Aachen: Kinderschutzbund streicht Angebote für Eltern mit Kleinkindern

„Zum Kirschbäumchen“ : Weniger Abenteuer auf dem Abenteuerspielplatz

Der Abenteuerspielplatz „Zum Kirschbäumchen“ ist in Geldnöten. Im Januar war die Anlage aus diesem Grund komplett geschlossen. Nun streicht der Betreiber des Spielplatzes, der Kinderschutzbund Aachen, Angebote für Eltern und ihre Kleinkinder.

„Ein Spielplatz ohne Grenzen“: So beschreibt der Aachener Kinderschutzbund seinen Abenteuerspielplatz „Zum Kirschbäumchen“. 10.000 Quadratmeter Platz zum Spielen, Bauen und Entdecken bietet die Anlage unweit der Jülicher Straße und des Prager Rings. Seit mehr als 30 Jahren gibt es dieses wilde Paradies für Kinder schon. „Ohne Grenzen“, das stimmt allerdings nicht mehr so ganz. Der Kinderschutzbund muss nämlich sein Angebot einschränken. Aus finanziellen Gründen, wie es auf der Facebook-Seite des Abenteuerspielplatzes entschuldigend heißt.

„Wir reduzieren den gesamten Kleinkindbereich“, erklärt Andrea Weyer, Geschäftsführerin des Kinderschutzbunds, auf Anfrage. Auf diese Weise hoffe man, die Angebote für die übrigen Kinder sichern zu können. Weggefallen ist zum Beispiel der Eltern-Kind-Treff am Donnerstag. „Das Personal dafür haben wir in der Vergangenheit rein aus Spenden finanziert“, sagt Weyer. „Das geht einfach nicht mehr.“

Auch das ist neu: Dienstags und donnerstags ist der Spielplatz nur noch für Kinder (ab fünf Jahre) geöffnet. Eltern, die mit ihren Kleinkindern (unter fünf Jahren) kommen möchten, sind an den übrigen Werktagen willkommen. Für mehr reiche das Geld fürs nötige Personal nicht mehr, heißt es.

Im Januar war der Abenteuerspielplatz diesmal sogar komplett geschlossen. „Der Januar ist der besucherschwächste Monat“, sagt Andrea Weyer. Man habe diese ersten Wochen des Jahres genutzt, um alle Angebote auf den Prüfstand zu stellen und strukturelle Veränderungen einzuleiten. „Und der Kleinkindbereich war immer schon ein kleiner Zusatzbereich.“

An Wochentagen ist der Abenteuerspielplatz in der Regel von 10 bis 17 Uhr geöffnet, im Sommer sogar bis 18 Uhr. Vormittags können Schulen und Kindertagesstätten die Anlage kostenlos nutzen, nachmittags ab 14 Uhr steht die Anlage allen Kindern offen, seit einigen Jahren auch an vielen Samstagen. Für den Betrieb braucht der Kinderschutzbund allerdings viel Personal. Und die Kosten sind mit zunehmender Beliebtheit des Platzes immer stärker gestiegen. Auch die Platzpflege verschlingt viel Geld. Wie gefragt der Spielplatz ist, zeigt allein schon eine Zahl: Fürs vergangene Jahr verzeichnete der Kinderschutzbund fast 14.000 Besuche von Kindern und Erwachsenen.

Stadt will nicht noch mehr zahlen

Der Kinderschutzbund erhält zwar mehr als 60.000 Euro an städtischen Zuschüssen pro Jahr. Dieser Betrag decke aber mittlerweile nur noch die Hälfte der anfallenden Kosten, sagt Weyer. Die andere Hälfte muss demnach über Spenden, Sponsoren und besondere Aktionen aufgebracht werden. „Und das geht einfach nicht mehr.“ Der Kinderschutzbund habe viele Unterstützer und treue Spender. „Aber so viel Geld kann man nicht durch Spenden aufbringen.“

Der Kinderschutzbund hatte deshalb bereits im Rahmen der städtischen Haushaltsberatungen für 2019 zusätzliche Mittel beantragt, um eine Stelle auf dem Abenteuerspielplatz zu finanzieren. Diesem Antrag wollte die Politik nicht folgen, auch mit Verweis auf die nächste Förderphase des Programms Soziale Stadt Aachen-Nord, die viel Geld fürs Quartier bringen werde. Schon im Dezember warnte Andrea Weyer vor Folgen für das kostenfreie Angebot des Abenteuerspielplatzes.

Man sei weiterhin mit der Politik im Gespräch, sagt sie. Wie es mit dem Abenteuerspielplatz weitergeht, sei offen. Eines allerdings schließt man beim Kinderschutzbund derzeit kategorisch aus: „Den Abenteuerspielplatz zu schließen, das kommt nicht infrage“, betont die Geschäftsführerin. „Dann müsste es schon ganz schlimm kommen.“ Selbst weitere Einschränkungen im Angebot soll es dieses Jahr nicht geben geben.

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