Aachen: Kein neuer Kirchenvorstand der GdG Franziska von Aachen

Hinter den Kulissen kracht es mächtig : Wahlen zum Kirchenvorstand kurzerhand abgesagt

Das hat es so noch nicht gegeben: Die Wahlen zum Kirchenvorstand der Gemeinschaft der Gemeinden Franziska von Aachen, die am Wochenende stattfinden sollten, wurden kurzerhand abgesagt. Hinter den Kulissen werden heftige Vorwürfe laut, sogar von Manipulationen ist die Rede.

Von Gemeinschaft kann in der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Franziska von Aachen gerade nicht wirklich die Rede sein. Im Gegenteil kracht es mächtig hinter den Kulissen der Pfarre, die einst aus den Innenstadtgemeinden St. Adalbert, St. Andreas, St. Foillan, Heilig Kreuz, St. Marien und St. Peter zusammengewürfelt wurde. Mit dabei sind auch noch die Jugendkirche „kafarna:um“ und die Gemeinde „Zeitfenster“. Am Wochenende standen Wahlen zum Kirchenvorstand an. Acht von 16 Mitgliedern galt es neu zu wählen. Doch daraus wurde nichts.

Die Wahlen wurden kurzerhand am späten Freitagabend nach einer Sondersitzung des Kirchenvorstands abgeblasen. Hinter den Kulissen gibt es einerseits Stimmen, die von Versuchen der Wahlmanipulation sprechen, und andererseits solche, die dies vehement zurückweisen.

Was war geschehen? Am vergangenen Mittwoch hatten einige Kandidaten aus der Gemeinde St. Andreas in der Soers – fünf von 13 Kandidatinnen und Kandidaten für den Kirchenvorstand kommen von dort – das Altenheim St. Raphael, ebenfalls in der Soers, besucht. Man traf sich mit den Bewohnern zu Kaffee und Kuchen. Mitgebracht wurden – wenn auch offenbar nicht von den Kandidaten selber – Briefwahlunterlagen. Und am Ende wurde dann im Altenheim sogar gewählt. Recherchen unserer Zeitung nach machten zwölf Bewohner davon Gebrauch. Das klingt nicht nach viel. Ist aber auch nicht wenig, wenn man bedenkt, dass bei den letzten Wahlen von rund 16.000 Pfarrangehörigen nicht einmal 300 zur Wahl gingen. Da können zwölf Stimmen durchaus ins Gewicht fallen.

Ein höchst ungewöhnlicher Vorgang, der sich in Reihen des Kirchenvorstands flugs herumsprach. Ebenso, dass auch bei einem Konzert in St. Andreas Briefwahlunterlagen verteilt worden sein sollen. Dabei musste man die im Pfarrbüro beantragen, und zwar spätestens bis vergangenen Mittwoch. Sollten hier die Kandidaten aus den anderen Gemeinden übervorteilt werden?

Bei der Sondersitzung des Kirchenvorstands riet dem Vernehmen nach auch der Justitiar des Bistums, Karl Dyckmans, zu einer Verschiebung der Wahl. Auf Nachfrage hieß es gestern beim Bistum, die eigentliche Entscheidung habe der Kirchenvorstand getroffen. Von Manipulation wollte man beim Bistum jedoch nicht sprechen. Es sei um einen Formfehler gegangen, da Briefwahlunterlagen nach dem Ende der Frist herausgegeben worden seien, so Bistumssprecher Ralf Mader.

Dass die Wahlen, die nun am 26. und 27. Januar nachgeholt werden sollen, vorerst abgesagt sind, erfuhren die Pfarrangehörigen durch Aushänge an den Kirchen und durch eine Stellungnahme von Pfarrer Claus Wolf, dem Vorsitzenden des Kirchenvorstands. Darin heißt es, dass es in „Einzelfällen zu einer Vermischung von Wahlwerbung/Vorstellung einzelner KandidatInnen und einer durchgeführten Briefwahl gekommen ist“. Und weiter: „Die mögliche Tragweite, die dies für eine Anfechtbarkeit der Wahl haben könnte, ist dabei sicher nicht im Blick gewesen. Von daher liegt es mir fern, Vorwürfe gegen einzelne engagierte Personen zu erheben.“

Aus dem Kreis der Kandidaten von St. Andreas hieß es auf Anfrage, man sei auf Einladung einer Sozialarbeiterin in St. Raphael gewesen, wohin man ohnehin seit jeher engste Kontakte pflege. Um die Wahlhilfe sei man gebeten worden, weil am Wochenende auch noch die Städteregionsratsstichwahl gewesen sei und die Altenheimbewohner mit zwei Wahlen überfordert gewesen wären. Sollte es den Vorwurf der Wahlmanipulation geben, so sei dies eine Unverschämtheit. „Wir haben dabei keine bösen Gedanken gehabt und hegen auch keine Konkurrenzgedanken zu anderen Kandidaten“, hieß es. Solche Grabenkämpfe machten die christlichen Kirchen im Gegenteil nicht gerade glaubwürdig. Dabei gehe es doch darum, als eine Gemeinde Pfarrer Wolf bei aktuell schwierigen Herausforderungen zu unterstützen.

Wolf selber betont in seiner Botschaft denn auch, seine „Bitte als Pastor der Pfarrei Franziska von Aachen, in unserem Miteinander immer nach guten und konstruktiven Wegen für eine gemeinsame Zukunft zu suchen“. Da wird es in den kommenden Wochen aber durchaus noch einiges in der brüchigen Gemeinschaft zu kitten geben, bevor es im Januar dann tatsächlich an die Wahlurnen geht.

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