Aachen: Internet-Plattform "Jutestun" vermittelt Spenden

Projekt „Jutestun“ : Herdplatte, Kinderwagen, Nachhilfe

Das Projekt „Jutestun“ vermittelt im Internet Sach- und Zeitspenden an sozial Bedürftige. Entstanden ist es aus einem Hilfsprojekt für Geflüchtete.

Von Herdplatten über Kinderwagen bis hin zu Nachhilfestunden: Vielfältiger als auf der Internet-Plattform „Jutestun“ könnten Spenden kaum sein. Das durch die Arbeiterwohlfahrt (AWO) unterstützte Spenden-Projekt hat seinen Ursprung im Jahr 2015, als sich zwei Studenten und ein Mitarbeiter der AWO entschieden, durch eine eigene Initiative Geflüchteten zu helfen. Ingo Ossege, Robert Meyer und David Muschiol entwickelten die Homepage „Jutestun“, auf der Sozialarbeiterinnen und -arbeiter, Ehrenamtler und Wohltätigkeitsvereine Gesuche nach Sach- und Zeitspenden einstellen können.

„Ich habe damals einen Laptop gesucht“, erklärt Ossege, AWO-Mitarbeiter und Vormund für Geflüchtete. Um gezielter nach dringend benötigten Spendengütern fragen zu können, gründeten die drei jungen Engagierten „Jutestun“. Damals ging es ihnen um gezielte Spenden für Geflüchtete, inzwischen ist die Plattform für Spenden an alle sozial Bedürftigen offen. „Das war von Anfang an ein ganz simples Konzept“, erläutert Muschiol. Mit nur wenigen Klicks lassen sich Spendengesuche stellen oder beantworten. „Wir konnten 2015 feststellen, dass wir riesige Hilfsbereitschaft in der Gesellschaft haben“, sagt Muschiol. Auch heute würden die allermeisten Spendengesuche in kürzester Zeit beantwortet.

2018 kamen allerdings einige Probleme auf das inzwischen fünfköpfige Team zu, als die neue EU-Datenschutzverordnung in Kraft trat. Das bis dato völlig eigenständige Projekt brauchte juristische Hilfe, um seine Datenschutzstandards der neuen Verordnung anzupassen. Die Studenten wandten sich an die Arbeiterwohlfahrt. „Dort sind wir ganz unbürokratisch empfangen worden“, weiß Muschiol zu berichten. „Rund zehn Monate“, betont Ossege, „war unsere Website nicht erreichbar.“ Das war Absicht, denn die Ehrenamtler wollten keine rechtlichen Risiken eingehen. Die AWO übernahm die Trägerschaft und half, eine neue Datenschutzerklärung zu erstellen, so dass schnellstmöglich wieder „Jutes“ getan werden konnte. Seit März ist die Plattform wieder online.

Die AWO wolle „Jutestun“ auch weiterhin unterstützen, betont der Geschäftsführer des Kreisverbands Aachen-Stadt, Özgür Kalkan. „Wie kann man das weiterentwickeln, fragen wir uns“, erklärt Kalkan. Momentan arbeite die Arbeiterwohlfahrt am Aufbau eines Sozialkaufhauses – dort soll auch für „Jutestun“ ein Platz sein. „Es soll eine Symbiose geschaffen werden aus digitalem und lokalem Angebot“, sagt Kalkan. Er wünsche sich, „eine Plattform zu schaffen, um ins Gespräch zu kommen.“ Spender und Empfänger sollten dort aufeinandertreffen können. Vielleicht auf einen „juten Kaffee“ oder so.

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