Aachen: Kafka-Klassiker auf der Bühne

„Die Verwandlung“ im Theater Aachen : Nichts an Aktualität eingebüßt

Als Mensch einschlafen, als Ungeziefer aufwachen. Und nein, es ist kein seltsamer Alptraum. Am Samstag, 17. November, feiert das Stück „Die Verwandlung“ im Theater Aachen seine Premiere.

Die Geschichte beruht auf der weltbekannten Erzählung von Franz Kafka aus dem Jahre 1912 und gilt gleichermaßen bei Literatur-Liebhabern und in Schulen als beliebter Lesestoff.

Der Tuchhändler Gregor Samsa wacht nach einer unruhigen Nacht als „ungeheures Ungeziefer“ auf. Seine Familie reagiert anfangs geschockt – aber hilfsbereit – und kümmert sich um den einstigen Familienernährer. Im Laufe der Zeit wird Mitleid zu Ekel, Abneigung zu Aggression. „Die Person kann nicht mehr in die Öffentlichkeit, sich nicht mehr waschen oder einkaufen“, erzählt Regisseurin Sylvia Sobottka. Von einem normalen Alltag ist Samsa weit entfernt, vielmehr ist der Protagonist an sein Bett gefesselt. „Dieses ist in unserer Umsetzung auch ein zentraler Ort“, verspricht Sobottka. Je weiter sich Samsa zur Käfergestalt entwickelt, desto mehr distanzieren sich Mutter, Vater und Schwester.

Geprägt ist die vielfach verfilmte Erzählung insbesondere vom inneren Monolog des Verwandelten. Die Umsetzung im Theater Aachen versucht den eigentlich textlastigen Part spielerisch zu lösen. „Es wurde viel Text gestrichen und mit Bildern ersetzt“, erklärt die Regisseurin. Dennoch orientiere sie sich nah am Original Kafkas. Trotz der dramatischen Geschichte bleiben dabei auch lustige Momente nicht aus. „Den Humor wollte ich unbedingt miterzählen“, betont Sobottka, für die es die erste Arbeit am Aachener Theater ist.

Generell erhofft sich die Regisseurin eine „ambivalente Reaktion beim Zuschauer“: Die einen identifizieren sich mit dem vereinsamten Gregor Samsa, die anderen fühlen Empathie für die Familie. Denn so befremdlich und verrückt die Geschichte klingt, so nah ist sie an der Realität. Natürlich, zum Ungeziefer verwandelt sich niemand. Aber: „Samsa ist vergleichbar mit einer pflegebedürftigen Person“, meint Sobottka. „Oder einem an Burnout leidenden Menschen.“

Die Erzählung sei 2018 genauso aktuell wie bei seiner Entstehung vor über hundert Jahren, bestätigt auch Dramaturgin Gesa Lolling. Kein Wunder also, dass das Theater Aachen schon insgesamt 16 Vorstellungen von „Die Verwandlung“ in der „Kammer“ geplant hat. In diesem Jahr findet das Theaterstück am 17. sowie 23. November und 5., 14., 18. Und 21. Dezember – jeweils um 20 Uhr – statt, gefolgt von weiteren Aufführungen bis Ende April. Karten im Vorverkauf gibt es unter anderem im Kundenservice des Medienhauses Aachen am Elisenbrunnen oder im Verlagsgebäude an der Dresdener Straße.

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