Aachen: Keine erhöhte Gefährdungslage auf dem Weihnachtsmarkt

Nach tödlichem Schusswechsel in Straßburg : „Wir wollen keine bewaffneten Kräfte an jeder Ecke“

Schon am Morgen nach den tödlichen Schüssen am Rande des Weihnachtsmarktes in Straßburg sitzen in Aachen die Sicherheitskräfte zusammen und analysieren die Lage. Ergebnis: Alle sind sensibilisiert, aber das bestehende Sicherheitskonzept wird unverändert fortgeführt, eine erhöhte Gefahr für Terroranschläge wird für den hiesigen Weihnachtsmarkt nicht angenommen.

„Es besteht überhaupt kein Grund zur Panik“, sagt Manfred Piana, Geschäftsführer des Märkte und Aktionskreises City (MAC). Der MAC organisiert den Weihnachtsmarkt rund um Dom und Rathaus seit Jahrzehnten. „Unser Sicherheitskonzept galt schon vor Jahren als vorbildlich, daran halten wir fest – natürlich mit nochmals erhöhter Aufmerksamkeit“, sagt er am Mittwoch. Polizei, Ordnungsamt, Feuerwehr etc. stehen dazu in den Lagebesprechungen in engem Kontakt – und sind sich einig. „Es gilt weiterhin, dass es keine konkreten Hinweise auf eine drohende Gefahr für den Aachener Weihnachtsmarkt gibt, gleichwohl eine abstrakt hohe Gefahr“, sagt Polizeisprecherin Sandra Schmitz. Die Zahl der Beamten bleibe unverändert hoch. „Grundsätzlich sind wir mit verstärkten Kräften – sichtbar und auch in zivil; darunter deutsche, niederländische und belgische Kollegen – auf dem Weihnachtsmarkt anwesend“, fügt sie hinzu.

Dem französischen Beispiel will man trotzdem nicht folgen. Piana hat erst vor wenigen Tagen den betroffenen Weihnachtsmarkt in Straßburg besucht. „Wir wollen keine bewaffneten Kräfte an jeder Ecke“, betont er. „Das erhöht das Sicherheitsgefühl nach meinem Eindruck nicht.“ Soldaten auf der Straße zwischen Weihnachtsmarktbuden – so wie in Frankreich und auch Belgien – kommen für Deutschland nicht in Frage. Auch das Videoüberwachungssystem für den Aachener Weihnachtsmarkt sei ausschließlich darauf ausgerichtet, Besucherströme zu lenken. Bis zu 20 Ordnungskräfte behalten auch diesbezüglich beim Aachener Budenzauber zu Stoßzeiten den Überblick. Die Befürchtung einiger Weihnachtsmarktbeschicker, dass nach den fatalen Ereignissen in Straßburg auf anderen Weihnachtsmärkten die Besuchermassen fernbleiben könnten, teilt Piana nicht. „Natürlich gibt es Leute, die grundsätzlich nach solchen Vorfällen Menschenmassen meiden. Aber mein Eindruck ist, dass die meisten sich nicht von Einzelnen die positive Weihnachtsstimmung verderben lassen wollen und weiterhin kommen“, erklärt er.

Bislang steuert der Aachener Weihnachtsmarkt auf Rekordzahlen zu. Bis zum vergangenen Sonntag zählte man bereits 1123 Busse mit 47.600 Touristen allein auf dem zentralen Busparkplatz auf dem Bendplatz. „Das ist eine herausragende Zwischenbilanz. Jeder zweite Besucher kommt aus Deutschland, danach folgen Belgien, Frankreich, England, Niederlande und Luxemburg. Das internationale Interesse und die Anziehungskraft unseres Weihnachtsmarktes ist erfreulich hoch“, sagt Piana. Insgesamt sind es Hunderttausende, die auf den Markt, Katschhof und Münsterplatz drängen.

Zumindest der Marktbereich ist dieses Jahr zum Schutz vor terroristischen Anschlägen mit Fahrzeugen aus drei Richtungen mit sogenannten „Anti-Terror-Pollern“ geschützt. Rund 400.000 Euro hat sich die Stadt die versenkbaren Stahlzylinder in den vergangenen beiden Jahren kosten lassen. In Straßburg ist grundsätzlich der komplette Innenstadtbereich rund um den Weihnachtsmarkt für Fahrzeuge gesperrt. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nirgendwo – das ist allen klar, auch den Aachener Sicherheitsbehörden.

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