündnis gegen Schütteltrauma bieten die Frühen Hilfen viele Hilfsangebote an. Informationen dazu im Internet auf www.kinderschutzbund-aachen.de/fruehe-hilfen.

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